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Oberhavel plant zusätzlich Wohnungsbau

Asylunterkunft in Borgsdorf Oberhavel plant zusätzlich Wohnungsbau

Die Stadt Hohen Neuendorf soll dreimal mehr Asylbewerber und Flüchtlinge aufnehmen als bisher bekannt war. Fachbereichsleiter Johannes Kühl nannte die Zahl von 808. Er überraschte zudem mit der Ankündigung, dass der Landkreis Oberhavel neben einer Gemeinschaftsunterkunft für 240 Flüchtlinge zusätzlich sozialen Wohnungsbau in Borgsdorf vorsieht.

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Der Borgsdorfer Knut Jürgens drückte Sorgen der Borgsdorfer Anwohner hinsichtlich geplanten Asyl-Unterkunft aus.
 

Quelle: Foto: Helge Treichel

Borgsdorf.  Die 242 Plätze einer an der Borgsdorfer Margeritenstraße geplanten Sammelunterkunft für Asylbewerber sind noch nicht das Ende der Fahnenstange: Zusätzliche 212 Plätze würden im kommenden Jahr im Hohen Neuendorfer Stadtgebiet benötigt, weitere 354 in der Folgezeit. Insgesamt 808 Plätze müssten in den vier Ortsteilen geschaffen werden, um im Bezug zur Einwohnerzahl an das Hennigsdorfer Level aufzuschließen (3,22 Prozent).

Sitzung des städtischen Hauptausschusses

Das machte Johannes Kühl als Vertreter der Kreisverwaltung am Dienstagabend in der Sitzung des städtischen Hauptausschusses deutlich. Der kommissarische Fachbereichsleiter für Soziales überraschte die Stadtverordneten, Verwaltungsvertreter und rund 150 Gäste zudem mit der Ankündigung, dass der Landkreis auf dem rund zwei Hektar großen Waldgrundstück der Förderschule neben der Sammelunterkunft auch sozialen Wohnungsbau vorsieht. Zur Größenordnung sowie weiteren Einzelheiten mochte Kühl am Dienstag noch keine Aussage treffen. Die Planer seien im Moment am Werk. Er verwies stattdessen auf eine Einwohnerinformationsveranstaltung am 17. September in Borgsdorf. Veranstaltungsort und Zeitpunkt würden noch bekannt gegeben.

Unterdessen haben mehrere Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung für Donnerstag, 16. Juli, für 19 Uhr zu einer Anwohnerversammlung in die alte Borgsdorfer Sporthalle eingeladen (Bahnhofstraße 33). „Hier soll über das Thema Asylbewerber und Flüchtlinge informiert werden“, sagt SPD-Fraktionsvorsitzender Josef Andrle. Die Moderation werde Pfarrer Bernhard Fricke übernehmen.

Gründung einer Willkommensinitiative

Dass es Landkreis und Stadt bisher versäumt hätten, mit den Bürgern zu reden, kritisierte Kleinunternehmer Knut Jürgens. In Borgsdorf gäbe es einen Arzt, eine Kaufhalle, einen Bahnhof. Selten sei ein Polizeiauto zu sehen. Ob das genügt, beschäftige die Anwohner. Andere Gäste, von denen ein Teil die Audioübertragung vor dem Rathaus im Regen mitverfolgen musste, erkundigten sich nach der Nationalität, dem Alter und Geschlecht Flüchtlinge. Wieder andere verwiesen auf Alternativflächen, das ungeeignete soziale Umfeld, den Baumbestand und vorherige großflächige Fällungen für Kölle und den Sportplatz oder hinterfragten das Freizeitangebot für Asylbewerber oder die geplante Gebäudegröße. Susanne Mosch kündigte die Gründung einer Willkommensinitiative an – für den 2. September ab 19.30 Uhr in den Räumen der Kirche.

„Wer kommt, wissen wir nicht“, antwortete Johannes Kühl. Allerdings lasse sich sagen, wer schon da ist. Zu den Top 5 gehörten Menschen verschiedener Altersgruppen aus Syrien, Tschetschenien, Albanien, Eritrea und Kamerun. Bei einem Viertel handele es sich um Frauen, bei drei Vierteln um Männer. Bis zum Monatsbeginn seien 1006 Personen in Oberhavel aufgenommen worden. Der Anteil der Kinder im schulpflichtigen Alter betrage drei Prozent. Ebenso hoch sei der Anteil von Jugendlichen, für die weiterführende Schulen in Frage kommen. Das Bau-, Umwelt- und Naturschutzrecht werde eingehalten, versicherte der Fachbereichsleiter: „Es wird nicht von Kahlschlag gesprochen, kann ich hier versprechen.“

Zehn Standorte vorgeschlagen

Zehn Standorte habe die Stadt vorgeschlagen, sagte Bürgermeister Klaus-Dieter Hartung (Linke). Ein zentraler Punkt sei auch das ehemalige Krankenhaus in der Niederheide gewesen. Das Gebäude sei derzeit aber nicht bewohnbar, der Sanierungsaufwand hoch. Mindestens drei, eher mehr Grundstücke würden allerdings noch benötigt.

Ihr Unverständnis hinsichtlich der kreislichen Wohnungsbaupläne in Borgsdorf formulierten mehrere Stadtverordnete. „Warum wurde das nicht kommuniziert? Das finde ich heftig!“, sagte Stadtverordnetenvorsteher Raimund Weiland (CDU). „Ich fühle mich nicht mitgenommen“, merkte Josef Andrle an. „Für Wohnungen sehe ich keine rechtliche Grundlage“, sagte Thomas von Gizycki (B 90/Grüne).

Aufgabe sei es nun, die Borgsdorfer für die Aufnahme von 240 Flüchtlingen zu gewinnen und Nazi-Einflüsse abzuwehren, sagte Johannes Kühl. Jeder Einzelne sei gefragt, das Beste aus der schwierigen Situation zu machen.

Von Helge Treichel

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