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Oberhavel „Bei mir holt sich keiner die Krätze“
Lokales Oberhavel „Bei mir holt sich keiner die Krätze“
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00:27 03.03.2018
Seit fast 20 Jahren ist Ronny Müller Eigentümer des Motels „Havelidyll“ an der Havelhausener Brücke in Borgsdorf. Quelle: Enrico Kugler/Helge Treichel
Borgsdorf

Ronny Müller ist fassungslos. Seit nunmehr fast 20 Jahren ist er Eigentümer und Betreiber des Motels „Havelidyll“ an der Havelhausener Brücke in Borgsdorf. Noch nie, so versichert der 46-jährige gelernte Industrie-Elektroniker, habe sich ein Gast beschwert, dass einer der 18 Bungalows auf dem rund 10.000 Quadratmeter großen Gelände nicht aufgeräumt, schmutzig oder gar von Ungeziefer befallen sei. Die Stammkundschaft – vor allem Monteure und Kurzzeittouristen – sei groß. Viele Gäste würden gerade deshalb immer wieder kommen, weil sie zufrieden mit der das ganze Jahr über gut ausgelasteten Einrichtung sind.

Seit 4. September 2017 im „Havelidyll“

Ganz im Gegensatz zu Kevin R. (22 Jahre) und Isabelle A. (18), ein junges Paar, dem 2017 die Wohnung in Bergfelde aufgrund von Mitschulden gekündigt worden war. Seit 4. September vergangenen Jahres leben die beiden in einem Bungalow des „Havelidylls“. Angemietet hat die Unterkunft für sie die Stadt Hohen Neuendorf. Bis vor kurzem schienen Kevin R. und Isabelle A. dort auch gut untergebracht. Doch dann war auf einmal alles anders.

Kevin und Isabelle vor ihrem Bungalow in Borgsdorf. Quelle: Helge Treichel

Von Vorwürfen aus der Zeitung erfahren

Plötzlich hieß es, das Pärchen habe sich in der Unterkunft an der Havelhausener Brücke Krätze geholt. Ronny Müller erfuhr von den ungeheuerlichen Vorwürfen erst durch die Zeitung und habe sich gefragt, was das soll. Wenn Kevin R. und Isabelle A. ein Problem mit ihrer Unterkunft haben, hätten sie sich doch zunächst mal an ihn als Vermieter wenden können. „Sicher, ich habe hier keine Luxusquartiere“, sagt der Eigentümer. „Aber man kann hier gut wohnen.“

Besser als unter einer Brücke

Die Bungalows, davon könne sich jeder mit eigenen Augen überzeugen, seien warm und trocken. „Besser als irgendwo unter einer Brücke zu campieren“, so Ronny Müller. Neben Betten, Tisch, Stühlen und Regalen gibt es in dem Bungalow, den Kevin R. und Isabelle A. bewohnt haben, einen Fernseher und Internet, eine Kleinküche mit Kühlschrank und Mikrowelle, Dusche und WC. Alles macht, davon konnte sich die MAZ am Dienstag überzeugen, einen sauberen Eindruck.

Einblick ins Motel in Havelidyll – hier ein Bad. Quelle: Enrico Kugler

Keine Gesundheitsgefahr entdeckt

Erst am 19.  Februar, so berichtet Ronny Müller, seien im Auftrag des Kreises Oberhavel zwei Frauen im „Havelidyll“ gewesen. Die Gesundheitswächterinnen hätten den Bungalow, in dem sich Kevin R. und Isabelle A. aufgehalten haben, in Augenschein genommen, Betten, Matratzen und Sanitäranlagen kontrolliert. Es sei nichts Gesundheitsgefährdendes entdeckt worden. „Bei mir holt sich niemand Krätze“, versichert Ronny Müller und weist damit den Vorwurf, das junge Pärchen habe sich diese Krankheit womöglich in dem Bungalow des „Havelidylls“ geholt, zurück.

Und so sieht eines der Zimmer in dem Motel aus Quelle: Enrico Kugler

Nicht vor die Tür gesetzt

Dies treffe ebenso wenig zu wie die Behauptung, Ronny Müller habe Kevin R. und Isabelle A. im Zuge einer Auseinandersetzung am vergangenen Donnerstag einfach vor die Tür gesetzt. An diesem Tag hatte Ronny Müller mit dem Pärchen über dessen Vorwürfe reden wollen. Im Verlauf des Gesprächs hatte Kevin R. sehr abfällig über die Unterbringung im „Havelidyll“ gesprochen und sinngemäß zum Ausdruck gebracht, dass es überall woanders besser sei. Sie aber deshalb vor die Tür setzen? „Nein, so etwas hätte ich nie getan“, sagt Ronny Müller, der in Zusammenarbeit mit der Stadt Hohen Neuendorf zurzeit noch zwei weitere obdachlose Personen beherbergt.

Kevin und Isabelle waren plötzlich wieder obdachlos. Quelle: Helge Treichel

Ordnungsamt ist sehr bemüht

Ungeachtet der Umstände vom Donnerstagabend wurde mit Dienstbeginn am Freitag im Ordnungsamt in Hohen Neuendorf intensiv nach einer schnellen Lösung für die beiden gesucht und schließlich auch gefunden. Kevin R. und Isabelle A. haben die vergangenen Nächte in einer kleinen Pension in Hohen Neuendorf zugebracht. Dort können sie aber nun nicht mehr länger bleiben, weil die Plätze längerfristig gebucht wurden. Wie es hieß, wollte sich Kevin R. jetzt selbstständig um eine neue Bleibe kümmern.

Ehrenamt kein Ersatz für Sozialstaat

Die Stadt Hohen Neuendorf und die Charity Banditen werden das Pärchen weiter bei der angestrebten Resozialisierung unterstützen. Ein gutes Beispiel für das Zusammenwirken und gegenseitige Ergänzen von Verwaltungsarbeit und ehrenamtlicher Tätigkeit. Fest steht aber auch, dass ehrenamtliches Engagement, wie es die Charity Banditen unter Beweis stellen, nicht alle sozialen Bereiche abdecken kann. Oder anders ausgedrückt: Das Ehrenamt kann nicht den Sozialstaat ersetzen.

Von Bert Wittke

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