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Oberhavel Landwirtschaft: „Bio ist der einzig richtige Weg“
Lokales Oberhavel Landwirtschaft: „Bio ist der einzig richtige Weg“
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23:20 26.02.2018
Stefan Gürgen, Matthias Rackwitz, Axel Wunsch, Christian Meyer, Reinhild Benning und Horst Jäkel (v.l.) diskutierten rege. Quelle: Nadine Bieneck
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Oranienburg

Längst kämpft der Verein „Contra Eierfabrik Oranienburg“ nicht mehr nur gegen die bei Zehlendorf geplante Einrichtung einer Legehennenanlage für bis zu 84 000 Tiere. Vielmehr geht es den Vereinsmitgliedern auch darum, für die Möglichkeiten nachhaltiger ökologischer Landwirtschaft und Alternativen zur Massenproduktion von Lebensmitteln zu sensibilisieren. Wie eine Landwirtschaft ohne Eierfabriken mit bis zu mehreren zehntausend Tieren aussehen kann, war Thema einer Podiumsdiskussion, zu welcher der Verein Montagabend in die Räumlichkeiten der Kirche in der Julius-Leber-Straße geladen hatte.

Noch viel Nachholbedarf im gesamten Land

Rund 40 Gäste waren gekommen. Die meisten verließen die Veranstaltung nach knapp zwei Stunden vermutlich mit gemischten Gefühlen. Denn wie sich im Verlauf der regen Diskussionsrunde herausstellte, gibt es zwar Alternativen zur Massentierhaltung in Deutschland, doch sind diese weder bislang sonderlich populär, noch weit verbreitet. Insbesondere im Land Brandenburg.

Niemandsland Brandenburg in Sachen Bio-Eier?

Matthias Rackwitz, der sich seit Jahren in Initiativen gegen Massenanlagen engagiert, brachte es auf den Punkt: „Aus Bio-Eier-Sicht ist Brandenburg ein Niemandsland.“ 90 Prozent der so deklarierten Eier würden aus „Schwindelställen“ stammen. Bio dürfe sich eine Anlage mit maximal 3000 Tieren nennen. In der Realität werde da sowohl getrickst als auch kaum kontrolliert („Zählen Sie doch mal nach, ob in einem stall 3000 oder 5000 Hühner stehen.“), wie Rackwitz monierte. „Da kann es in einem Brandenburger Biostall auch schon mal 30 000 Tiere geben“, berichtete Rackwitz. Möglich mache dies die Unterteilung großer Ställe in Einzelbereiche für jeweils 3000 Tiere. Am Ende sei das jedoch „eine Mogelpackung“.

Biobauer Gürgen und ehemaliger Landwirtschaftsminister berichten

Stefan Gürgen aus Zehlendorf, berichtete aus eigener Erfahrung, wie schwer das Leben als Biobauer sei. „Man hat oft das Gefühl, gegen die großen Konzerne nicht mehr anzukommen.“ Sein Betrieb werde „ständig kontrolliert, trotzdem müssen wir uns ständig rechtfertigen, dass unser Bio auch wirklich Bio ist.“

Der ehemalige niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer berichtete lebhaft von seinen Erfahrungen im Kampf für eine tierfreundlichere Entwicklung. Deutlich wurde bei seinen Erläuterungen jedoch auch – voran ging es in den vergangenen Jahren lediglich in kleinen Schritten. Die Abschaffung einer Obergrenze für Bioanlagen durch eine neu geschaffene EU-Verordnung im Jahr 2019 sei gar ein Schritt zurück.

Oranienburger Bürgerinitiative nimmt Vorreiterrolle ein

Reinhild Benning, Referentin für Landwirtschaft und Tierhaltung bei der unabhängigen Umweltorganisation german watch warb darum, den „Bio-Handel trotz aller Negativerlebnisse dennoch nicht vorzeitig zu verteufeln. Genau das wollen die Discounter doch“. Sinkende Nachfrage nach Bioprodukten schaffe in deren Sortiment schließlich mehr Platz für Produkte konventioneller Landwirtschaft. „Bio ist der einzig richtige Weg – für den Menschen und das Tierwohl.“ Die Bürgerinitiative aus Oranienburg sieht Benning in einer Vorreiterrolle: „Sie haben dafür gesorgt, Lücken in den Regelungen für den Ökolandbau aufzudecken und damit enorm wertvolle Arbeit geleistet, die wir nun bundesweit weitertragen müssen.“ Seit Monaten weist der Verein darauf hin, dass die für insgesamt 84 000 Tiere geplante Anlage, mit der die Investoren vor allem Bio-Eier für den Berliner Markt produzieren wollen, mit Bio nichts zu tun habe.

Öffentliche Einwendungen gegen Anlage noch bis 23. März 2018 möglich

Bis 23. März 2018 sind nach wie vor Einwendungen der Öffentlichkeit gegen die in Zehlendorf geplante Massenfabrik möglich. Eine dreistellige Anzahl habe man bislang bereits erreicht, die Bevölkerung will und muss man jedoch weiter mobilisieren, wie Axel Wunsch von der Bürgerinitiative erklärte. Denn eine große Zahl öffentlichen Protests gegen die Fabrik bedeute nicht nur Zeitgewinn, sondern vor allem „ein politisches Signal aus der Bevölkerung“. Froh sei man darüber, dass sich die Stadt Oranienburg in einer öffentlichen Stellungnahme gegen die Errichtung der Massenanlage ausgesprochen habe. Beim Landkreis Oberhavel sei dies bedauerlicherweise nicht der Fall. „Dort sieht man keinerlei Einwände gegen diesen Bau“, berichteten die Vereinsmitglieder im Rahmen des Diskussionsabends.

Hintergrundinformationen:

42000 Legehennen in Zehlendorf geplant

„Contra Eierfabrik“ gründet Verein

Anwohner kämpfen gegen Eierfabrik

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Fakten zur Eierfabrik

Von Nadine Bieneck

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