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Oberhavel Auf der Jagd nach dem Schweinchen
Lokales Oberhavel Auf der Jagd nach dem Schweinchen
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00:17 12.04.2017
Der roten Zielkugel, dem „Schweinchen“ (vorn im Bild), gilt es beim Boule möglichst nah zu kommen. Der Wanderpokal (kleines Foto) geht ans Siegerteam. Quelle: Fotos: R. Roeske,
Schönfließ

Es ist ein grauer Sonnabend, fünf Minuten vor Drei. Auf dem kleinen Bouleplatz am unteren Regenrückhaltebecken im Wohngebiet Bieselheide ist es totenstill. Doch nach und nach strömen aus den Häusern der Nachbarschaft Leute auf den Sandplatz. Keine zehn Minuten später macht sich hier ein gutes Dutzend warm, zwischen ihren Beinen wetzen Kinder auf der Boulebahn rum. „Genau deswegen tun wir das hier jeden Sonnabend“, sagt Harald Grimm vom Bürgerverein Bieselheide, „wir bringen die Nachbarschaft zusammen.“ Denn immer wieder ziehen Leute in das Wohngebiet, das Mitte der 1990er-Jahre entstanden ist. Und oft kommt es vor, dass neue Nachbarn den Boulespielern zuschauen, etliche sind heute selbst jede Woche dabei. An guten Tagen wächst die Gruppe auf 20 Spieler an. Es braucht also nicht immer gleich die integrative Kraft des Fußballs, um Menschen zusammenzubringen. Manchmal reicht es, gemeinsam eine ruhige Kugel zu schieben. „Boule kann jeder spielen“, sagt Harald Grimm.

Angefangen hat alles im September 2015, als der Bürgerverein Bieselheide sein 15-jähriges Bestehen mit einem Sommerfest auf den Grünanlagen zwischen Feldahornstraße und unterem Regenrückhaltebecken feierte. „Wir wollten Boule spielen, allerdings hatten wir nur Rasen“, erinnert sich SPD-Mann Grimm. Die Stadtverwaltung ließ kurzerhand eine wettkampftaugliche Boulebahn mit Baumstämmen als seitlicher Begrenzung und Pflasterungen an den Abwurfflächen bauen. Eingeweiht wurde sie beim damaligen Fest mit einem Turnier, an dem sechs Mannschaften teilnahmen.

Die Nachbarschaft war schnell begeistert vom französischen Kugelsport, bei dem es grob gesagt darum geht, welches Team seine bis zum 800 Gramm schweren Metallkugeln am dichtesten ans „Schweinchen“ wirft – so wird die kleine rote Zielkugel genannt. Immer mehr Nachbarn schafften sich ein Set aus sechs Kugeln an, der Andrang an den Sonnabenden wurde größer. Also erweiterte die Stadtverwaltung die Anlage im vergangenen Jahr um eine zweite Boulebahn. Um die Pflege kümmern sich die Mitglieder des Bürgervereins, die auch das Gros der Spieler stellen.

Die Anlage wird immer besser, kürzlich ließ die Verwaltung zwei Bänke aufstellen. Und im Frühjahr rechnet der Bürgerverein damit, dass ein Unterstand gebaut wird – Tisch und Schrank für eine Platzwalze sollen hier auch bald stehen. Nicht aber der „Wanderpokal“, ein kleiner Boule-Spieler aus Metall. Den nimmt das jeweils siegreiche Team mit nach Hause. Denn auch beim Boule gilt der Konkurrenzgedanke – selbst wenn die Teams zusammen Cidre trinken. „Sobald man die Kugel in der Hand hat“, sagt Harald Grimm. „will man auch gewinnen.“

Von Marco Paetzel

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