Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Oberhavel Bombardier-Betriebsratschef tritt ab
Lokales Oberhavel Bombardier-Betriebsratschef tritt ab
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:32 01.03.2018
Viel Applaus von den Kollegen gab es für Michael Wobst gestern. Auch etliche Präsente bekam der 61-Jährige zum Abschied. Quelle: Foto: Enrico Kugler
Hennigsdorf

Es war eine alte Kassettenaufnahme von anno 1994, das Band leierte schon etwas. Doch die Botschaft war so aktuell wie heute: „Ich hoffe, dass sich die Führungskräfte wieder mehr auf die Verantwortung für den Menschen besinnen und auch mal weniger an die eigene Karriere denken.“ Es war die älteste Rede von Michael Wobst, die seine Betriebsratskollegen noch im Archiv gefunden hatten.

Gestern, 24 Jahre später, lief sie noch einmal in der Hennigsdorfer Stadtsporthalle. Bei der Betriebsversammlung nutzten seine Kollegen die Gelegenheit, sich von Betriebsratschef Michael Wobst zu verabschieden. Nach fast 28 Jahren im Betriebsrat geht der 61-Jährige am Mittwoch in den Ruhestand. Kollegen, Vertreter der IG Metall, des Managements sowie Alt-Bürgermeister Andreas Schulz und sein Nachfolger Thomas Günther hatten vorne in der Stadtsporthalle Platz genommen. „Ich will dir, lieber Michael, Dank, Anerkennung und höchsten Respekt für dein selbstloses Engagement zum Ausdruck bringen“, erklärte Alt-Bürgermeister Schulz.

Wobst hat bewegte Zeiten hinter sich

Es waren und seien noch immer bewegte Zeiten. Die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Stadt sei schon mehr als 100 Jahre eng mit dem Schienenfahrzeugbau verbunden. „Und wir wollen, dass das auch so bleibt“, so Schulz. All das, was heute da sei, sei immer erkämpft und erstritten worden, allen voran von Michael Wobst. Er sei immer einer gewesen, der geführt, moderiert und die Richtung gewiesen habe. „Die Schuhe sind groß. Dein Engagement, deine Erfahrung wird fehlen.“

Die Karriere beim Schienenfahrzeugbauer begann für Michael Wobst anno 1972 mit der Ausbildung, bis 1991 arbeitete er als Prüffeldmonteur. Nach der Wende wurde der gebürtige Hennigsdorfer in den ersten Betriebsrat der damaligen Lokomotivbau-, Elektrotechnischen Werke (LEW) gewählt. Wobst hatte zu dieser Zeit bereits großen Anteil am Aufbau der Arbeitnehmervertretung. Mit 36 Jahren wurde Wobst – einst 20 Jahre lang nebenberuflich als DJ unterwegs– dann 1992 Betriebsratsvorsitzender.

Verhandlungen mit Bombardier stocken

Es folgte ein Vierteljahrhundert, das geprägt war von gravierenden Veränderungen für die Mitarbeiter im Hennigsdorfer Werk. Es hatte etliche Eigentümer, hieß erst LEW, dann AEG, später Adtranz und schließlich Bombardier. Als Meilensteine nennt Wobst unter anderem die Angleichung der Einkommen in Ost und West, die Standortsicherungsvereinbarungen in den Jahren 2003 und 2005 und den Firmentarifvertrag 2010. „Seit der Übernahme des Standorts durch Bombardier wurde die Produktion in Hennigsdorf immer wieder in Frage gestellt. Wir haben das immer verhindert“, sagt Michael Wobst.

Ob das auch dieses Mal gelingt, ist ungewiss. Die Verhandlungen mit Bombardier stocken. „Wir liegen an vielen Stellen noch relativ weit auseinander“, so Wobst. Vereinbart wurde, dass es bis Ende 2019 keine betriebsbedingten Kündigungen gibt. Außerdem garantiert das Management Mitarbeitern im Werk 480 000 Stunden Arbeitszeit pro Jahr. Nun geht es darum, dass das Management entscheidet, wann und in welchem Umfang Projekte aus Hennigsdorf verlagert werden und welcher Anteil der Serienproduktion im Werk verbleibt.

Michael Wobst, dessen Nachfolger Ende März gewählt wird, wünscht sich, dass es eine gute Zukunft für den Betrieb und die Kollegen gibt und dass Betriebsrat und IG Metall weiter unterstützt werden. „Man ist nur in der Gemeinschaft stark.“ Wobst selbst will jetzt erstmal Abstand gewinnen, Haus und Hof in Hennigsdorf auf Vordermann bringen. Versauern will er aber zuhause nicht. „Ich könnte mir vorstellen“, sagt er, „mich politisch oder ehrenamtlich zu engagieren.“

Von Marco Paetzel

Poller sollen die Überfahrt künftig verhindern. Die Brücke über den Alten Rhin bei Linumhorst in Richtung Altfriesack wird noch in diesem Jahr gesperrt. Eine Sanierung ist für die Gemeinde Fehrbellin zu teuer, in Kremmen wurde eine Beteiligung an den Kosten abgelehnt.

01.03.2018
Oberhavel Kriminalitätslage vom 26. Februar 2018 - Polizeiüberblick: Ladendieb flüchtet ohne Beute

Eine aufgehebelte Terrassentür in Glienicke, ein aufgebrochener Kleintransporter in Hohen Neuendorf und Familienstreit um ein Baby – diese und weitere Meldungen der Polizei in Oberhavel lesen sie im Polizeiüberblick vom 26. Februar.

01.03.2018

Seit einigen Tagen läuft der Gruselfilm „Heilstätten“ in den Kinos. Daher wurde befürchtet, dass sich einige Mysteryfans auf den Weg nach Beelitz-Heilstätten machen würden, um ihr ganz persönliches Grusel-Erlebnis auf dem Gelände der ehemaligen Lungenheilstätten zu bekommen. Die Polizei ist für diesen Gruseltourismus gewappnet – und traf bereits weit gereiste Gruselfans an.

27.02.2018