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Oberhavel Bäckermeister: „Mit unserem Handwerk ist es in einigen Jahren vorbei“
Lokales Oberhavel Bäckermeister: „Mit unserem Handwerk ist es in einigen Jahren vorbei“
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16:52 25.03.2018
Bäckermeister Fred Plessow. Quelle: Stefan Blumberg
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Teschendorf

Seit 1998 ist Fred Plessow Obermeister der Bäcker- und Konditoreninnung Oberhavel. Gelernt hat er den Beruf des Bäckers bei Bäckermeister Hardy Beyer in Sachsenhausen. Er kam drei Jahre später ins großelterliche Unternehmen nach Teschendorf zurück, um in heimischen Gefilden seinen Meisterbrief zu erwerben. Ein Jahr vor seiner Wahl als Obermeister übernahm Fred Plessow das Familienunternehmen. Zehn Mitarbeiter gehören heute zur Bäckerei Plessow, die in der Hauptstraße 88 – direkt an der Bundesstraße 96 – ansässig ist.

Die Zahl der Bäckereien geht sei Jahren zurück. Im alten Bundesgebiet lag sie 1960 bei etwa 55.000, heute sind deutschlandweit nur noch gut 11.000 registriert. Wie geht es der Branche?

Fred Plessow: Generell fehlt der Nachwuchs. Wir haben zwar aktuell bei den Unternehmen in unserer Innung mit 30 Auszubildenden eine ungewöhnlich hohe Zahl an Lehrlingen. Aber wenn man weiß, dass 36 angefangen hatten, ist das schon typisch für unseren Beruf. Dabei haben alle die echte Chance, nach Abschluss der Ausbildung übernommen zu werden.

Was hält den Nachwuchs davon ab, Bäcker zu werden?

Ich denke, für die heutige Jugend ist der Beruf nicht attraktiv. Man muss nachts arbeiten, hat einen anderen Rhythmus als andere in dem Alter. Ja, man muss auch Bleche abwaschen oder die Backstube säubern. Das gehört eben dazu. Insgesamt ist die Ausbildung – wie ich finde – nicht schwer. Ich selbst habe nur einen ehemaligen Azubi, der geblieben ist.

Was macht es schwer, an potenzielle Azubis zu kommen?

Erst einmal die Tatsache, dass es nicht viele Bewerber gibt. Ich selbst habe eine schlechte Erfahrung gemacht. Bei mir arbeitet ein afghanischer Praktikant. Er hat sich so gut gemacht, saugt alles auf und ist willig, dass ich ihn sofort als Azubi genommen hätte. Aber ich darf von der Ausländerbehörde her nicht. Er muss erst ein Jahr ein Praktikum machen und kann dann mit der Ausbildung beginnen. Die geht dann für ihn quasi vier Jahre lang. Solch ein Gebaren macht uns das Leben und den Flüchtlingen die Integration unnötig schwer.

Umfrage des Tages

Die Bäcker in Oberhavel haben Nachwuchssorgen. Viele Läden müssen schließen, weil sich kein Nachfolger findet. Fred Plessow warnt: „Mit unserem Handwerk ist es in einigen Jahren vorbei“, heißt es. Viele Leser bedauern das. Auch deshalb fragt die MAZ: Haben Sie einen Lieblingsbäcker in Oberhavel? Stimmen Sie noch bis zum Donnerstag, 29. März (12 Uhr) ab.

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Wie kam er nach Deutschland?

Wie er erzählt hat, machte er in Afghanistan eine Ausbildung zum Buchhalter. Seine Familie floh aber nach Pakistan und ging dann wieder zurück. Als sein Vater erschlagen wurde, flüchtete er nach Deutschland. Er wohnt jetzt bei mir und möchte das Bäckerhandwerk erlernen.

Wären Flüchtlinge eine Chance, um der Bäckerbranche in punkto Arbeitskräfte auf die Sprünge zu helfen?

Zumindest eine Mini-Chance, um die Branche zu beleben. Noch schwieriger ist aber, Nachfolger für Bäckereien zu finden. Bei Gesellen sieht das nicht anders aus. In Bäckereien wie Kindler in Zehdenick oder Dummer in Falkenthal fand oder findet sich keiner, der das Geschäft weiterführen wollte oder will, auch wenn mitunter andere Bäckerein zumindest die leergewordenen Geschäfte beziehen.

Inwiefern tun Discounter den Bäckereien weh?

Man darf sie nicht verachten. Die Ware, die dort angeboten wird, ist nicht schlecht, sie schmeckt. Wer was anderes sagt, spricht nicht die Wahrheit. Brot und Brötchen verkaufen wir weniger, beim Kuchen halten wir mit. Ohne Kaffee im Angebot hat es ein Bäcker heute sehr schwer. Ich sage sogar, dass ohne Kaffee nichts geht. Es verschiebt sich für Bäckereien vieles in Richtung Imbiss und Gastronomie.

Wenn Sie einen Blick in die Zukunft wagen – wie sieht Ihr Bild vom Bäckerhandwerk aus?

Ich behaupte, dass das Bäckerhandwerk in einigen Jahren endet. Die Chance wird vermutlich sein, als kleiner Bäcker auf dem Markt zu bleiben. Wenn man bis zum Ruhestand zwei gesunde Hände hat.

Von Stefan Blumberg

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