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Oranienburg: Gefahr in der Tiefe

Grundwasser wird für Bombensuche abgepumpt Oranienburg: Gefahr in der Tiefe

Reinhard Richter kann jeden Tag verfolgen, wie es voran geht am Bombenverdachtspunkt. Der befindet sich direkt vor seiner Haustür in der Hildburghausener Straße 48 in Oranienburg. Schon oft habe er zu den Evakuierten bei einem Sperrkreis gehört. Doch so nah sei ihm die Suche noch nie gekommen.

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Ordnungsamtsleiterin Sylvia Holm mit Andreas Lange (l.) und René Hartwig der Brunnenbaufirma Ivers aus Osterrönfeld bei Kiel. Sie übergeben die Räumstelle am Montag an den KBMD.

Quelle: Enrico Kugler

Oranienburg. Reinhard Richter ist in Sachen Bombensuchen fast ein alter Hase: „Wir durften schon oft ausziehen, haben einige Sperrkreise mitgemacht“, sagt der Oranienburger. Doch so nah waren die Verdachtspunkte dann doch noch nie. Vor seinem Haus in der Hildburghausener Straße 48 beginnt heute die Absenkung des Grundwassers, damit ab kommenden Montag, 13. Juli, der Kampfmittelbeseitungdienst des Landes (KMBD) den Verdachtspunkt freigraben kann. In vier Metern Tiefe ist er geortete worden.

Reinhard Richter bleibt optimistisch

Erst hatte Reinhard Richter auf dem Grundstück in Süd eine Laube, seit 1997 steht dort sein neues Haus. Was den Bombenverdacht betrifft bleibt er Optimist: „Ich gehe davon aus, dass es nur ein paar Metallstücke sind.“ Aber der Boden, der habe es in sich , prophezeit er. „Wir befinden uns hier im alten Havelurstromtal, die Unterschicht ist voller Wasser. Sie haben drei Brunnen gesetzt, einen vierten zur Reserve. Mal sehen, ob das reicht.“

Davon sind Andreas Lange und René Hartwig überzeugt. Die beiden Brunnenbauer der Firma Ivers aus Österrönfeld bei Kiel hatten alle Hände voll zu tun, um das ellenlange Schlauchsystem an mehr als 90 Grundstücken vorbei und über 780 Meter entlang die Jenaer Straße bis zum Oranienburger Kanal zu verlegen. Überall sind kleine „Brücken“ zu bauen, damit Grundstücke und Nebenstraßen in den kommenden Tagen erreichbar bleiben.

80 Kubikmeter Wasser pro Stunde

Ab heute laufen dann die drei Pumpen, die 80 Kubikmeter Wasser pro Stunde zunächst in ein großes Absetzbecken transportieren und von dort weiter zum Kanal. Der große Probelauf findet am Wochenende statt, am Montag soll die Räumstelle an den KMBD übergeben werden. Mitarbeiter der Munitionsräumfirma Schollenberger öffnen den Verdachtspunkt im Auftrag des KMBD.

Am Mittwoch soll dann Klarheit herrschen, was in vier Metern Tiefe geortet worden ist. „Wenn nötig, wird sofort eine 100 Meter Sperrkreis geräumt. Und dann am Donnerstag entschärft oder gesprengt“, so Ordnungsamtsleiterin Sylvia Holm. „Es kann zu Verschiebungen kommen. Wir müssen sehen, wie das alles läuft“, bittet sie um Verständnis.

Zerscheller oder Teildetonierer

Allerdings gehe der KBMD davon aus, „dass hier keine Großbombe liegt“, so Holm. Darunter verstehen die Sprengmeister Blindgänger von 250 oder 500 Kilogramm Gewicht und mit chemischem Langzeitzünder. Denn es sind viele kleine metallische Teile sondiert worden. „Seit 2010 hatten wir diesen Fall bereits sechs mal, dass Zerscheller oder Teildetonierer freigelegt worden sind.“ Aber auch diese können gefährlich sein und müssten in manchen Fällen entschärft werden.

Wenn der KMBD am Montag den Verdachtspunkt in der Hildburghausener Straße 48 übernimmt, „dann machen wir als Brunnenbohrer vor der Hildburghausener 34 weiter“, so Andreas Lange. Auch hier schließe der KMBD ein Großbombe im Boden aus. Hier liegt das Relikt fünf Meter tief.

Anwohner werden informiert

Die betroffenen Anwohner der Hildburghausener Straße werden per Mail oder Brief im Briefkasten aus dem Ordnungsamt auf dem Laufenden gehalten. Am Donnerstag veröffentlicht die MAZ den potenziellen Sperrkreis. Wenn erforderlich, ist am kommenden Mittwoch auch das Bürgertelefon unter 03301/60 09 00 geschaltet.

„Ich kann ja jeden Tag live verfolgen, wie es voran geht. Ich hoffe aber, dass einfach nichts passiert“, sagt Anwohner Reinhard Richter.

Nicht anders geht es Lothar Gehrmann: „Als die Löcher in der Straße gebohrt wurden, schwante mir schon was“, so der Oranienburger, der in Nummer 51 im Haus seiner Eltern lebt. Er zeigt in alle Himmelsrichtungen: Dort, dort und dort sind 1945 Bomben runtergekommen. „Die haben damals ganz schön was abgeladen.“ Der Aufwand bei der heutigen Suche nach den Kriegsrelikten „kostet einfach viel Geld. Ich hoffe, es ist nur Schrott“, sagt Gehrmann und schaut über den Gartenzaun auf die Pumpen und Schläuche. „Ein komisches Gefühl ist es schon.“

Von Heike Bergt

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