Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Oberhavel Ausstellung zum Datum der Schande
Lokales Oberhavel Ausstellung zum Datum der Schande
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:23 04.08.2016
Hans Biereigel mit zwei Vertreterinnen der jüdischen Gemeinde Oranienburgs am Dienstag in der Stadtbibliothek. Quelle: Foto: Enrico Kugler
Anzeige
Oranienburg

Am 25. April 1933 begrenzte das sogenannte „Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen“ erstmals den Anteil jüdischer Schüler und Studenten in Deutschland. Ein weiterer Einschnitt jährte sich am 2. August zum 75. Mal: das Verbot für Juden, Leihbibliotheken zu benutzen. Ein wenig beachteter Jahrestag.

Katharina Bölke musste als Bibliothekarin nicht auf das Datum aufmerksam gemacht werden. Für sie hat der 2. August, den sie als „Datum der Schande“ bezeichnet, eine persönliche Bedeutung. Im Jahr 1975 kam Bölke als 24-jährige Studentin nach Oranienburg und arbeitet seitdem in der Stadtbibliothek, deren Leiterin sie heute ist. Zum Jahrestages des Bibliothekverbots stellte sie am Dienstag zeitgenössische und historische Literatur jüdischer Autoren sowie Fach- und Holocaust-Literatur aus. „Ohne den jüdischen Geist wäre unsere Kultur arm!“, sagte Bölke. „Viele erfolgreiche Autoren sind jüdischer Abstammung, leider ist das allgemein viel zu wenig bekannt.“

Zu der Veranstaltung eingeladen waren auch der Historiker und langjährige Direktor der Gedenkstätte Sachsenhausen, Hans Biereigel, und Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Oranienburg. Biereigel gab im Lesesaal der Bibliothek eine ebenso anschauliche wie bedrückende Vorlesung und nannte eine Vielzahl grausamer Details der menschenverachtenden Unterdrückungspraxis der SS. Besonders ergriffen zeigte sich das Publikum, als der Historiker eine zweiseitige Namensliste von Juden Wort für Wort vorlas, die aus Oranienburg deportiert wurden.

Natürlich sei die Erinnerung an die schrecklichen Geschehnisse schmerzhaft, sagte Katharina Bölke, doch der Stadt Oranienburg käme eine besondere Verantwortung zu: „Die Dinge, die damals geschehen sind, werden uns niemals loslassen. Sie sind eng mit dem Namen Oranienburg verbunden.“ Als früherer Sitz der Zentralverwaltung aller Konzentrationslager im Dritten Reich werde die Stadt auch die „SS-Stadt Oranienburg“ genannt. Und tatsächlich: Der Autor Christian Welzer beschreibt Oranienburg in seinem kritischen Bericht über die Planung des Konzentrationslagers Sachsenhausen als „Idealstadt der Unterdrückung“. Am Ende der Veranstaltung wendet sich ein älteres Ehepaar an die Bibliotheksleiterin, sagt: „Hätte ich gewusst, welch dunkle Vergangenheit auf dieser Stadt lastet, dann wäre ich nicht hierher gezogen.“

Katharina Bölke und die Stadtbibliothek Oranienburg haben sich im Sinne der Aufklärung für eine offensive Auseinandersetzung mit der Geschichte entschieden. Veranstaltungen wie die Ausstellung am 2. August sollen zeigen, wie sehr jüdische Denker die Gesellschaft auch im Bildungssektor bereichert haben und dies auch heute wieder tun. Auch der Bürgermeister von Oranienburg, Hans-Joachim Laesicke, sprach der Initiative der Stadtbibliothek seine Unterstützung aus: „Die Ausstellung der Stadtbibliothek gedenkt jüdischem Leben in Oranienburg und bringt diese Facette unserer Stadt, die vor der Wiedervereinigung lange gefehlt hat, endlich wieder zum Leuchten.“

Von Nadim Baker

Oberhavel Oranienburg am 3. August 2016 - Kleines Chaos vor der Bombenentschärfung

Besonders am S-Bahnhof Lehnitz herrscht am Mittwochmorgen ein wenig Durcheinander. Die Asylbewerberfamilien haben zwar ihr Unterkünfte im Sperrkreis verlassen, aber weiter wissen sie nicht. Ein zweiter Bus wird geordert. Und alle kommen wohlbehalten auf dem Oberhavel Bauernmarkt an. Sonst geht es recht routiniert zu – mehr oder weniger.

04.08.2016
Oberhavel Oberhavel: Polizeibericht vom 3. August - Polizei stoppt Messermann

In Hennigsdorf hat ein offenbar geistig verwirrter Mann einen Passanten geschlagen und zwei Frauen bedroht. Die Polizei fand bei ihm ein Küchenmesser mit einer zehn Zentimeter langen Klinge. In einem Laden hatte der 42 Jahre alte Tatverdächtige außerdem eine Angestellte massiv beleidigt.

03.08.2016
Oberhavel Liveticker zum Nachlesen - Bombe in Oranienburg ist entschärft

Ausnahmezustand in Oranienburg: Eine 500-Kilogramm-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg wurde am Mittwoch im Ortsteil Lehnitz entschärft. Rund 4000 Oranienburger mussten ihre Wohnungen verlassen. Es bestand ein erhöhtes Risiko – und es gab unvernünftige Menschen. Dennoch: Um 14.59 Uhr war der Blindgänger entschärft. Die MAZ berichtete im Liveticker.

03.08.2016
Anzeige