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Bombardier-Belegschaft bangt um Zukunft

Entlassungen in Hennigsdorf Bombardier-Belegschaft bangt um Zukunft

Michael Wobst, Betriebsratschef im Bombardier-Werk, sieht die Zukunft des Standortes gefährdet, wenn die Produktion eingestellt werden sollte. Welche Bereiche von den angekündigten 270 Entlassungen betroffen sind, ist derweil weiter unklar. Das sorgt für Verunsicherung in der Belegschaft.

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Gegen die Entlassungen demonstrierten die Mitarbeiter am vergangenen Freitag.

Quelle: Foto: Robert Roeske

Hennigsdorf. Michael Wobst nennt es ein „Albtraum-Szenario“. Am Nürnberger Bombardier-Standort wurde vor Jahren die Produktion eingestellt, es wurde ein reiner Standort für Entwicklung und Konstruktion. „Anderthalb Jahre später haben sie das Werk gleich ganz geschlossen“, sagt der Betriebsrats-Chef. Es gebe Signale, dass auch die Produktion am Hennigsdorfer Standort irgendwann eingestellt werden könnte. Hier arbeiten derzeit rund 500 der 2850 Bombardier-Beschäftigten. Schon seit drei Jahren würden in Hennigsdorf keine kompletten Wagenkästen mehr gefertigt. „Wenn das so kommt, dann sehe ich die Zukunft des Werks in Gefahr“, sagt Michael Wobst.

Am vergangenen Freitag hatte Bombardier bekanntgegeben, dass im Hennigsdorfer Werk bis Ende des kommenden Jahres 270 Stellen abgebaut werden sollen, 70 davon sind Leiharbeiter. Das sind knapp zehn Prozent der Belegschaft im Werk. Viele der Beschäftigten sind nun verunsichert, weil sie nicht wissen, ob sie von den Entlassungen betroffen sind. „Es ist noch immer nicht bekannt, in welchen Bereichen die Stellen abgebaut werden“, erklärt Michael Wobst.

Auch Detlef Krebs (SPD), Stadtverordneter und Stahlwerk-Betriebsrat, beschäftigen die Entlassungen bei Bombardier. „Das ist eine Katastrophe! Jeder abgebaute Arbeitsplatz ist einer zuviel.“ Für den Standort des Schienenfahrzeugherstellers sei es ein Sterben auf Raten. Die Hersteller AEG und Adtranz hätten sich hier versucht und seien gescheitert, zudem wurden im Bombardier-Werk zuletzt keine kompletten Loks mehr produziert. Als „Dolchstoß“ sieht Krebs die Tatsache, dass Bombardier 2015 aus dem Bieterverfahren für die Berliner S-Bahn ausgestiegen war. Auswirkungen auf das Stahlwerk, den zweiten großen Arbeitgeber der Stadt, erwartet Krebs nicht unmittelbar. „Wenn aber große Konzerne ins Straucheln geraten, wird sich das auf andere Zweige auswirken.“

Hennigsdorfs Bürgermeister Andreas Schulz zeigt sich betroffen, jeder Abbau von Arbeitsplätzen sei auch Abbau von Kompetenz. „Wir unterstützen den Betriebsrat, Hennigsdorf soll Produktionsstandort bleiben.“ Die Landesregierung werde ihren Teil dazu beitragen, dass in Hennigsdorf weiter erfolgreich Schienenfahrzeuge hergestellt werden.

Auch auf dem Hennigsdorfer Postplatz sind die Entlassungen in diesen Tagen Thema. „Damit war zu rechnen, weil es bei Bombardier seit Jahren kriselt“, sagt Uwe Klein (67). Der Hennigsdorfer hat selbst fast 30 Jahre lang beim Schienenfahrzeughersteller gearbeitet. Die Entlassungen treffen die Stadt hart, immerhin seit Bombardier einer der größten Arbeitgeber der Region. Uwe Klein glaubt, dass es in Zukunft weitere Entlassungen geben könnte und die Zukunft des Werks gefährdet sei.

Swetlana Neuber (65) sieht das nicht ganz so dramatisch. Bombardier werde Hennigsdorf erhalten bleiben. „Dafür werden Bürgermeister Andreas Schulz und die Landesregierung sorgen, der Standort hier ist zu wichtig.“ Neuber hat Freunde und Bekannte, die im Hennigsdorfer Werk arbeiten. Deren Jobs seien aber nicht in Gefahr, glaubt die Rentnerin. „Die sind für Reparaturen und Wartungen zuständig, da werden sie keine Stellen abbauen.“

Betriebsratschef Michael Wobst bereitet sich derweil auf ein Gesamtbetriebsratskonferenz am Freitag in Schönefeld vor. Es werde nicht nur um Protestaktionen gegen den Stellenabbau gehen. „Wir werden auch inhaltliche Vorschläge machen.“

Von Marco Paetzel

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