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Asyl: Mittendrin in der Herausforderung

Infoveranstaltung zur Kremmener Notunterkunft Asyl: Mittendrin in der Herausforderung

Etwa 300 Kremmener waren am Dienstagabend in der Stadtparkhalle bei der Informationsveranstaltung des Landkreises zum geplanten Asylbewerberheim. Die Bewohner äußerten ihre Sorgen und Ängste, mahnten aber auch die Integration der Geflüchteten an.

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Etwa 300 Kremmener waren am Dienstagabend in die Stadtparkhalle gekommen, um sich über die aktuelle Situation zu informieren.

Quelle: Robert Tiesler

Kremmen. Ursprünglich sollte es bei der Infoveranstaltung am Dienstagabend in der Kremmener Stadtparkhalle darum gehen, dass im Frühjahr 2016 zunächst 120 Geflüchtete in die Stadt kommen. Doch der Abend nahm eine ganz andere Wendung. Schon am Donnerstag wird am Groß-Ziethener Weg eine Notunterkunft bezogen.

Landrat Ludger Weskamp (SPD) hatte relativ kurzfristig zu der Veranstaltung eingeladen, doch zunächst ergriff Bürgermeister Klaus-Jürgen Sasse (SPD) das Wort und zitierte zunächst Artikel 1 des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Und: „Kaum jemand verlässt ohne große Not seine Heimat.“ Sicher könne man die Frage erörtern, ob man nicht besser die Zustände in der Heimat der Geflüchteten verändern müsse. „Das ist aber mit der Bundespolitik zu klären“, so Sasse. Eine Anmerkung, die im Saal zu Unruhe führte und über die sich der Stadtverordnete Christoph Brunner (BfB) empörte.

Landrat Weskamp warb bei den Kremmenern um Vertrauen. Die Verwaltung könne Randbedingungen schaffen. „Was funktioniert, zeigt sich im täglichen Leben“. Weskamp hoffe außerdem auf das Verständnis der Einwohner. Jede Woche müssten in Oberhavel 100 neue Geflüchtete untergebracht werden. Für Kremmen schloss Bürgermeister Sasse aus, dass Sporthallen als Notunterkünfte genutzt werden.

Landrat Ludger Weskamp (SPD, r) informierte

Landrat Ludger Weskamp (SPD, r.) informierte.

Quelle: Robert Tiesler

„Wir stehen nicht vor einer Herausforderung, wir sind mittendrin“, sagte Matthias Rink (CDU), der Sozialdezernent in Oberhavel. Die Notunterkunft am Groß-Ziethener Weg sei nur eine Übergangslösung. Bis Ende Februar 2016 müsse das Areal wieder geräumt werden, spätestens dann werden die Asylbewerber auf andere Orte in der Region verteilt. Der geplante Standort an der Berliner Chaussee, unweit des Bahnhofes, soll wie bereits vor Wochen angekündigt, im Laufe der ersten Jahreshälfte 2016 in Betrieb gehen.

Mehrere Kremmener Bürger äußerten am Dienstagabend Ängste und Bedenken. „Wir können nicht jeden und alle aufnehmen“, sagte Christoph Baumberger und forderte ein Einwanderungsgesetz. Ein weiterer Einwohner wollte wissen, ob die Polizei mit mehr Personal vor Ort sein werde. Sie sei jetzt schon überfordert, „und ich habe fürchterliche Angst um Kremmen.“ Eine Diskussionsteilnehmerin fragte, wer die Frauen und Kinder schütze.

Mario Bergel von der Polizeiinspektion Oberhavel versuchte die Ängste zu nehmen. In Hennigsdorf und Oranienburg habe es bislang keinen Fall von Vergewaltigung gegeben. „Wir verzeichnen eher Straftaten innerhalb der Unterkünfte“, sagte er. Das habe schon allein mit der beengten Lage und den unterschiedlichen Herkünften zu tun. „Das ist eine Herausforderung“, so Bergel weiter.

Ansonsten habe es keinen merklichen Anstieg der Kriminalität in den betroffenen Orten gegeben. Es könne aber natürlich vorkommen, dass Asylbewerber Straftaten begehen. „Wir gehen dagegen vor.“ Es würde bei allen Straftaten ermittelt, egal, wer sie verübt habe. Bergel machte den Kremmenern das Angebot, der Polizei die Ängste und Sorgen mitzuteilen, es gebe Beratungsangebote.

Uwe Fritz aus Sommerfeld mahnte die Wichtigkeit der Integration an. Man könne die Leute nicht ewig einsperren, die Asylbewerber müssten Deutsch lernen und für den Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Heidi Sommer vom Sportverein machte das Angebot, Selbstverteidigungskurse für Kremmener Frauen und Asylbewerberinnen zu veranstalten.

Die Ängste nehmen war auch ein Punkt, den Richard Sommer aus Kremmen wichtig fand. Wer die Menschen, die nun in die Stadt kommen, persönlich kennenlerne, habe keine Probleme.

Von Robert Tiesler

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