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Auf den richtigen Schnitt kommt es an

Oranienburg Auf den richtigen Schnitt kommt es an

Max Kühne ist Editor. Der Oranienburger macht den Schnitt für Fernsehformate, darunter Bauer sucht Frau Österreich, das Reportermagazin Akte und Punkt 12. Der 32-Jährige ist als Freiberufler ein Senkrechtstarter, hat sich in der Cutter-Szene einen Namen gemacht. Doch er würde gerne mehr eigene Projekte verfolgen.

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Max Kühne schneidet nicht nur Fernsehsendungen, er dreht auch selbst.

Quelle: Marco Winkler

Oranienburg. Eine Frau geht durch ein Feld, die Kamera folgt der Spur ihres Sommerkleidchens, die Hände streifen über die Ähre, warmes Sonnenlicht, verträumte Stimmung. „Fast wie in Gladiator“, sagt Maximilian „Max“ Kühne mit einem Lächeln. In dem Film von Ridley Scott gibt es eine ähnliche Szene. Während der fünffach Oscar prämierte Film in Marokko gedreht wurde, zeichnete Max sein Video in Nassenheide auf. Zusammen mit Dorfimpressionen, Drohnen-Bildern aus der Luft und Interviews entstand er zum 666. Geburtstag des einwohnerstärksten Ortsteils im Löwenberger Land. Die Kamera ist aber nicht Max’ erlerntes Werkzeug, eher die Tastatur und der Computer. Der 32-Jährige ist Cutter. Oder, wie es seine Kollegen lieber hören: Editor.

Viele Bezeichnungen für ein Berufsbild: Der gebürtige Berliner, der in Nassenheide aufgewachsen ist und jetzt in Oranienburg lebt, ordnet Bilder. Sequenz für Sequenz sucht er sie aus oftmals langem Filmmaterial heraus, sortiert sie in einer dramaturgisch angemessenen Reihenfolge, Einstellung für Einstellung, unterlegt alles mit Tönen, Musik, Effekten. „Schnitt soll man nicht merken“, sagt er. Er muss fließend sein, unauffällig. Wenn die Film- und Fernsehzuschauer nicht wahrnehmen, dass da jemand Filmschnipsel zusammengepuzzelt hat, macht er seine Arbeit richtig – und das mittlerweile für namhafte Produktionen: Gottschalk Live, Bauer sucht Frau Österreich, Schwer verliebt, Punkt 12, das Reportermagazin Akte, er arbeitete für Sender wie ZDF, ARD und DMAX. Fast wäre es anders gekommen.

„Leute vorführen ist einfach nicht mein Ding“

Neben der Schule kellnerte Max. „Beinahe hätte ich als Hotelfachmann im Stadthotel Oranienburg angefangen“, sagt er. Dann sprang ihm eine Anzeige ins Auge: In Neuruppin wurde die Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton angeboten. „Wir haben fast nur Photoshop gemacht.“ Weiterer Nachteil: Die schulische Ausbildung war in Teltow. Weite Wege. Also: Abbruch, Neustart in Berlin. In der Hauptstadt lernte er Film- und Videoeditor. „Danach war alles Zufall, Glück und ein bisschen Können.“ Er drehte während der Fußball-WM die Breakdancer Flying Steps am Potsdamer Platz, interviewte den damaligen Bundestrainer Jürgen Klinsmann. „Eines führte zum anderen.“

Als Freiberufler ist er auf Empfehlungen angewiesen – es funktionierte. Er kürzte und schnitt 180 Minuten Rohmaterial zu einem Drei-Minuten-Beitrag für Punkt 12, assistierte beim Schnitt von „Gottschalk Live“, als die Talkshow schon nicht mehr live ausgestrahlt wurde. Das sei stressig gewesen. „Da stehen fünf Leute hinter dir und geben Anweisungen.“ Ähnlich sei es bei „The Voice of Germany“, deshalb lehnte er schnell ab. Auch für das kritisierte RTL-Format „Mitten im Leben“ hat er gearbeitet, zwei Wochen lang. Dann hielt er es nicht mehr aus. Obwohl alles nur gespielt im Pseudo-Doku-Stil, „Leute vorführen ist einfach nicht mein Ding.“

Ziel: Mehr eigenen Projekte realisieren

Konkurrenz hat er als Selbstständiger, fürchtet sie aber nicht. „Der Kreis der guten Cutter ist begrenzt.“ Es braucht Feingefühl. Der richtige Ton muss auf die richtigen Bilder treffen. Seine Freundin hätte das Gespür für den Aufbau einer Szene. Sie ist selbst Cutterin bei RTL.

Max’ Ziel: eigene Projekte, wo er die Kamera wieder zur Hand nimmt beziehungsweise die Drohne. Er hat extra einen Grundkurs zum Erlangen der Aufstiegsgenehmigung absolviert. „Viele Landschaften erkennt man von oben kaum wieder.“ Für die Nassenheider drehte er solche Bilder. Die waren dankbar, ihren Ort einmal aus der Vogelperspektive sehen zu können. Aber auch hier: Schnitt und Ton sind das A und O. „Wenn die beiden Sachen nicht harmonisch sind, kann man den ganzen Film vergessen.“

Von Marco Winkler

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