Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Oberhavel Birkenwerder: Zankapfel Ortsmitte
Lokales Oberhavel Birkenwerder: Zankapfel Ortsmitte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:04 20.05.2014
Vor gut 100 Jahren war das Rathaus in Birkenwerder ein Streitpunkt. Der hat sich seitdem nur wenige Meter verlagert. Quelle: Enrico Kugler
Birkenwerder

Das war bei der Verlagerung des Rathaussportplatzes so und beim Standort der neuen Feuerwache. Besonders erbittert und scheinbar unversöhnlich läuft die Diskussion zum Neugestalten der Ortsmitte. Soll diese nun ein grünes Tor zu Briese werden? Oder sollte dort ein Vollsortimenter hingeklotzt werden, der mit seiner Magnetfunktion zugleich den übrigen Einzelhändlern mehr Kundschaft in die Läden spült? Bei der Beantwortung dieser Fragen prallen nicht nur lokalpatriotische und sachliche Erwägungen aufeinander, sondern Weltanschauungen. Und Charaktere.

Ähnliche Szenen spielten sich allerdings schon vor mehr als 100Jahren ab, was 2012 im Zusammenhang mit dem Rathausjubiläum deutlich wurde. Erika Schürhoff vom Geschichtsstübchen fand delikate Hinweise im „Briesetal-Boten“: Auch um den Standort des Rathauses war intensiv gestritten worden. Ein Privatier nämlich hatte der Gemeinde ein Grundstück für den Rathausbau geschenkt, nur leider am Ortsrand. Wie die Geschichte ausging, kann heute jeder in der Ortsmitte sehen. Und vielleicht gibt es in zehn, 50 oder gar 100Jahren ein ähnliches Fazit zur Bebauung gegenüber dem Rathaus. Aber zunächst ist es Aufgabe der nächsten Gemeindevertretung, die Beschlusslage zu revidieren – oder endlich zu realisieren. Denn die Diskussionen haben bislang vor allem einen lähmenden Effekt, der sogar bis in die Nachbarorte ausstrahlt. Die Investitionen, zum Beispiel im Handels- und Dienstleistungszentrum Hohen Neuendorf, sind eng mit der Entscheidung in Birkenwerder verknüpft.

Um das Kräfteverhältnis der Befürworter und Gegner des Vollsortimenters neu auszutarieren, haben sich in Birkenwerder zum bevorstehenden Urnengang insgesamt fünf neue Wählergruppen in Stellung gebracht. ALiBi, B.i.F, IOB, Pro Birkenwerder und SfB haben erstmals einen Wahlvorschlag eingereicht. 71Kandidaten von 13 Parteien und Wählergruppen bewerben sich um die 18 zu vergebenden Mandate. 13 Gruppierungen, das ist mindestens Kreisrekord.

Dabei steht Birkenwerder finanziell ganz gut da. Der Haushalt ist seit Jahren ausgeglichen, seit Jahren ist die Gemeinde schuldenfrei, betont Finanzfachfrau Angelika Huhle. Und bislang deute nichts darauf hin, dass dies in den kommenden Jahren anders werden müsste: „Wenn es nach der Verwaltung geht, bleibt dies auch so“, sagt Angelika Huhle, die derzeit als Bürgermeisterin amtiert. Aber – und das ist ihre Einschränkung – das letzte Wort über den Gemeindehaushalt haben jeweils die Gemeindevertreter. Sie legen fest, wie viel Geld wofür ausgegeben wird. Und dabei geht es schlicht und ergreifend um Mehrheiten.

Eine der größten Investitionen der ausklingenden Legislaturperiode ist im Bereich Infrastruktur zu finden. Der Ausbau von Brieseallee, Friedensallee und Sacco-Vanzetti-Straße hat inklusive Briesebrücke 3,3 Millionen Euro gekostet. Anstelle des Kopfsteinpflasters wurde Flüsterasphalt aufgebracht. Diese Maßnahme ist vom europäischen Fonds für regionale Entwicklung mit 850 000 Euro gefördert worden. Im vergangenen November wurde zudem der ausgebaute Weidenweg freigegeben. Im Februar 2012 konnten Uwe Linz vom BBC08 und Marita Bauer von Grün-Weiß Birkenwerder den symbolischen Schlüssel für den neuen Sportplatz und das Funktionsgebäude entgegennehmen. Rund 1,8 Millionen Euro hatte die Gemeinde in das Objekt investiert. Auch diesem am Ende so unspektakulären Akt war ein nicht weniger als 20 Jahre andauernder „Ultra-Hindernislauf mit Zickzack-Kurs“ vorausgegangen, wie MAZ-Redakteurin Helga Gerth seinerzeit kommentierte. Parallel gemahnte sie in Richtung Gemeinde, „ihre ganze Kraft und ihren ganzen Willen zusammenzunehmen, um ihr Zentrum zu entwickeln“.

Neben dem Genannten und der Rathaussanierung ist seit 2008 in Birkenwerder kaum Nennenswertes entwickelt worden. Als großen Wurf hatte sich Bürgermeister Norbert Hagen (parteilos) die Neugestaltung der Ortsmitte auf die Fahne geschrieben und systematisch mit Hilfe von Planern und Gutachtern vorangetrieben. Dann kam ihm die Grundstücksaffäre bis hin zur Suspendierung dazwischen. Seitdem scheint eine politische Schockstarre eingetreten zu sein. Sogar durch seine Unterstützerfraktion, die CDU, geht ein Riss. Die drei größten Fans von Hagen treten nicht noch einmal zur Wahl an. Im CDU-Ortsverein weht personell ein neuer Wind.

Aber der Bebauungsplan Nummer38 für die Ortsmitte von Birkenwerder liegt auf dem Tisch – und es gibt durchaus Befürworter. Manche sind in den neuen Wählergruppen zu finden. Die schiere Anzahl der Gruppen lässt Zweifel daran aufkommen, dass die kommunalpolitische Arbeit dadurch leichter wird. Deshalb lohnt es sich um so mehr, in den Wahlprogrammen genau nachzulesen, wie sich jeder zur Ortsmitte positioniert. Denn die Ortsmitte bleibt die größte Herausforderung in der kommenden Legislatur periode.

Was wünschen Sie sich in der nächsten Wahlperiode?

„Die Gemeindevertreter sollten sich für die Kommune einsetzen und nicht nur streiten. Es kommt nichts dabei raus und Geld geht trotzdem drauf.“
Antje Plesch (39)

„Es ist höchste Zeit, Radfahrern in Bahnhofsnähe überdachte Abstellmöglichkeiten zu schaffen. Außerdem fehlt dort ein Übergang über die B96a.“
Jürgen Weinert (74)

„Der Ort braucht einen Vollsortimenter, aber an erster Stelle steht für mich das altersgerechte Wohnen. Gäbe es das, müsste ich nicht nach Berlin ziehen.“
Inge Bohm (73)

„Wir brauchen ein Ortszentrum mit sozialen und kulturellen Angeboten sowie mehr Unterstützung für die kleinen Händler, aber kein zweites Kaufland.“
Claudia Tyrchan (45)

Von Helge Treichel

Oberhavel Mit 82 Jahren jobbt Siegesmund Ryll noch bei Kaufland - Zwischen Körben und Flaschen

Wer Siegesmund Ryll am Kaufland sucht, der kann ihn leicht finden: Ein Herr mit weißem Haar und in einem Alter, in dem wohl die wenigsten noch Flaschen in Kisten sortieren oder falsch geparkte Einkaufswagen einsammeln und in langen Schlagen dorthin bugsieren, wo König Kunde sie braucht.

20.05.2014
Oberhavel Sachsenhausener Kirche wird 100 Jahre alt - Gotteshaus mit Wohlfühlfaktor

Pfarrer Peter Krause streicht über den Einband. 100 Jahre alt ist die Bibel. So alt wie die Kirche selbst. Auf der ersten Seite trägt sie eine Signatur von Kaiserin Auguste Viktoria, die sie den Sachsenhausenern zur Einweihung des Gotteshauses geschenkt hatte. Das war am vierten Advent 1914.

20.05.2014
Oberhavel Kaum Unterstützung bei den „Offenen Ateliers“ - Künstler enttäuscht vom Landkreis

Oberhaveler Künstler kritisieren die mangelnde Unterstützung des Landkreises bei den „Offenen Ateliers“. Mehr als 40 Ateliers, Werkstätten und Galerien hatten sich Anfang Mai an der brandenburgweiten Veranstaltung beteiligt. Anders als zuvor überließ der Landkreis die Koordination des Wochenendes den Künstlern selbst und warb auch nicht auf seiner Internetseite für das Event.

20.05.2014