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Oberhavel Anwohner kämpfen gegen Eierfabrik
Lokales Oberhavel Anwohner kämpfen gegen Eierfabrik
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13:45 22.02.2018
Neben dem Stall müssen Legehennen auch einen Auslauf von je vier Quadratmetern haben. Quelle: dpa
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Zehlendorf

Als Martin Meier am Dienstagabend vor den Bauausschuss tritt, berichtet er von einer geplanten Legehennenhaltung mit mehr als 80 000 Hühnern. Der Zehlendorfer spricht für die Bürgerintitiative „Contra Eierfabrik Oranienburg“, die sich vergangenen Freitag gegründet hatte. „Die Anlage ist eine Intensivhaltung mit begrenztem Auslauf, die an zwei Standorten errichtet werden soll.“ Hinter der Bauernsiedlung in Zehlendorf sind zwei Ställe für jeweils 21 000 Legehennen geplant. Dazu jeweils ein Freilaufgelände von 8,8 Hektar dazu. Zwischen Zehlendorf und Wensickendorf, auf Höhe der Bauersiedlung hinter einem alten DDR-Silo, ist der zweite Standort, wo eine baugleiche Anlage angedacht ist. Es handele sich nicht um ein Gerücht, meinte Martin Meier, dass dieses Vorhaben existiert, sei vom Landesumweltamt bestätigt worden. Er hat die Aktenzeichen schon in Erfahrung gebracht und eine Einsicht beantragt.

Die Mitglieder der Bürgerinitiative waren im Bauausschuss in Oranienburg. Quelle: Andrea Kathert

Martin Müller und andere in der Bauernsiedlung waren vor etwa drei Wochen angesprochen worden, ob sie ihr Land verkaufen wollten. Und am vergangenen Freitag saßen sie dem Investor direkt gegenüber. In der Bauernsiedlung hatte Josef Vortallen aus dem Emsland seine Pläne vorgestellt. Begleitet wurde er von Henk Roest, der ehemals zur Geschäftsführung des Oberhavel Bauernmarktes gehörte. Es wird zwei Firmen geben, die je eine Anlage betreiben. Geschaffen werden drei bis vier Arbeitsplätze.

Die Mitglieder der Initiative befürchten enorme Belastungen für die Umwelt und die Menschen (MAZ berichtete). Und sie haben sich genau informiert, wie zum Beispiel bei Genehmigungsverfahren mit Stallgrößen getrickst wird. Denn nur wenn Anlagen mit mehr als 40 000 Hühnern pro Stall geplant sind, wird die Öffentlichkeit überhaupt beteiligt.

Martin Meier trug das Anliegen vor den Abgeordneten vor. Quelle: Andrea Kathert

Vor dem Bauausschuss bat die Bürgerinitiative um die Unterstützung der Stadt. Der BI sprang die Fraktion der Freien Wähler Oberhavel zur Seite. Fraktionsvorsitzende Antje Wendt brachte einen Dringlichkeitsantrag ein, mit dem die Verwaltung beauftragt wird, alle Rechtsmittel auszuschöpfen, um einer Genehmigung der Anlagen durch den Landkreis entgegen zu wirken. „Die Stadt Oranienburg muss an dem Verfahren beteiligt werden, das gemeindliche Einvernehmen soll versagt werden.“ Mit neun Ja-Stimmen und zwei Enthaltungen ging der Eilantrag durch. Allerdings dämpfte Baustadtrat Frank Oltersdorf die Erwartungen. „Wenn die Anlage im Rahmen der Gesetze möglich ist, dürfen wir uns nicht dagegen verwahren.“

Bürgermeister Laesicke hatte sich der Sache auch schon angenommen, weil besorgte Bürger an ihn herangetreten waren. Er hatte beim stellvertretenden Landrat Egmont Hamelow nachgefragt, ob für eine Großanlage für 80 000 Hühner entsprechende Investitionsabsichten bestehen, Voranfragen gestellt oder Vorgenehmigungen sogar schon erteilt wurden. In seiner Verwaltung seien solche Pläne nicht bekannt.

Hamelow bestätigte, dass es zwar ein Gespräch mit Investoren gab, allerdings lägen weder ein Antrag noch eine Voranfrage vor. Gegenwärtig prüfe das LUV, ob eine Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich ist. Sollte es Anzeichen für das Vorhaben geben, würde er sich mit Laesicke in Verbindung setzen.

Olaf Kästner (Die Linke) war skeptisch. Wenn Hamelow von einer Umweltverträglichkeitsprüfung spreche, „was wird denn da geprüft, wenn es keine Anfrage gibt.“ Kästner meinte: „Ich misstraue dem Landkreis.“

Aufruf der BI

Die Bürgerinitiative „Contra Eierfabrik Oranienburg“ informiert die Einwohner über Pläne für eine Intensiv-Legehennenhaltung von mehr als 80 000 Tieren in den Orten Zehlendorf, Wensickendorf, Schmachtenhagen.

Obwohl die Eiererzeugung unter dem Prädikat „Bio“ läuft, sieht die BI Risiken für Mensch, Tier und Umwelt. Sie fordert die Einwohner auf, sich intensiv mit dem Thema zu befassen.

Kontakt: contra.eierfabrik@gmx.de

Von Andrea Kathert

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