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Bäckerei Zöllner gibt nach 130 Jahren auf

Velten Bäckerei Zöllner gibt nach 130 Jahren auf

Veltens älteste Bäckerei hat seit Ende Dezember geschlossen. Heiko und Diana Zöllner haben sich gegen eine Zukunft in der Backstube entschieden, weil vor allem die Konkurrenz aus den Supermärkten dem Geschäft zu schaffen machte. Selbst bei der Konkurrenz ist man traurig über das Ende des Traditionsbetriebes.

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Heiko und Diana Zöllner feierten im April 2017 noch 130. Jahrestag. Nun haben sie die Traditionsbäckerei für immer geschlossen.

Quelle: Foto: Archiv

Velten. Mehr und mehr versank die Bäckerei Zöllner im Boden. Vom Laden aus konnte man zuletzt nur noch die Reifen der Autos sehen, die über die Rosa-Luxemburg-Straße walzten. Tonnenweise neue Beläge wurden in all den Jahrzehnten auf die Straße gebracht, sie ließen die Fahrbahn immer mehr anschwellen. Die Bäckerei Zöllner dagegen hat sich nie bewegt, 130 Jahre lang stand sie am selben Fleck. Damit ist nun Schluss. Ende Dezember hat Inhaber Heiko Zöllner für immer das Licht ausgeknipst. „Ich habe noch 20 Jahre bis zur Rente, da kann ich noch mal was Neues probieren“, sagt der 47-Jährige. Seit ein paar Tagen ist er nun Angestellter bei einem Spandauer Backbetrieb.

Es gab viele Gründe, warum sich Zöllner und seine Frau Diana für die Schließung der beiden Läden an der Rosa-Luxemburg-Straße und Am Markt entschieden. „Wir hätten demnächst wieder kräftig investieren müssen und zwei neue Verkäuferinnen gebraucht“, so der Bäckermeister. Zudem wollten die Kinder der Zöllners die Nächte nicht in der Backstube verbringen, andere Nachfolger waren auch nicht in Sicht. „Und bei so viel billiger Konkurrenz aus den Discountern wurde es immer schwerer für uns.“

In den 1990er-Jahren war das noch anders, da gab es nur abgepacktes Brot in den Supermärkten zu kaufen, sagt Zöllner. Damals brummte der Traditionsbetrieb, rund 15 Leute waren angestellt. Doch in den vergangenen Jahren kamen immer mehr Backshops in die Supermärkte, darunter litten auch die Zöllners schon seit Jahren. „Heute hat keiner mehr Zeit, und alle wollen möglichst günstig kaufen“, sagt Heiko Zöllner.

Wenn er auf die Tradition der Bäckerei blickt, wird Zöllner schon wehmütig. Im April 1887 eröffnete sein Ur-Ur-Großvater Wilhelm Zöllner eine Mehlhandlung und Brotbäckerei an der damaligen Friedrichstraße, der heutigen Rosa-Luxemburg-Straße. Zunächst belieferte der Betrieb nur Berliner, doch bald kamen Kolonialwarenläden in Velten dazu. Mit dem Gespann fuhren Zöllners auch über die Dörfer.

Heiko Zöllner machte 1989 seinen Meister und übernahm 2002 das Geschäft von den Eltern Karl-Heinz und Marlis Zöllner. „Sie haben mich in der Entscheidung, die Bäckerei zu schließen, unterstützt.“ Für die Zöllners war der Job stressig. Sechs Tage die Woche mindestens 13 Stunden Arbeit, zudem hat das Ehepaar seit sechs Jahren keinen Urlaub mehr gemacht. Das sei bei seinem neuen Arbeitgeber in Spandau alles besser, sagt Heiko Zöllner.

Nach dem Ende des Betriebes bleibt nur noch die Bäckerei Hübsch als altes Veltener Unternehmen. „Wir sind traurig, weil damit wieder viel Tradition verloren geht“, sagt Ilona Hübsch, die das Geschäft mit ihrem Mann Gerhard führt. Auch ihr Betrieb, 1961 gegründet, müsse gegen die Billigkonkurrenz kämpfen. „Der harte Kern der Kunden bleibt, viele neue kommen aber nicht mehr dazu“, so Ilona Hübsch.

Was aus dem Haus der Bäckerei Zöllner wird, ist ungewiss. Heiko Zöllners Eltern leben noch hier, doch der Ofen in der Backstube bleibt nun kalt. Vielleicht für immer.

Von Marco Paetzel

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