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Berufsschullehrer im Unruhestand

Helfer aus Bremen in der Gedenkstätte Sachsenhausen Berufsschullehrer im Unruhestand

Sie sind Tischler, Maurer, Maler, Zimmerleute, Raumausstatter oder Architekten und haben noch ihren Ingenieur draufgesattelt. Jahrzehnte haben sie am Berufsschulzentrum Alwin-Lonke-Straße in Bremen Nachwuchs ausgebildet. Nun sind sie im Unruhestand und praktizieren in der Gedenkstätte Sachsenhausen, das sie anpacken können.

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Verstehen sich ohne große Worte: Bauleute, Ingenieure und Architekten, die an der Bremer Berufsschule jahrzehntelang Nachwuchs ausgebildet haben und auch im Ruhestand mit ihren zwei rechten Händen etwas bewirken möchten.

Quelle: Foto: Heike Bergt

Oranienburg . „Ich kann wohl noch fünfmal hierher kommen und werde doch nie begreifen, wie das passieren konnte“, sagt Helmrich Büsing und schüttelt den Kopf. Büsing ist einer von zwölf Lehrern im Ruhestand, die bis Freitag eine Woche lang in der Gedenkstätte Sachsenhausen ehrenamtlich gearbeitet haben. Und dabei unter anderem am Gebäude der ehemaligen Häftlingswäscherei des KZ zehn der 80 Jahre alten Fenster geschliffen und gestrichen und zum Teil neu verglast haben. Risse im Gebäude wurden verputzt, metallische Schachtabdeckplatten gesichert und neue Rahmen für die Kellerfenster gegossen und eingebaut. Und das bei Wind und Wetter. Und sie waren nicht zum ersten Mal hier.

Seit 20 Jahren besteht die Verbindung zwischen Gedenkstätte und Schulungszentrum in der Alwin-Lonke-Straße in Bremen. Dort, wo der Nachwuchs für die gesamte Baubranche ausgebildet wird. Seitdem trafen sich Azubis der Bremer Berufsschule und auch vom OSZ Hennigsdorf zu ehrenamtlicher Arbeit in der Gedenkstätte. „Kaum ein Gebäude, an dem wir nicht irgendetwas repariert haben“, blickt der Bremer Schulleiter im Ruhestand, Hans-Joachim Gries (69), zurück. Doch es ging nicht in erster Linie darum bei dem Projekt „Lernen und arbeiten“, das er damals initiierte.

Es war die Zeit rechter Übergriffe in Rostock-Lichtenhagen, in Mölln und auch auf die Baracke 38 und 39 in Sachsenhausen, erinnert Peter Herbst (73). Damals wollten sie mit ganz konkreter Hilfe in der Gedenkstätte etwas tun, zugleich die jungen Leute mit diesem dunklen Kapital deutscher Geschichte vertraut machen, sie dafür interessieren „und nicht zuletzt Gräben zwischen Ost und West zuschütten“, so Herbst. All das sei gelungen: Rund 800 Schüler haben inzwischen am Projekt mitgemacht. Wenn er die gestandenen Bauleute treffe, „sprechen sie noch heute über diese Tage in Sachsenhausen. Keiner will die Zeit missen. Die Arbeit hat sie geprägt“, so Hans-Joachim Gries.

Weil die Betreuerin des Bremen-Sachsenhausen-Projekts in eine Babypause ging und die Ruheständler die Verbindung nicht abreißen lassen wollten, füllten sie die Lücke mit ihrem „Rentnerprojekt“. Den dritten Sommer haben sie nun unter dem Motto „Lernen und arbeiten. Den Ort der Unmenschlichkeit erhalten“ in der Gedenkstätte zugepackt. Im Herbst kommen wieder 16 Azubis aus Bremen. Ein Ausnahmeprojekt, so Horst Seferens, Sprecher der Gedenkstätte, die das Material finanziert und die Helfer im Haus „Szczypiorski“ einquartiert hat.

Auch für Johann Struß, mit 77 ältester Unruheständler, ist es wichtig mitzuarbeiten: „Wir verstehen uns, halten auf diese Weise auch Kontakt zueinander. Und ich werde meinem Sohn, der in Sarajevo arbeitet, wieder von unserem Auftrag berichten.

„Uns geht es darum zu helfen, die Gedenkstätte zu erhalten, den Kindern und Enkeln zu erzählen, was hier passiert ist. Wenn wir es schaffen, das Gedenken an die nächsten Generationen weiterzugeben, haben wir viel erreicht“, findet Architekt Hermann Loos. Helfen sei keine Frage des Alters. Wenn es die Gesundheit zulasse, will der 75-Jährige 2016 wieder dabei sein. Nicht nur er.

Von Heike Bergt

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