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Oberhavel Berliner wissen wenig von KZ Sachsenhausen
Lokales Oberhavel Berliner wissen wenig von KZ Sachsenhausen
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12:52 11.03.2018
Ein Besucher geht durch das Tor der Gedenkstätte Sachsenhausen, an welchem «Arbeit macht frei» steht. Quelle: dpa
Sachsenhausen

Berlin tut nicht genug, um die enge Verbindung der Hauptstadt mit dem Konzentrationslager Sachsenhausen (Oberhavel) während des Nationalsozialismus anzuerkennen. Das sagte der scheidende Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Günter Morsch, gestern in Oranienburg. „Dachau gehört ganz selbstverständlich zur Geschichte von München. Davon kann im Verhältnis von Berlin zu Sachsenhausen keine Rede sein“, sagte Morsch am Donnerstag auf seiner letzten Jahresbilanz-Pressekonferenz.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) habe dem Lager bei Oranienburg, in dem etwa ein großer Teil der inhaftierten Berliner Arbeiterbewegung eingesessen habe, noch keinen offiziellen Besuch abgestattet. Ex-Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) habe in seiner gesamten Amtszeit der Gedenkstätte keinen einzigen Dienstbesuch abgestattet.

Auf dem Gelände der Gedenkstätte Sachsenhausen erinnert das Mahnmal der «Nationalen Mahn- und Gedenkstätte» an die politischen und ausländischen Häftlinge des Konzentrationslagers Sachsenhausen Quelle: dpa

Zu möglichen Gründen für das distanzierte Verhältnis sagte Morsch: „Es gibt die These, dass die Trennung nach wie vor eine Folge der Mauer ist.“ Besonders wenig interessiert an dem Lager und seiner Geschichte seien in der Regel West-Berliner.

Morsch forderte, Sachsenhausen müsse einen wichtigen Platz im Humboldt-Forum im wieder aufgebauten Berliner Stadtschloss erhalten. Dazu bot er einen Teil der 35 000 im Archiv der Stiftung lagernden Artefakte und Dokumente als „Dauerleihgaben“ an – etwa Kunst von Häftlingen, persönliche Gegenstände, Briefe und Akten. Wie wenig die Berliner mit dem Lager anzufangen wüssten, zeige sich in den seit Jahren rückgängigen Besucherzahlen von Schülergruppen aus der Bundeshauptstadt.

Morgenappell, Bleistiftzeichnung des niederländischen Häftlings Jan Budding, 1943. Er war Insasse des Konzentrationslagers Sachsenhausen. Quelle: Jan Budding, Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten

Generell seien die Gedenkstätten der Stiftung – neben Sachsenhausen gehört auch das ehemalige Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück dazu – „gegenüber vergleichbaren Musseen nach wie vor unterprivilegiert“, sagte Morsch. Sie befänden sich von der Bedeutung her „in einer Liga mit großen Kunstmuseen und dem Deutschen Historischen Museum“, so der seit 1997 amtierende Direktor. Seit der Wiedervereinigung seien zwar rund 60 Millionen Euro in die Gedenkstätten investiert worden. Jedoch seien allein für den Anbau des Deutschen Historischen Museums am Berliner Zeughaus 80 Millionen Euro verbaut worden.

Die Stiftung hadert mit ihrem Budget

Der tatsächliche Finanzbedarf der Stiftung wachse, weil „viele nach der Wiedervereinigung errichtete Anlagen inzwischen in die Jahre gekommen sind und mit deutlich mehr Investitionsmitteln erhalten werden müssen“, sagte Morsch. Über viele Jahre hinweg habe der Investitionshaushalt rund drei Millionen Euro jährlich betragen, erläuterte Morsch. Dieser Betrag sei mit gut 1,1 Millionen Euro in diesem Jahr inzwischen auf fast ein Drittel gesunken. „Es wäre schön, wenn wir wieder auf den alten Stand kämen“, sagte Morsch. Auch Sondermittel für neue Projekte von der EU und dem Bund flössen nicht mehr in dem Maße wie früher. Der 65-Jährige geht Ende Mai in den Ruhestand und übergibt die Leitung der Stiftung an den Münchner Historiker Axel Drecoll.

Einige Großprojekte kann Morsch noch vor seinem Ausscheiden als Erfolg verbuchen: In der Gedenkstätte Sachsenhausen wird am 25. Februar ein neues Depot für die von Morsch angesprochenen rund 35 000 Objekte und 450 Meter Regale voller Archivmaterial aus der Zeit des Konzentrations- und späteren sowjetischen Speziallagers eröffnet. Das Depot war bislang provisorisch im ehemaligen Kino des Lagers untergebracht.

„Reinlichkeit über alles“, Zeichnung von Leo Haas (undatiert), der im KZ Sachsenhause einsaß. Sie ist Teil einer Ausstellung, die im August startet. Quelle: Leo Haas , Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten

Aus dem Fundus und Leihgaben ist eine Kunstausstellung zusammengestellt worden, die ab August in Sachsenhausen zu sehen sein wird und später in den Gedenkstätten Theresienstadt, in Krakau und Solingen gezeigt werden soll. Titel der Schau: „Ecraser l’infâme (das Niederträchtige zermalmen – die Red.) – die Sammlung der Gedenkstätte Sachsenhausen“. Seit ihrer Gründung 1997 sammelt die Stiftung Werke von Künstlern, die in dem KZ einsaßen. Mittlerweile sind gut 1000 Objekte zusammengekommen.

Originalgelände des KZ Ravensbrück wieder begehbar

Das zweite Neubauprojekt ist vom Herbst an die Herrichtung des Südgeländes des ehemaligen Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück (Oberhavel). Mit der Markierung der vier Lagerstraßen und 40 zusätzlichen Informationstafeln soll bis 2020 das gesamte Areal des Lagers für die Besucher wieder erlebbar werden. Bislang war in die Gedenkstätte nur eine Lagerstraße mit zwei Reihen Baracken und den Hallen der Textilfabrik integriert – die Fläche wird sich praktisch verdoppeln.

Ort von Massenerschießung in Lieberose soll aufgewertet werden

Zu den fünf bislang zur Stiftung zählenden historischen Orten soll die Gedenkstätte für das KZ-Außenlager Lieberose (Dahme-Spreewald) hinzukommen. Dafür haben sich die Stiftungsgremien laut Morsch geeinigt. Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, hat um die Aufnahme der Stätte gebeten. In Lieberose wurden im Februar 1945 von der SS 1342 Kranke und nicht-transportfähige Gefangene umgebracht. Viele Gefangene des KZ wurden außerdem direkt in den Tod nach Auschwitz geschickt. Bevor die Stiftung die Zuständigkeit von den lokalen Verantwortlichen in Lieberose übernehmen kann, muss laut Morsch der Landtag in Potsdam zustimmen.

Von Ulrich Wangemann

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