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Ausbau zur Residenzstadt

Oranienburger Stadtgeschichten Ausbau zur Residenzstadt

Oranienburg erlebte ab der Mitte des 17. Jahrhunderts einen wahren Bauboom. Am Schlossplatz entstanden zahlreiche Gebäude wie das Amtshaus und der Marstall. Auch die heutige Berliner Straße wurde damals angelegt, damit der Kurfürst schneller nach Berlin kam.

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Das Amtshaus von 1704 auf einer Postkarte vor 1945. Das Kreismuseum Oberhavel war hier bis 2001 untergebracht. Es beherbergt heute das Wieland-Förster-Zimmer zu Ehren des Wensickendorfer Bildhauers.

Quelle: Bodo Becker

Oranienburg. Östlich vom Jagdzeughaus, wo heute die Berliner Straße in den Schlossplatz einmündet, hatte die Kurfürstin das Amtshaus für die Verwaltung der Wirtschaften errichten lassen. Es war auch Sitz des Hofgerichtes.

Gehen wir nun gedanklich weiter in Richtung Havel, so schloss sich der Marstall an. Er wurde 1665 an der Stelle des alten Marstalls errichtet. Sein Neubau war zugleich Ausdruck der Anerkennung von Seiten der Kurfürstin gegenüber der Stadt Oranienburg als Residenz. Im Marstall standen die zum Hofstaat gehörenden Pferde und Wagen. Unmittelbar anschließend daran lag das Haus eines bereits im Mittelalter bekannten Hofbeamten – das von 1657 bis 1659 erbaute Marschallhaus.

Der Marschall stand an der Spitze der Bediensteten für den Marstall. Ihm kam als Stallmeister große Bedeutung und Ansehen zu. Den Abschluss zur Havel hin bildeten die 1651 eingetauschten Besitzungen des Heidereiters Gerlach. Ebenfalls am Schlossplatz gelegen, den zuletzt beschriebenen Gebäuden jedoch gegenüber, in Nähe der Zugbrücke über die Havel, entstand 1665 eine Hauptwache. Damit fanden die städtebaulichen Aktivitäten der Kurfürstin im Bereich des Schlossplatzes ihren Abschluss.

Neben der Kirche (erbaut 1658-1663), dem Waisenhaus (Fertigstellung 1665, nach dem Stadtbrand von 1671 wieder errichtet) und dem Schloss gehörten die aufgeführten Baulichkeiten zu den wenigen Steinbauten Oranienburgs. Sie prägten zugleich den Charakter als Amts- und Residenzstadt. Nach dem Tod der noch jungen Kurfürstin kamen die Bauvorgänge am Schlossplatz zunächst zum Erliegen. Erst ihr 1688 nachfolgender Sohn, Kurfürst Friedrich III., schenkte Oranienburg wieder größere Beachtung. Fast während seiner gesamten Regierungszeit (ab 1701 als Friedrich I., König in Preußen) ließ er das Schloss zu einer der schönsten barocken Residenzen in der Mark Brandenburg um- und ausbauen.

Der Marstall an der Rückseite des Amtshauses (1

Der Marstall an der Rückseite des Amtshauses (1. Gemeindeschule) im Jahre 1932.

Quelle: Bodo Becker

Die Liebe zu seiner Mutter verewigte der Kurfürst 1690 mit der bekannten lateinischen Inschrift am Mittelbau des Schlosses: „Dies von Louise, der Prinzessin von Oranien, der besten Mutter erbaute und durch den Namen ihres Geschlechts ausgezeichnete Schloss hat der Kurfürst Friedrich III. zum Gedächtnis der sehr frommen Mutter erweitert, geschmückt, vermehrt 1690“.

Doch wenden wir uns wieder dem Baugeschehen am Schlossplatz zu. Es wurde nachhaltig bestimmt von der baulichen Ausrichtung der Stadtanlage zum Grundriss des Schlosses. Entgegen kam dieser städtebaulichen Konzeption die Zerstörung von Wohnhäusern und Stallanlagen auf der östlichen Seite der Breiten Straße durch einen Brand am 20. August 1688. Der Marstall, das Amtshaus und das Jagdzeughaus waren ebenfalls in Gefahr geraten.

Zunächst ließ der Kurfürst bis 1696 die Berliner Straße bauen, um auf kürzestem Weg (bis dahin über Lehnitz) von seiner Oranienburger Residenz nach Berlin zu gelangen. In der Vergangenheit wurde die Berliner Straße daher auch Königs- und Friedrichstraße genannt. Die östliche Häuserzeile der Berliner Straße endete zum Schlossplatz hin mit dem 1699 gebauten Neuen Marstall. Bis zu vierzig Pferde mit den dazugehörigen Wagen konnte der Neubau fassen. Der lang gestreckte, zweigeschossige Fachwerkbau fand seinen architektonischen Abschluss am Schlossplatz, der mit dem Jagdzeughaus, nur unterbrochen durch die Berliner Straße, nun auf einer Höhe stand. Das obere Stockwerk enthielt zusätzlich Wohnungen. Die zum Platz hin stehende Giebelseite des Hauses besaß einen mit roten Ziegeln eingedeckten Krüppelwalm.

Auch das Amtshauptmannshaus an der gegenüberliegenden Einmündung zum Schlossplatz erfuhr seit den 1690er Jahren umfangreiche bauliche Erneuerungen. Für seinen protegierten Amtshauptmann Johann Kasimir Kolbe Graf von Wartenberg (seit 1690 bis 1710) ließ der Kurfürst das Gebäude sanieren und bis um 1700 in der Architektur des Barocks vervollkommnen. Es ist das letzte repräsentative Amtsgebäude am Schlossplatz, das wir noch heute bewundern können. Dabei ordnet sich die Ansicht des Gebäudes der frühbarocken Architektur des Schlosses unter. Von der Straßenseite sieht man eine fünfachsige, zweigeschossige Fassade, die im Bereich des Erdgeschosses mit einer Streifenquaderung im Putz verziert ist. Die schmalen rechteckigen Fenster lassen noch die niederländischen Einflüsse erkennen. Ästhetisch bemerkenswert ist die Neufassung der siebenachsigen Fassadengliederung an der Rückseite des Hauses, die mit der barocken Gartenkunst des Hausgartens und dem sich anschließenden Lustgarten des Schlosses korrespondierte, der schon von Louise Henriette angelegt worden war.

Für den Bau der Berliner Straße hatte auch das kurfürstliche Amtshaus weichen müssen. 1702 kaufte Friedrich I. von den Erben des Heidereiters Gerlach das an der Havel liegende Haus nebst zwei Gärten. Hier und auf dem Gelände des Marschallhauses wurde 1704 das neue Amtshaus im Stile eines großen Bürgerhauses fertig gestellt. Mit seiner breiten Fensterfront zum Schlossplatz gewandt und ebenfalls mit einem Mansardwalmdach versehen, besaß die Hausfront die schlichte Ausstrahlung eines öffentlichen Baues. Dazu gehörten ein betontes Hauptgesims mit Andeutungen von Balkennägeln, knappe Profile um die Fenster und ein Portal, das von zwei Konsolen einen gut sitzenden und schmückenden Abschluss tragen ließ. Die gemauerte Vortreppe mit einem schmalen eisernen Gitter und die einfache Tür ergänzten diese Erscheinung.

Von Bodo Becker

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