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Archäologen wurden in Germendorf fündig

Baubegleitung Archäologen wurden in Germendorf fündig

Die Erdarbeiten für den Neubau der Feuerwache in Germendorf haben begonnen und sind auch gleich wieder ins Stocken gekommen. Die Archäologen sind jetzt am Zuge und haben schon etliche Funde vorzuweisen. Dass direkt am Dorfanger neben der Kirche etwas im Boden liegt, hatte auch die Stadtverwaltung einkalkuliert. Mit dem Ausmaß hat sie aber nicht gerechnet.

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Ausgrabungsleiter Marcel Torres zeigt einen Zapfhahn und zwei Glasscherben mit Glasmarken.

Quelle: Foto: Robert Roeske

Germendorf. Die Feuerwehrleute wird es gefreut haben. Die Erdarbeiten für den Neubau ihrer Wache haben begonnen. Allerdings war die Freude nicht von langer Dauer. Statt mit großem Gerät wird mit Pinsel und Stuckateurkelle hantiert. Die Archäologen des Büros Weishaupt aus Neu-Löwenberg sind fündig geworden.

Als erstes stießen die Fachleute auf Mauerreste eines alten Rittergutes. „Es sind abrocke Grund- oder Fundamentmauern“, sagt Ausgrabungsleiter Marcel Torres. Es gilt aus nachgewiesen, dass auf dem Dorfanger 1701 ein Rittergut stand. Dort, wo die Archäologen gerade arbeiten, könnte das Herrenhaus gestanden haben. Vom Ortschronisten weiß Torres, dass 1738 ein großes Feuer gewütet hat, dem 24 Häuser und die Kirche samt Turm zum Opfer gefallen sind. „Davon war das Rittergut sicher auch betroffen.“ 1843 brannte es erneut im Dorfkern. In den 1890-Jahren wurde das Gutshaus umgebaut, ein Teil der alten Stallungen steht immer noch.

Marcel Torres hat einige Funde schon ordentlich verpackt. Zum Beispiel einen recht gut erhaltenen Zapfhahn. Früher bewahrten die Menschen viele ihrer Vorräte in Fässern auf. Dann zeigt der Ausgrabungsleiter Flaschenscherben, auf denen die Glasmarken noch deutlich zu erkennen sind. „Hier steht Annenwalde 1789“, liest Torres vor. Jede Glashütte hatte früher ihre eigene Glasmarke. Annenwalde liegt in der Nähe von Templin. Acht bis zehn Flaschen haben die Fachleute gefunden, wahrscheinlich in einer Abfallgrube.

Nachdem sich die Archäologen eine weitere Schicht in die Erde gegraben hatten, stießen sie auf die Reste eines Feldsteinkellers. Und sie fanden mittelalterliche Keramik. Als „harte Grauwaren“ werden solche Funde bezeichnet. Sie stammen aus dem 14. Jahrhundert. Marcel Torres denkt, dass die Scherben darauf schließen lassen, dass in Brandenburg erstmals handwerkliche Ware im großen Stil hergestellt wurde. Sicherlich gab es zu dieser Zeit einen Töpfer im Dorf.

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Mauerreste, Scherben und zwei Brunnen haben die Archäologen bis jetzt gefunden. Noch haben sie erst die Hälfte der Fläche untersucht. Weiter Überraschungen sind nicht ausgeschlossen.

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Der jüngste Fund, auf den die Männer am Donnerstag stießen, sind zwei Brunnen. Einer ragt etwa 1,60 Meter in die Tiefe. Ab einem Meter steht das Grundwasser. Für den Laien sind die Brunnen kaum auszumachen. Nur dunklere Kreise zeichnen sich in der Erde ab. Marcel Torres kann sich vorstellen, dass der ältere der Brunnen aus dem Mittelalter stammt. „Das kann man erst sagen, wenn sie ausgegraben sind.“ Vielleicht finden die Männer noch den Holzkasten des Brunnens. Mit spektakulären Funden rechnet der Archäologe nicht. Die Brunnen wurden immer saubergehalten, solange sie genutzt wurden. „Da ist eine Latrine schon ergiebiger“, sagt Torres.

Seit mehr als einer Woche arbeiten sich die Männer bei glühender Hitze durch den Boden. Sorgfältig werden die einzelnen Schichten geputzt. Die rötlichen Schichten sind der Brandschutt. Jeder Fund, jeder Mauerrest, jede Schicht wird von Marcel Torres sorgfältig dokumentiert mit Fotos und maßstabsgerechten Zeichnungen. Die fünf Mitarbeiter des Büros Weishaupt werden in Germendorf noch eine Weile zu tun haben.

Die Brunnenfunde könnten auch für die Bauleute interessant sein. Sicherlich muss der Boden ausgetauscht werden. Ob man darauf einfach bauen kann, müssen Baugrunduntersuchungen und die Berechnungen der Statiker ergeben. In jedem Fall sind das alles Arbeiten, die den Zeitplan leicht ins Wanken bringen.

Von Andrea Kathert

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