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Oberhavel Bademeister schmeißt hin – Gefahren zu groß
Lokales Oberhavel Bademeister schmeißt hin – Gefahren zu groß
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00:18 24.03.2017
Marco Scafaro an seiner alten Wirkungsstätte am Veltener Bernsteinsee. Seit 2011 war er hier der Bademeister Quelle: Foto: Archiv/ Gawande
Velten

Seit 2011 war Marco Scafaro Bademeister am Bernsteinsee. Mit Ende der vergangenen Saison habe er seinen Vertrag nicht mehr verlängert. „Das Risiko war mir zu groß, nach sieben unfallfreien Jahren unter derart schlechten Voraussetzungen für die Sicherheit der Badegäste garantieren zu müssen.“ So sei das Retten einer Person, die unter Wasser geraten ist, an einigen Stellen „nahezu ausgeschlossen“. Er wolle dafür keine Verantwortung mehr übernehmen müssen.

Hauptgrund sei der sinkende Wasserstand. Der See sei in den vergangenen sieben Jahren um gut 70 Zentimeter flacher geworden: Dadurch sei an den meisten Ufern mit flach verlaufenden Einstiegsbereichen die Gefahr gegeben, dass Badende plötzlich und unvorbereitet auf eine unterseeische Abbruchkante stoßen würden. „Nichtschwimmer würden somit quasi den Boden unter den Füßen verlieren“, so Scafaro. Diese Personen ließen sich bei normalen Bedingungen noch retten. Allerdings habe sich die Sichttiefe im Bernsteinsee von 1,60 Meter im Jahr 2010 auf stellenweise nur noch zehn Zentimeter in der vergangenen Saison alarmierend verschlechtert. Retter würden eine Person in Not unter Wasser also kaum rechtzeitig erkennen können.

Scafaro, studierter Archäologe, der auf Bali eine Surf-und Tauchschule betrieb und als Deeskalationstrainer beim US-Militär arbeitete, sieht noch mehr Probleme: Die massive Trübung des Gewässers führe zu einer schnelleren und stärkeren Aufheizung durch Sonnenstrahlung. Dadurch werde die obere, Sauerstoff führende Schicht, im Wasser schmaler, während in den tieferen Bereichen und am Grund stärkere Fäulnisprozesse einsetzen würden. „Aufsteigender Schwefelwasserstoff, den die Badegäste in den flachen Bereichen, als den Geruch fauler Eier wahrnehmen, gerade in der Kinderlagune am Spielplatz, sind ein deutliches Indiz dafür“, so Scafaro. Das verursache Hautreizungen und Augenbrennen. Außerdem trage er zur Bildung von schädlichen Blaualgen bei.

Ivonne Pelz, Sprecherin der Stadtverwaltung, sieht akute Gefahren nicht gegeben. Eine Abbruchkante finde sich in jedem Gewässer. „Die von Herrn Scafaro beschriebene Problematik ist insofern eine grundsätzliche und völlig unabhängig vom Wasserpegel des Bernsteinsees.“ Für Nichtschwimmer gebe es am Bernsteinsee einen ausgewiesenen Bereich, der nicht verändert werde. Zudem sei der Wasserpegel wegen des niederschlagsreichen Winters wieder deutlich angestiegen. Und: sollte ein bedenklicher Wert von Blaualgen festgestellt werden, würde die Stadt den Bereich sperren, so Pelz.

Auch auf die angeblich schlechte Sichttiefe geht sie ein: Wegen des vergangenen, besonders heißen und trockenen Sommers hätten viele Badeseen geringe Sichttiefen aufgewiesen. Die Wasserqualität des Bernsteinsees werde aber regelmäßig vom Landkreis geprüft. Eine Kontrolluntersuchung Ende August 2016 habe für den Bernsteinsee eine Sichttiefe von 40 Zentimetern ergeben – statt der von Scafaro behaupteten zehn Zentimeter. Doch der kontert: Die Sichttiefen würde die Behörde überwiegend an Tagen mit wenig Publikumsverkehr ermitteln. Bei Badebetrieb sei sie durch Aufwirbelungen deutlich geringer. „Dazu kommen unter Umständen noch Fremdeinträge durch Regenauswaschungen oder die Blüte von Wasserpflanzen“, so Marco Scafaro.

Ronny Wappler, Sprecher der Kreisverwaltung, bestätigt indes, dass die Sichttiefe des Sees seit 2015 immer schlechter werde. In den Vorjahren wurden Werte von über 1,10 Meter gemessen. Anfang Mai 2015 betrug die Sichttiefe 80 Zentimeter, am Ende der Saison nur noch 40. „Es wurde auch eine, die gesamte Saison anhaltende gelbe bis grünliche Färbung des Wassers des Bernsteinsees festgestellt.“ Für die mikrobiologischen Parameter – also die Wasserqualität – sei aber eine ausgezeichnete Qualität nachgewiesen worden. 14 Tage vor Beginn der Badesaison würden nun erstmals Wasserproben entnommen, danach alle vier Wochen. Marco Scafaro wiederum verweist auf einen Aushang im Eingangsbereich, unmittelbar hinter dem Kassenhäuschen, auf dem der See schon für den August 2016 nur noch als bedingt zum Baden geeignet, im September dann nicht mehr als geeignet bezeichnet worden sei. Zudem werde der Wasserstand im Jahresmittel wieder erheblich absinken, selbst wenn er vorübergehend durch starke Regenfälle ansteigt. Die Probleme bleiben also in Marco Scafaros Augen bestehen.

Der Bademeister hätte sich gewünscht, dass die Stadtverwaltung statt des rund 265 000 Euro teuren Zaunes, der demnächst um den See errichtet werden soll, lieber in den Erhalt der Wasser- und Badequalität investiert hätte. Das sei seiner Ansicht nach wichtiger als Badegäste mit einem neuen Zaun daran zu hindern, die Eintrittspreise zu umgehen. Bisher schlüpften tatsächlich viele durch den löchrigen Zaun.

Von Marco Paetzel

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