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Automatensprenger kommen glimpflich davon

Leegebruch Automatensprenger kommen glimpflich davon

Vor einem Getränkemarkt in Leegebruch zündete Steve D. am 15. März 2016 einen Böller und steckte ihn in den Automaten. Die Explosion war verblüffend. Stahlsplitter, Zigaretten und Geldmünzen flogen auf die Straße. Gierig stürzten er und ein Freund sich auf die Beute. Nun standen sie vor Gericht.

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Das Urteil ist gefällt.

Quelle: picture alliance / dpa

Leegebruch. Dass beide Angeklagte bisher straffrei durchs Leben gegangen sind und ein reumütiges Geständnis ablegten, verhalf ihnen am Mittwoch zu einem milden Urteil vom Jugendschöffengericht Oranienburg. Steve D. kam mit einer Verwarnung und 1000 Euro Geldstrafe, Philipp L. mit einer Verwarnung und 100 gemeinnützigen Arbeitsstunden davon. Die 21-Jährigen saßen wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz und besonders schweren Diebstahls auf der Anklagebank. Nach Erwachsenenstrafrecht ein Verbrechenstatbestand, der mit einer Mindeststrafe von einem Jahr zu Buche schlägt. Die Richter schlossen sich jedoch dem Vorschlag der Vertreterin der Jugendgerichtshilfe an, in diesem Fall das Jugendstrafrecht anzuwenden . Es handele sich um eine jugendtypische Tat.

Was war geschehen? Die beiden Angeklagten fuhren am 15. März 2016 mit einer Freundin im Pkw des Wandlitzers Steve D. über die polnische Grenze, um zu tanken und Zigaretten zu kaufen. Dabei stachen ihnen die berüchtigten „Polenböller“ in die Augen und sie kauften vier Stück davon.

Spontan reifte bei ihnen der Gedanke, die Sprengkraft dieser Knallkörper bei einem Zigarettenautomaten in Mühlenbeck zu testen. Da es aber dort um 23 Uhr noch relativ viel Verkehr gab, fuhren sie weiter nach Oranienburg, dem Wohnort von Philipp L. Aber auch dort war ihnen die Sache zu heiß und sie wichen nach Leegebruch aus.

Dort, vor einem Getränkemarkt, zündete Steve D. einen Böller und steckte ihn in den Automaten. Sie gingen in Deckung und das war gut so, denn die Explosion war verblüffend. Stahlsplitter, Zigaretten und Geldmünzen flogen auf die Straße. Gierig stürzten sich die „Sprengmeister“ auf die Beute – Steve D. als Nichtraucher auf das Geld, sein Kumpel auf die Zigaretten. Ihr Triumph währte allerdings nicht lange, denn völlig unerwartet war die Polizei am Tatort und kassierte Geld, Zigaretten und die Täter ein.

Die restliche Nacht verbrachte das Duo in der Zelle – eine völlig neue Erfahrung für die beiden. „Dass es mir leid tut, dass es total bescheuert von mir war, waren dort meine ersten Gedanken und ich gebe alles zu und werde mein Leben sofort ändern“, schilderte Philipp L. seinen damaligen Zustand. Ähnlich einsichtig äußerte sich Steve D., der als Tischlergeselle ehrlich sein Geld verdient.

Auch sein Verteidiger vertiefte diesen Eindruck: „Diese Nacht in der Zelle war eine wirkungsvolle Erziehungsmaßnahme für meinen Mandanten“, erklärte der Anwalt in seinem Plädoyer.

„Das war eine richtig blöde Idee“, hielt die Staatsanwältin den jungen Männern vor und wies eindringlich auf den hohen Strafrahmen nach Erwachsenstrafrecht von einem bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe hin, an dem die beiden durch die Fürsprache der Jugendgerichtshilfe gerade so vorbeigeschrammt seien. Sie verlange jedoch eine empfindliche Geldstrafe und die Begleichung des Sachschadens von 2300 Euro, schloss sie ihren Antrag.

Dem schloss sich das Gericht im Wesentlichen mit seinem Urteil an. Lediglich für Philipp L., der noch in der Ausbildung ist, sah es von einer Geldstrafe ab und verhängte dafür 100 gemeinnützige Arbeitsstunden.

Erleichtert nahmen die Angeklagten das Urteil auf – es ist rechtskräftig.

Von Helmut Schneider

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