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Oberhavel Beratungsnotstand in Oranienburg
Lokales Oberhavel Beratungsnotstand in Oranienburg
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20:51 16.03.2017
Tafelchefin Viola Knerndel mit Sozialstaatssekretärin Almuth Hartwig-Tiedt und dem Bundestagsabgeordneten Harald Petzold (Linke). Quelle: Marco Winkler
Oranienburg

Johann Menliamanow hat seit vier Jahren ehrenamtlich in der „Fundgrube“ des Arbeitslosenservice „Horizont“ in Oranienburg alle Hände voll zu tun. Die Tätigkeit macht ihm Spaß. Aber Arbeit findet der gelernte Journalist und Lehrer nicht mehr; er geht am 1. August in Rente. „Zu Hause bleiben ist schwer“, sagte er Donnerstag zu Sozialstaatssekretärin Almuth Hartwig-Tiedt, die der Einrichtung einen Besuch abstattete.

In der „Fundgrube“ gibt es gefühlt „1000 Dinge des alltäglichen Lebens“, so Viola Knerndel, die den Arbeitslosenservice und damit auch die Oranienburger Tafel leitet. „Erst gestern hatten wir 67 Flüchtlingsfamilien vor Ort, die meisten waren bei der Tafel.“ 50 Menschen arbeiten im Arbeitslosenservice: vier Angestellte, zehn im Rahmen eines Bundesfreiwilligendienstes, 30 sogenannte MAE-Kräfte (Ein-Euro-Jobber), der Rest ist auf ehreamtlicher Basis hier. Gesucht: Kraftfahrer – als Ehrenamtler. „Wir finden aus den eigenen Reihen keine mehr.“

In der „Fundgrube“ ... Quelle: Marco Winkler

Doch damit hören die Probleme, die sich Almuth Hartwig-Tiedt anhören musste, nicht auf. Seit Jahren leistet Viola Knerndel eine Aufgabe abseits ihrer eigentlich Arbeit: Sie berät. „Ich helfe bei Anträgen, soweit es geht, überprüfe Bescheide, meist aus dem Bereich SGB II und SGB 12, wenn die Menschen, die zu mir kommen, dazu nicht in der Lage sind oder sie nicht verstehen.“ Dafür geht viel Zeit drauf – und Kraft.

Im vorigen Jahr hat sie 755 Menschen beraten. Hartz-IV- und Sozialhilfe-Empfänger.„Es gibt im Kreis keine unabhängige Beratungsstelle, die das machen könnte.“ Deshalb kommen selbst Hilfesuchende aus Fürstenberg zu ihr nach Oranienburg. Zuständig wären eigentlich Mitarbeiter im Jobcenter. Sie müssten den Menschen die Anträge erklären oder war passiert, wenn sie bestimmte Formulare nicht abgeben, Fristen nicht einhalten.

Eine andere Art der Beratung

„Das Jobcenter muss ordentlich beraten“, sagte Almuth Hartwig-Tiedt. „Dazu braucht es aber auch Empathie, Zeit und menschliche Zuwendung.“ Und genau das fehle oft, so Viola Knerndel. Ihr „Klientel“ werfe nach schlechten Erfahrungen – auch durch nicht immer geduldig agierende Jobcenter-Mitarbeiter – schnell das Handtuch. „Man braucht einen Zugang zu ihnen.“ Deshalb schicken ihr Jobcenter-Mitarbeiter Klienten, weil diese bei Viola Knerndel besser und vor allem verständiger beraten werden.

Als der neue Leiter des Jobcenter, Matthias Kahl, bei ihr war, sagte dieser aber, sie solle die Kunden wieder zurückschicken. Er habe wohl ihr Dilemma nicht verstanden. „Dabei möchte ich hier keinen an Land ziehen“, so Viola Knerndel. „Ich möchte einfach, dass den Menschen geholfen wird.“ Die Sozialstaatssekretärin stimmte ihr zu: „Ihre Menschen hier brauchen eine andere Art der Beratung.“ Auch wegen ihrer Vergangenheit, wo sich oft schlechte Erfahrungen und Probleme häufen.

Auffällig sei vor allem, dass immer mehr junge Menschen ihre Hilfe in Anspruch nehmen. Spätestens in vier Jahren will Viola Knerndel jedoch in den Ruhestand gehen. Eine Frage quält sie schon jetzt: „Wer kümmert sich dann um die Menschen hier?“

Von Marco Winkler

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