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Baumretter mit der Lanze

Experiment zur Bodenverbesserung in Schildow Baumretter mit der Lanze

Auf dem Schildower Anger startete am Freitag ein Experiment zur Bodenverbesserung. Mit einem Kompressor wurden Luft und Dünger in den Boden geleitet. "Wir wollen sehen, ob es möglich ist, mit diesem speziellen Verfahren die Lebenserwartung alter, erhaltenswerter Bäume zu verlängern", erklärt Marco Schultze, im Bauamt der Gemeindeverwaltung Mühlenbecker Land für den Bereich Grünordnung zuständig.

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Führte auf dem Anger die Lanze in Aktion vor: Detlef Schultz vom Gartenservice Klinke.

Quelle: Ulrich Bergt

Schildow. Eberhard Burchardt schnallt sich den knapp einen halben Zentner schweren Apparat auf den Rücken, schaltet den Kompressor an und greift zur Bodenlanze. An einem der zuvor markierten Punkte im Wurzelbereich der alten Linde macht er Halt. Etwa 60 Zentimeter tief wird die Spitze des Rohrs per Pressluft in die Erde gedrückt. Dann setzt der Mitarbeiter der Hohen Neuendorfer Gartenservice-Firma Klinke zur "Injektion" an.

Die in die Erde geleitete Druckluft hebt den Boden ein wenig an, zugleich wird in die entstandenen Hohlräume Kieselgur gepresst. Zusammen mit einer speziellen Düngermischung und einem Pilzsubstrat, das die Wasser- und Nährsalzaufnahme der Wurzeln verbessert. Was Freitagvormittag auf dem Dorfanger an der Schildower Kirche praktiziert wurde, ist der Beginn eines Experiments. "Wir wollen sehen, ob es möglich ist, mit diesem speziellen Verfahren die Lebenserwartung alter, erhaltenswerter Bäume zu verlängern", erklärte Marco Schultze, im Bauamt der Gemeindeverwaltung Mühlenbecker Land für den Bereich Grünordnung zuständig.

Die Versuchsfläche ist mit Bedacht gewählt. Auf dem Dorfanger stehen Linden, etwa 50 Jahre und älter. Drei dieser Bäume erhielten am Freitag die Sonderbehandlung im Wurzelbereich. Die übrigen müssen sich so behelfen.

"Noch besser wäre es gewesen, wenn der Versuch mit vorgeschädigten Bäumen erfolgt wäre", gab gestern Alwin Schuster von der Bürgerinitiative "Baumschutz kommunal" zu bedenken. Die Naturschützer waren als Beobachter zum Projektstart eingeladen worden.

Aber auch so erhoffen sich die Akteure ein deutliche Wirkung der Bodenverbesserungsmaßnahmen. Erste Erfahrungen mit der Auflockerung von zu stark verdichteten Böden hat Uwe Klinke, Chef des Hohen Neuendorfer Dienstleistungsunternehmens, bei der Rasenpflege in Privatgärten und auf Sportplätzen machen können. "Da sind wir nur sechs Zentimeter in den Boden gegangen, die Wirkungen sind aber unübersehbar", sagt er. Durch die Belüftung wurden "tote" Böden, die durch Erschütterungen oder Fahrzeugverkehr zu stark verdichtet waren, wieder zum Leben erweckt. "Das brachte uns dazu, das Verfahren auch bei Bäumen und Hecken anzuwenden", erklärt Uwe Klinke.

Jetzt ist Geduld gefragt. "Die Natur braucht ihre Zeit", sagt Uwe Klinke. In zwei bis drei Jahren müssten die Ergebnisse zu sehen sein. Wenn es von Erfolg gekrönt ist, könnten damit wertvolle, alte Bäume vitalisiert werden. Das müsste gut bedacht werden, meint Marco Schultze. "Es ist eine kostspielige Sache."

Mit gut elf Euro schlägt ein "Loch" zu Buche. 140 wurden gestern in Schildow in den Boden gebracht. Macht Summa summarum rund 1500 Euro. Die Kosten für das Experiment hat die Firma Klinke übernommen.

Auch Bürgermeister Filippo Smaldino-Stattaus nahm gestern die Baumarbeiten in Augenschein. Im Erfolgsfall wäre das Verfahren eine gute Möglichkeit, wertvollen Baumbestand in der Gemeinde Mühlenbecker Land zu erhalten.

Von Ulrich Bergt

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