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Bombardier: Arbeiter kämpfen um Stellen

Sorge in Hennigsdorf Bombardier: Arbeiter kämpfen um Stellen

Die Beschäftigten des Hennigsdorfer Bombardier-Schienenfahrzeugwerks machen sich nach den jüngsten Entlassungsankündigungen Sorgen um die Weiterexistenz des Betriebes. Der Wirtschaftsminister versuchte, den Mitarbeitern Mut zu machen

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Wirtschaftsminister Gerber versuchte, den Beschäftigten in Hennigsdorf Mut zu machen.

Quelle: Paetzel

Hennigsdorf. Tausende Bombardier-Mitarbeiter protestierten am Donnerstag vor ihren Werken in Braunschweig, Görlitz oder Bautzen. Auch vor dem Hennigsdorfer Werktor hatten sich rund 800 Mitarbeiter versammelt. „Engineering in Indien, Rohbau in China, Einkauf in Rumänien, und in Hennigsdorf?“ stand auf einem der Transparente, die die Beschäftigten in die Höhe hielten. Mit dem Aktionstag wollten Belegschaft, Betriebsräte und IG-Metall-Vertreter gegen den geplanten Stellenabbau in Deutschland und die Verlagerung von Betriebsteilen ins Ausland protestieren. Allein im Hennigsdorfer Werk, dem größten im Land, sollen bis Ende des kommenden Jahres 270 Mitarbeiter entlassen werden. Das ist etwa ein Zehntel der Belegschaft. „Es geht um 270 Familien, ihre Existenzen und Perspektiven“, erklärte Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD), der nach Hennigsdorf gekommen war.

Nicht nur um diese Arbeitsplätze müsse man kämpfen, sondern auch um den traditionsreichen Bahnstandort Hennigsdorf mit seiner mehr als 100-jährigen Geschichte. Maschinen könne man überall auf der Welt aufstellen, aber die guten Leute gebe es nicht überall. „Die Fachkräfte und Ingenieure in Hennigsdorf sind das größte Pfund, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen“, sagte Gerber. Die Branche sei ein wachsender Markt mit guter Zukunft. Er habe dem Bombardier-Management mehrfach zugesagt, das Unternehmen bei Forschung, Entwicklung und Innovationsprozessen zu unterstützen. Ein­gegangen war Bombardier darauf aber bislang nicht. Albrecht Gerber versprach, dass die Landesregierung auch weiter alles tun werde, um zur Sicherung des Standortes in Hennigsdorf beizutragen. „Nur mit euch kann es hier eine Zukunft geben, wir stehen an eurer Seite!“, sagte der Wirtschaftsminister.

Die Ernüchterung folgte: Betriebsratschef Michael Wobst erklärte, dass Bombardier die Serienfertigung in Hennigsdorf einstellen wolle. Das Werk solle nach Vorstellungen des Managements künftig nur noch Kompetenzzentrum für Engineering, Entwicklung und Fahrzeugkonstruktion werden. Schon seit drei Jahren werden in Hennigsdorf keine kompletten Wagenkästen mehr gefertigt, in der Produktion arbeiten derzeit noch rund 500 der 2850 Mitarbeiter. Ihr Ende sei der Tod auf Raten für den Standort. „Dagegen müssen wir uns mit allen Mitteln zur Wehr setzen“, forderte Wobst seine Kollegen auf. Das Management müsse endlich mit dem Betriebsrat verhandeln und alle Zukunftspläne auf den Tisch legen. „Wir wollen eine Zukunft für Bombardier in Hennigsdorf und in Deutschland, diese Zukunft gibt es aber nur mit uns!“

Auch Hennigsdorfs Bürgermeister Andreas Schulz (SPD) zeigte seine Solidarität mit den Mitarbeitern von Bombardier, dem größten Arbeitgeber der Stadt. Er könne in den Entlassungen, der Schließung und Verlagerung von Teilbereichen kein unternehmerisches Konzept erkennen. „Möglicherweise lassen sich damit die Kapitalmärkte milde stimmen, uns in Hennigsdorf kann das nicht genügen“, so der Bürgermeister. Es brauche ein schlüssiges Unternehmenskonzept, um auch künftig Schienenfahrzeuge in Hennigsdorf entwickeln, produzieren und in Dienst stellen zu können. Er forderte ein klares Bekenntnis zum Produktionsstandort in Hennigsdorf. Für die Stadt sei jeder Arbeitsplatz ein Stück soziale Sicherheit, Teilhabe und Zukunft. Der Einsatz dafür lohne sich. „Nur wer nicht kämpft, hat schon verloren!“, rief Andreas Schulz den Beschäftigten zu.

Demnächst könnte es noch mehr Protestaktionen vor dem Bombardier-Werk geben. Das werde solange weitergehen, bis das Management in vernünftige Verhandlungen eintrete, kündigte der Betriebsrat an.

Von Marco Paetzel

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