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Birkenwerder Korruptionsprozess: Polizei zapft Telefone an
Lokales Oberhavel Birkenwerder Korruptionsprozess: Polizei zapft Telefone an
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00:21 03.06.2018
Norbert Hagen. Quelle: Enrico Kugler
Birkenwerder/Neuruppin

Die Bombe platzte am Donnerstag, dem fünften Verhandlungstag im Korruptionsprozess gegen Birkenwerders Ex-Bürgermeister Norbert Hagen sowie drei weitere Angeklagte. Als Beweismittel für unlautere Machenschaften wurden während der Verhandlung am Landgericht drei Mitschnitte von Telefonaten zwischen Hagen und dem Mitangeklagten Oliver H. vorgespielt – von Mitarbeitern des Landeskriminalamtes aufgezeichnet nach ersten Durchsuchungen von Polizei und Staatsanwaltschaft im Dezember 2010.

Aufgeregter Mitangeklagter am Telefon

Während sich die beiden im ersten Telefonat noch recht entspannt darüber austauschten, ob sie schon „Besuch“ bekommen hatten, ist im zweiten und dritten Ausschnitt ein sehr aufgeregter, geradezu alarmierter Oliver H. zu hören. Zur Erinnerung: Seine Firma Grundkontor Potsdam, in der Hagens Stiefsohn Nils C. Mitgesellschafter ist, hatte die beiden zwei Teilgrundstücke im Wensickendorfer Weg 3 unter dubiosen Umständen erworben, wie Zeugen im bisherigen Prozessverlauf aussagten. Die Staatsanwälte werfen Hagen unter anderem vor, sein Ermessen als Bürgermeister bei dem Grundstücksverkauf zu Gunsten des Mitangeklagten ausgeübt und hierfür einen Geldbetrag in Höhe von rund 160 000 Euro vom Investor erhalten zu haben.

Bürgermeister rät, Unterlagen verschwinden zu lassen

Oliver H. bittet Hagen in dem Telefonmitschnitt um ein sofortiges Treffen, um sich abstimmen und absprechen zu können. Während sich Hagen sicher zeigte, dass bei ihm und auf seinen Rechnern nichts zu finden sei, sprach Oliver H. schon von einigen Dokumenten auf seinem Computer. Hagen rät, die Unterlagen verschwinden zu lassen. Und er versucht, seinen vermutlichen Komplizen zu beruhigen. Die Ermittler werden dennoch fündig.

Rätseln über anonyme Anzeigen

Bereits damals rätselt Hagen über zwei „sehr detailreiche anonyme Anzeigen“. In dem Gespräch gibt er sich dennoch gelassen. Er müsse sich lediglich noch eine „politische Strategie überlegen“.

Eins steht nach dem Vorspielen fest: Die beiden klingen nicht wie Leute, die nichts zu verbergen haben. Hagen scheint im Verlauf der Telefonate auch ein Stück auf Distanz zu gehen zu seinem Bekannten und Nachbarn.

Weiterer Investor äußert sich

Bevor die Telefonmitschnitte vorgespielt wurden, kam mit Hans-Dieter H. an diesem fünften Prozesstag ein weiterer Investor als Zeuge zu Wort, der sich für das Grundstück am Wensickendorfer Weg interessiert hatte. Während ihm von Hagen vor der Bürgermeisterwahl Hoffnungen gemacht wurden, habe er danach eine Abfuhr erhalten. Er habe gleich den Eindruck gehabt, dass bestimmte Gründe vorliegen. Wozu die geführt haben, sei an der Gerichtsverhandlung zu erkennen, so ein sichtlich aufgewühlter Hans-Dieter H.

Gemeindevertreter sagt aus

Erstmals kam am Donnerstag ein Gemeindevertreter zu Wort, der Kinderarzt Chris T. Der Senior, Jahrgang 1943, schilderte, unter welchen Umständen die Verkaufsbeschlüsse der Gemeindevertretung zustande kamen und wie verdächtig der damalige Bürgermeister taktierte, indem er zum Beispiel so tat, als würde er seinen Nachbarn Oliver H. nicht kennen.

Architekt in den Zeugenstand gerufen

In den Zeugenstand gerufen wurde überdies der Diplom-Ingenieur und Architekt Oliver B. aus Birkenwerder, der die Aussage seiner Frau vom vorangegangenen Verhandlungstag bestätigte. Sie hatte für den Investor Burghard K. erste Pläne für das Grundstück am Wensickendorfer Weg erstellt. Ihr Mann bestätigte nun die Aussage, dass er die überraschende Absage per Telefon von Hagen entgegen nahm – morgens um 7 Uhr. Vom fünfminütigen Monolog des damaligen Bürgermeisters blieb ihm vor allem die ungewöhnliche Begründung in Erinnerung: Die Grundkontor Potsdam sei „liquider“.

Hagen stellt sich als wirtschaftlich ruiniert dar

Auch Norbert Hagen selbst hatte einmal mehr die Chance ergriffen, seine Qualitäten als Bürgermeister hervorzuheben. Er wies auf Fehler in Protokollen und Akten hin und sprach über die Kredite innerhalb der Familie. Sich selbst stellte er als wirtschaftlich ruiniert dar.

Der nächste Verhandlungstermin wurde vom 8. auf den 11. Juni verlegt.

Von Helge Treichel

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