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Oberhavel Auszug aus dem Schandfleck Oranienburgs
Lokales Oberhavel Auszug aus dem Schandfleck Oranienburgs
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00:18 14.05.2017
Dienstgruppenleiter Michael Rittmüller schloss am Mittwoch die Einfahrt mit einer Kette. Quelle: Enrico Kugler
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Oranineburg

Berliner Straße 45a. Allein die Adresse reicht aus, um bei vielen Menschen ein unschönes Bild im Kopf auszulösen. Das einer Polizeiwache, die ihre besten Jahre schon vor Jahrzehnten hinter sich hatte. Der Plattenbau aus dem Jahr 1973 gilt als die baufälligste Polizeiwache Brandenburgs. Ein Schandfleck in Oranienburg. Noch herrscht ein wenig Betrieb. Heute ist damit Schluss, letzte Beamte haben ihre Arbeitsstätte verlassen. Vorigen Montag begann der Umzug der Polizeiinspektion Oberhavel in den neuen Gebäudekomplex im Luisenhof (MAZ berichtete).

Nachdem die Wasserschutzpolizei, der Kriminaldauerdienst und die Oranienburger Revierpolizisten schon eingezogen sind, hatte gestern auch der Wach- und Wechseldienst seinen großen Umzugstag. Nachmittags schloss Dienstgruppenleiter Michael Rittmüller die Einfahrt mit zwei schweren Ketten, klebte an die Eingangstüren Schilder mit der Aufschrift „Wir sind umgezogen“.

1973 kamen die ersten Polizeibeamten in den Plattenbau in der Berliner Straße. Seit Jahren ist er in einem desaströsen Zustand. Diese Woche zogen auch die letzten Beamten vom Wach- und Wechseldienst aus. Wir haben noch einmal einen Blick ins marode Gebäude geworfen.

Drei Tage Umzugsstress liegen hinter dem 1. Polizeihauptkommissar. Er würde auf einem Rundgang gerne einen Stuhl oder Kaffee anbieten. „Aber es ist alles schon drüben.“ Mit „drüben“ meint er den für 10,5 Millionen Euro umgebauten Luisenhof. Der Landkreis übernahm den Bau und vermietet das Ensemble an den Brandenburgischen Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen (BLB) für 20 Jahre – mindestens.

Was mit der alten Wache passiert, ist unklar. Vielleicht kommen Teile der Landesverwaltung rein. Dafür bestehe „aktuell ein hoher Bedarf in Oranienburg“, so BLB-Pressesprecherin Ulrike Rehberg. Der BLB prüft „Entwicklungsmöglichkeiten“ der Liegenschaft des Landes. „Ein endgültiges Ergebnis wird im Laufe des Jahres vorliegen.“

Michael Rittmüller beschreibt die Stimmung unter seinen Kollegen mit „allgemein großer Freude.“ Die Zeit vor dem Umzug hätte die Beamten auch mental belastet. Immer wieder wurden sie mit einem neuen Umzugstermin vertröstet. Reparaturen an dem baufälligen Gebäude wurden verschoben. „Es lohnt sich nicht mehr, ihr zieht doch bald um“, hieß es. Jetzt geht alles ganz schnell und reibungslos. Kisten mit Persönlichem wurden gepackt, Umzugsunternehmen beauftragt.

Marodes Gebäude mit kaputten Fenstern

Um die Freude der Beamten zu verstehen, muss man einen Blick ins Gebäude werfen: Putz bröckelt von Decken und Wänden, Fenster schließen nicht mehr richtig, es zieht, die Böden sind kaputt, die Stufen abgelaufen, es fehlen Duschen und Umkleideräume, teilweise kriecht Kanalisationsgestank aus dem Boden, der Gewahrsam riecht stark nach jahrelanger Nutzung. Der Kriminaldauerdienst saß sogar in Gewahrsamszellen. Ein desaströser Zustand.

Doch am Mittwoch hat die letzte Nachtschicht ihren Dienst im alten Gebäude hinter sich gebracht. Der Einsatzleitplatz ist verwaist. „Parallel wurde in der neuen Inspektion ein neuer aufgebaut, so dass ein reibungsloser Übergang entsteht“, so Rittmüller, der seit 1998 in der Berliner Straße arbeitet. Die Einsätze laufen jetzt schon von der Germendorfer Allee aus.

Umzug bei laufendem Betrieb

Hier erwarten die Beamten vernünftige, moderne Arbeitsbedingungen. Der Wach- und Wechseldienst habe dabei Glück gehabt: Er wurden fast komplett mit neuem Mobiliar ausgestattet. „Wir haben nur begrenzt Altes mitgenommen.“ Der Zustand vieler Schreibtische und Schränke war zu schlecht. An ihnen klebt ein Zettel in Pink mit dem Wort „Schrott“ drauf.

Der logistische Aufwand des Umzugs sei groß gewesen. „Wir konnten ja nicht einfach eine Woche die polizeiliche Grundversorgung still legen.“ Alles lief parallel – im laufenden Betrieb. Eine Herausforderung. In ihren freien Minuten packten die Beamten Kisten. In der alten Wache werden noch letzte Nachräumarbeiten erledigt, dann wartet der Schandfleck Oranienburgs auf eine neue Bestimmung – oder aber einen Abriss.

Von Marco Winkler

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