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Auf der Pirsch im Briesewald

Briese Auf der Pirsch im Briesewald

Die Forstbehörden von Land und Bund haben rund um Briese zum zweiten Mal eine gemeinsame Drückjagd veranstaltet – mit 200 Jägern. Dafür waren an der Straße zwischen Lehnitz und Summt beidseitig kilometerlang Bänder mit blauen, weißen und gelben Fahnen gespannt worden.

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Die Jagd beginnt.

Quelle: Helge Treichel

Briese. Die Kälte beißt an den Händen. Mit dicken Jacken, Hosen und Schuhen haben sich die Männer und Frauen auf die winterlichen Temperaturen eingestellt. Geduldig warten sie an diesem Mittwochmorgen am Parkplatz im Birkenwerderaner Ortsteil Briese auf das Startsignal. Einige gruppieren sich um das im Wind lodernde Lagerfeuer, andere stehen abseits und halten ein Schwätzchen. Manche haben Hunde dabei, die aufgeregt an ihren Leinen ziehen. Um kurz nach 8 Uhr setzen die Jagdhornbläser ihre Instrumente an und blasen zum Sammeln. Die Hunde stimmen jaulend mit ein. Ein weiteres Signal kündigt die bevorstehende Jagd an.

Dafür waren am Vortag an der Straße zwischen Lehnitz und Summt beidseitig kilometerlang Bänder mit blauen, weißen und gelben Fahnen gespannt worden. Trupps in Warnwesten platzierten auch Schilder, die auf eine Treib- oder Stöberjagd hinweisen, sogar an der B 273 zwischen Oranienburg und Schmachtenhagen.

Den Grund für den gewaltigen Aufwand erklärt Henry Repkow, Leiter der Landeswaldoberfösterei Borgsdorf. Das Forstrevier Briese veranstaltet eine sogenannte „Drückjagd“, parallel aber auch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die den Bundesforst des ehemaligen Lehnitzer Truppenübungsplatzes bewirtschaftet. Insgesamt rund 200 Jäger aus dem gesamten Bundesgebiet gehen an diesem Vormittag auf die Pirsch, etwa ein gutes Viertel davon in einem 1600 Hektar umfassenden Stück des Landeswaldes, die übrigen im 2400 Hektar großen Bundesforst.

Vorbereitungen für die Jagd

Vorbereitungen für die Jagd. Die Gruppen werden eingeteilt..

Quelle: Helge Treichel

Doch zunächst ist die Menschenmenge aus Jägern und Treibern um ein Rechteck aus Tannengrün angetreten. Diese „Strecke“ könne je nach Jagderfolg durchaus erweitert werden, verkündet Henry Repkow schmunzelnd. Der 61-Jährige erklärt dann die Regeln, nach denen Rot-, Reh- und Schwarzwild geschossen und zur Strecke gebracht werden dürfen. Altersvorgaben und Schutzbestimmungen. Zum Beispiel dürfen keine Bachen mit noch gestreiften Frischlingen erlegt werden. Ansonsten sei es das Ziel, den zu hohen Wildbestand zu reduzieren. Das sei eine „gesellschaftliche Aufgabe“, erläutert Repkow später im Gespräch. Es gehe darum, die Fraßschäden an forst- und landwirtschaftlichen Flächen gering zu halten – und nicht nur dort. Wie nötig das ist, werde vielen Menschen erst angesichts der Wildschweinplage in Birkenwerder, Bergfelde und Glienicke bewusst.

Nach der Belehrung werden die Jäger in Gruppen eingeteilt, die wiederum an sechs verschiedenen Stellen im Landeswald auf das Wild warten. Für die Schützen sind hölzerne Ansitze aufgestellt worden. Die Fahrzeugkolonne setzt sich kurz darauf in Bewegung.

Einige der erlegten Wildschweine

Einige der erlegten Wildschweine. Sie werden nicht mehr für Nachwuchs sorgen.

Quelle: Enrico Kugler

Vorher hatte Repkow allerdings vor vereisten Leitersprossen gewarnt und vor einer Besonderheit: den zahlreichen Besuchern im Wald. Jogger, Hundebesitzer und Wanderer würden die an allen Einfallwegen aufgestellten Warnschilder gerne mal ignorieren. Das Wild sollte vorher sorgfältig angesprochen – also identifiziert – werden. Und in der Schussbahn sei auf gewachsenen Boden als Kugelfang zu achten. Schussweite: maximal 80 Meter.

Kaum hat Lars Falke auf seinem Hochsitz Platz genommen, kommt lautlos Rotwild aus der Deckung. Das Muttertier überquert eine Schneise, ein Kalb bleibt „breit stehen“. So bietet es dem Schützen die größte Trefferfläche. Der 31-Jährige legt sorgfältig an und schießt. Treffer!

Falke ist mit seinem Vater Bernd (56), Opa Friedrich (80) und Cousin Marcus Block (27) zur Jagd gekommen. Dieser gemeinsame Familienausflug hat Tradition. Die haben der Opa und Vater bereits vor 20 Jahren begründet. Seinerzeit hatten sie nach einem Revier mit Rotwild gesucht, das in ihrer Stendaler Heimat nicht vorkommt. Über einen Auftraggeber ihrer Metallbaufirma kamen sie nach Borgsdorf. Denn Opa, Vater und Enkel haben noch eine Tradition. Alle sind Metallbaumeister.

Drei Generationen, ein Jagderfolg

Drei Generationen, ein Jagderfolg. Marcus Block sowie Lars, Friedrich und Bernd Falke (v. l.)

Quelle: Enrico Kugler

Zu den rund 20 Treibern und Durchgeschützen gehört Annette Wartenberg. Für die 46-Jährige gehört die Tätigkeit als Treiberin zu den normalen Aufgaben als Waldarbeiterin dazu. Seit 30 Jahren arbeitet sie für die Borgsdorfer Försterei. Sie scheucht das Wild mit gedämpften Geräuschen aus der Deckung. Zu viel Adrenalin im Blut würde nicht nur dem Jäger den Schuss erschweren, sondern auch die Fleischqualität negativ beeinflussen. Und so nutzt auch Michaela Wenzel Naturgeräusche, indem sie zum Beispiel auf einen Ast tritt. „Ich halte nix von Olé und Tamtam“, sagt sie. Die 25-Jährige aus Klosterfelde ist seit fünf Jahren bei der Forst, hat ihren Jagdschein aber schon ein Jahr länger. Sie bläst ihr Jagdhorn und hat Dackelhündin „Resi“ dabei. Der ausgebildete Schweißhund wird für die Suche nach angeschossenem Wild eingesetzt. Andere Vierbeiner verstärken die Treiber beim Stöbern.

Als Jürgen Brinckmann aus Bernau seinen Ansitz gerade besetzt hat, fällt bereits der erste Schuss. Der 53-Jährige sieht eine Rotte Wildschweine und kommt selbst zum Schuss. Der Keiler bricht nahezu auf der Stelle zusammen. Auch in seiner Familie hat die Jagd Tradition. Auch der Vater und Großvater waren Waidmänner. Brinckmann geht seit 25 Jahren in den Wald. „Aus Liebe zur Natur“, sagt er. Denn sehr, sehr viel Zeit bleibe zum Beobachten der Tiere.

Die erlegten und aufgebrochenen Tiere werden in Briese zur Strecke gebracht

Die erlegten und aufgebrochenen Tiere werden in Briese zur Strecke gebracht.

Quelle: Enrico Kugler

Stück für Stück werden die erlegten Tiere auf die Strecke gelegt. Die Rückkehrer wärmen sich an Suppe, Chili con Carne – und am Feuer. Erneut erklingen die Jagdhörner. Henry Repkow bilanziert zufrieden das Jagdergebnis und die Zusammenarbeit mit der Bundesbehörde. Im Anschluss ehrt er die Schützen der jeweiligen Wildart. Dazu erklingen die passenden Signale. „Hirsch tot“, „Sau tot“ und „Reh tot“. Damit werde auch die Kreatur geehrt, sagt Michaela Wenzel. Henry Repkow verabschiedet sich bis zum nächsten Jahr. Weithin hörbar klingt am Ende das Schlusssignal durch den Briesewald: „Jagd vorbei und Halali“.

Zwei Rothirsche die in Lehnitz zur Strecke gebracht wurden

Zwei Rothirsche die in Lehnitz zur Strecke gebracht wurden.

Quelle: Enrico Kugler

Die Jagd geht weiter

Im Landeswald in Briese sind bei der Treibjagd je sechs Stücke Rot- und Schwarzwild zur Strecke gebracht worden. Außerdem zwei Rehe.

Die Lehnitzer Jagdstrecke am Bundeswald war etwas länger: elf Stücke Rotwild, sieben Stücke Schwarzwild und neun Stücke Rehwild.

Die Jagd trage dazu bei, die Wildbestände auf ein für den Wald verträgliches Maß zu reduzieren, sagt Annette Busch, stellvertretende Leiterin der Bundesforstbehörde Havel-Oder-Spree.

Weitere Stöberjagden gibt es am Donnerstag, 1. Dezember, in Rehhorst bei Kreuzbruch sowie am Freitag, 2. Dezember, zwischen Zühlsdorf und Wensickendorf.

Von Helge Treichel

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