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Beste Debattanten vom Glienicker Gymnasium

Oranienburg Beste Debattanten vom Glienicker Gymnasium

Nikita Peck und Leonard Victor Machholz können sich streiten: sachlich und mit Argumenten. Die beiden Schüler vom Neuen Gymnasium Glienicke gewannen am Freitag den hiesigen Regionalausscheid des Wettbewerbs „Jugend debattiert“. Ende März debattieren sie weiter – im Landesfinale in Potsdam.

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Die Finalisten des Wettbewerbs mit dem Landesbeauftragen für Schülerwettbewerbe Klaus-Dieter Pohl vom Bildungsministerium.

Quelle: Marco Winkler

Oranienburg. „Die Grenzen meiner Sprachen bedeuten die Grenzen meiner Welt.“ Mit dem Zitat des österreichisch-britischen Philosophen Ludwig Wittgenstein eröffnete gestern der kommissarische Schulleiter des Runge-Gymnasiums, Henry Krüger, den Wettbewerb „Jugend debattiert“. Sieben Schulen aus dem Bezirk des Schulamtes Neuruppin nahmen teil – in je zwei Altersklassen. Jede Schule schickte vier Debattanten ins Rennen.

„Ich erhoffe mir natürlich schon einen kleinen Hausvorteil oder vielleicht sogar ein Heimspiel“, sagte Henry Krüger zu Beginn mit einem Lächeln. Doch der Wunsch wurde nicht erfüllt. Auch wenn die Jury-Entscheidung am Ende einige anscheinend besonders eifrige Runge-Schüler anfechten wollten, die Gewinnerschüler kommen beide nicht vom Runge, sondern vom Neuen Glienicker Gymnasium: Nikita Peck und Leonard Victor Machholz präsentierten sich den Juroren insgesamt am eloquentesten.

Aufwendige Recherchearbeit

Die Jury bewertete dabei folgende Kriterien, die sie mit Punkten von eins (eher mau) bis fünf (überzeugend) versahen: Sachkenntnis, Überzeugungskraft, Gesprächsfähigkeit, Ausdruck. Gar nicht so einfach, immerhin wussten die Teilnehmer bis kurz vor der Debatte nicht, ob sie die Pro- oder Contra-Seite vertreten sollen. Denn so funktioniert der Wettbewerb: Zehn Tage vor dem Termin bekamen alle Schüler eine Liste mit drei aktuellen Themen: Bußgelder, Massentierhaltung, Bettelverbot.

Für beide Seiten mussten sie Argumente finden. „Es ist unglaublich, welche Recherchearbeit die Jugendlichen leisten müssen“, so Christine Malkowski, Fachleiterin Deutsch am Runge-Gymnasium. „Manchmal erscheint eine Seite logisch“, sagte sie, „aber für die andere findet man mehr Argumente.“ Ein spannendes Feld. „Ich bewundere die Schüler und was sie leisten.“ Debattenkultur wird im Runge in der achten Klasse im Deutschunterricht behandelt. Lehrer werden dazu extra in einen Lehrgang geschult – wo sie selbst lernen, wie man richtig debattiert.

Braucht es eine Jugendquote in Gemeinderäten?

Die Teilnehmer am Freitag erfuhren vor der Debatte, welchen Standpunkt sie vertreten mussten, konnten sich kurz sammeln – und mussten dann alle Notizen beiseite legen. Nur ein leeres Blatt, einen Stift und die eigenen Gedanken sind vor der Jury erlaubt. Jeweils zwei Schüler argumentierten auf der Pro- und Contra-Seite. Redezeit eingangs: zwei Minuten pro Debattant. Danach eine offene Runde (16 Minuten) und eine Art Schlussplädoyer (eine Minute). Die Finaldebatte der älteren Schüler beschrieb ein Juror im Nachgang als „eine der stärksten Debatten der letzten Jahre.“

Thema: Sollen in Stadt- und Gemeinderäten Jugendquoten eingeführt werden? Jurek Wille vom Louise-Henriette-Gymnasium Oranienburg vertrat die bejahende Seite. Der Birkenwerderaner warb für eine „repräsentativere Demokratie“. Kontrahentin Julia Steinmetz vom Runge verwies in ihrer Argumentation auf die Jugendbeiräte und mangelnde Partizipation seitens der Jugendlichen. Carl Exner vom Neuen Gymnasium Glienicke unterstütze sie mit Zahlen: „97 Prozent der Jugendlichen nehmen die partizipatorischen Möglichkeiten in der Politik nicht wahr.“ Er wies darauf hin, dass eine Legislaturperiode von acht Jahren viele 16- oder 17-Jährige, die in ein Parlament gewählt werden wollen, abschrecken würde. Zudem müsse das Grundgesetz geändert werden, damit diese Jugendlichen überhaupt gewählt werden können.

„Politik ist nichts anderes als ein Altenheim“

Der spätere Sieger Leonard Victor Machholz ging in die Vollen, polarisierte äußerst geschickt: „Politik ist nicht anderes als ein Altenheim, es gibt zu wenig junge Politiker.“ Er argumentierte, die Jugendquote könnte gezielt einen Aufschrei auslösen, der zu einem demokratischen Wandel führen würde: „Und Veränderung ist gut.“

Nach der Siegerehrung sagte der 17-Jährige, Sprache sei ein wichtiges Instrument. „Veränderungen sind auch möglich durch geistige Kompetenz und natürlich Sprachgewandtheit. Sprache lenkt Massen.“ Nach dem Regionalwettbewerb fahren die Finalisten Ende März zum Landeswettbewerb im Plenarsaal des Potsdamer Landtag.

Von Marco Winkler

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