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Ausstellung: Eisenbahnbauer unter sich

Hennigsdorf Ausstellung: Eisenbahnbauer unter sich

Es ist eine aussterbende Spezies: Modelleisenbahnbauer. Im Hennigsdorfer Stadtklubhaus kamen Freunde der Mini-Modelle am Sonntag zusammen. Organisiert wurde die Börse vom Ehepaar Plackowski aus Hennigsdorf – fast im Alleingang. Das Mekka der Eisenbahnenthusiasten lockte Hunderte Besucher an.

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Modellbauer: Jeaneau Franke ist mit 30 Jahren einer der jüngster Hobby-Bauer.

Quelle: Marco Winkler

Hennigsdorf. Zeiten ändern sich. Keine Binsenweisheit, für Modellbauer schmerzhafte Realität. Konnten Hobbybastler von Mini-Loks und DDR-Waggons vor Jahrzehnten noch aus den Vollen schöpfen, sind sie zu einer aussterbenden Spezies geworden. Am Sonntag fanden sie im Hennigsdorfer Stadtklubhaus auf der Modelleisenbahnbörse ein kleines Refugium, das den Enthusiasmus vergangener Zeiten aufleben ließ.

Nicht nur der Name, auch das Hobby ist ungewöhnlich: Jeaneau Franke aus Eberswalde sammelt DDR-Fahrzeuge im Miniaturformat. Feuerwehr, NVA, Kommunaltechnik. Etwa zwei Stunden am Tag tüftelt er an seinen Modellen. „Es ist ein zeitintensives Hobby“, so der 30-Jährige. Den ersten Bausatz hat er sich vor zehn Jahren gekauft. Er war sofort wieder angefixt, hatte Flashbacks aus seiner Kindheit. „Ich hatte damals eine Modelleisenbahn, die Begeisterung flaute dann aber irgendwann ab.“ Wie bei so vielen Kindern. Jetzt ist er wieder Feuer und Flamme, baut alles selbst, hat sogar ein eigenes „Spielzimmer“ in seiner Drei-Raum-Wohnung. Ein 14 Quadratmeter großer Modellbauertraum.

Stöbern war ausdrücklich erlaubt und gewünscht

Stöbern war ausdrücklich erlaubt und gewünscht.

Quelle: Winkler

Junge Bastler wie Jeaneau Franke sind die Ausnahme. „Der Altersdurchschnitt der Sammler liegt schon bei 50plus“, sagt Evelyn Plackowski. „Der Nachwuchs fehlt halt, wie überall.“ Zusammen mit ihrem Mann Manfred organisiert sie die Börse seit 2012 im Alleingang. Zuvor hatte ihr Mann 10 Jahre die Eisenbahnmesse mit einem Kollegen auf die Beine gestellt. Das lief suboptimal. Die Börse war kurz vor dem Ende – bis die Plackowskis aus Hennigsdorf übernahmen.

Jetzt kommen zu den zwei jährlichen Börsen bis zu 500 Besucher. „Wir haben 34 Aussteller, waren schon vor Wochen ausgebucht“, so Evelyn Plackowski. „Mehr bekommen wir auch nicht unter“, ergänzt ihr Mann. Der Platz ist ausgereizt. „Wir müssen ja die Sicherheitsbestimmungen einhalten.“

Thomas Knott aus Berlin

Thomas Knott aus Berlin. Er betreibt ein eigenes Geschäft in der Hauptstadt.

Quelle: Winkler

Händler kommen aus der ganzen Region, Berlin, Potsdam, Barnim, viele sind privat hier. So wie Peter Baschin. Er verkauft den Nachlass seines verstorbenen Vaters. „Er hat jahrelang gesammelt, einfach alles, und es auf dem Dachboden verstaut“, erzählt der Berliner. Der Eisenbahnschatz ist jetzt seiner. „Wir haben aber keine Eisenbahn und wollen alles verkaufen.“

Zum Glück hob der Vater alle Kaufbelege auf. An denen orientiert sich sein Sohn preislich. „Ein bisschen Handeln ist immer drin“, sagt er. „Wir machen aber keine Ramschpreise.“ Nicht mal im Winter – der Hauptgeschäftszeit. „Winter ist Eisenbahnzeit, besonders vor Weihnachten.“

Wolf-Dieter Philipp musste sein Geschäft vor vier Jahren i

Wolf-Dieter Philipp musste sein Geschäft vor vier Jahren i

Quelle: Winkler

Billigpreise hat auch Thomas Knott nicht nötig. Ihm gehört seit fünf Jahren ein eigener Laden („Tegeler Lokschuppen“) in Berlin. Seine Preise sind human. „Ich musste mein Lager räumen“, sagt er. Das Geschäft laufe ganz gut. „Problem ist halt, es gibt keine Kinder mehr, die damit spielen.“ Ab 12 Jahren sei „alles vorbei“, Smartphone und Internet würden die Gunst der Jugendlichen übernehmen. Seine Kundschaft: 50plus.

Die umringte auch Wolf-Dieter Philipp einmal. Bis 2012 hatte der leidenschaftliche Modellbauer ein eigenes Geschäft in Potsdam. „Ich mache das seit ich sieben Jahre alt bin, also seit 1957“, rechnet er nach. Er hat damals Briefe ausgetragen, um sich eine eigene Lok zu kaufen. „Für 35 DDR-Mark.“ Irgendwann machte er das Hobby zum Beruf. Doch es rentierte sich nicht mehr. Die große Zeit der Eisenbahnmodellbauer sei eben vorbei.

Auf der richtigen Spur bleiben

Die nächste Börse für Modelleisenbahnen und zahlreiches Zubehör im Hennigsdorfer Stadtklubhaus, Edisonstraße 1, wird am 5. Februar 2017 veranstaltet, erneut von Manfred und Evelyn Plackowski.

Doch so ganz im Alleingang schafft es das Hennigsdorfer Ehepaar nicht. „Wir haben viele helfende Hände, die uns unter die Arme greifen“, so Evelyn Plackowski. „Ohne die wäre die Veranstaltung gar nicht möglich“.

Besonders beliebt auf der Börse sind Modelle mit der Spurweite H0 (Maßstab: 1:87). Die Spur ist am meisten verbreitet. Vorwiegend in Vereinen und auf Modulanlangen ist Spur 0 zu finden, da die Modelle hier etwas größer sind. Der Maßstab ist 1:48.

Eher selten ist die Spur TT, die in der ehemaligen DDR verbreitet war. Maßstab: 1:120. Noch kleiner ist Spur Z mit einem Maßstab von 1:220. Besonders in Japan ist diese zu finden.

Von Marco Winkler

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