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Borgsdorf: Die Flüchtlinge kommen

Infoabend über geplantes Asylbewerberheim für 242 Menschen Borgsdorf: Die Flüchtlinge kommen

Es sollten Ängste und Vorurteile über Flüchtlinge abgebaut werden. Erst am Dienstagabend hatte der Landkreis im städtischen Hauptausschuss bekanntgegeben, dass in der Borgsdorfer Margeritenstraße im kommenden Jahr eine Sammelunterkunft für Asylbewerber entstehen soll. 242 Menschen könnten laut Planung hier ab 2016 unterkommen.

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Bärbel Wihstutz von der Initiative „Willkommen in Oberhavel“ appellierte an die Bürger, die Flüchtlinge kennenzulernen. Angst brauche niemand zu haben.

Quelle: Fotos: Marco Paetzel

Borgsdorf. Vor der Turnhalle standen rund 30 Polizisten mit Einsatzwagen. Drinnen blieb es glücklicherweise friedlich. Dabei war die Borgsdorfer Halle am Donnerstag so voll, dass viele Zuhörer an den Wänden lehnen mussten. Vorne, unter dem Basketballkorb, saßen Stadtverordnete von SPD, CDU und Grünen neben Kathrin Willemsen von der Initiative „Willkommen in Oranienburg“ und Nico Lange von der Konrad-Adenauer-Stiftung. Die Moderation übernahm Pfarrer und Flüchtlingsseelsorger Bernhard Fricke.

Angst abbauen

Es sollten Ängste und Vorurteile über Flüchtlinge abgebaut werden. Die Podiumsmitglieder versuchten, über eine Tatsache zu informieren, die der Landkreis erst am Dienstagabend im städtischen Hauptausschuss bekanntgegeben hatte: In der Borgsdorfer Margeritenstraße soll im kommenden Jahr eine Sammelunterkunft für Asylbewerber entstehen, 242 Menschen könnten laut Planung hier ab 2016 unterkommen.

Das rund 20 000 Quadratmeter große Grundstück ist zugewuchert, rund 1,2 Hektar sind bewaldet. Bäume müssten für die neue Unterkunft wohl fallen. Schon diese Tatsache regte einen Borgsdorfer auf, der in der Turnhalle das Wort ergriff. „Lasst doch die Bäume stehen!“, schimpfte der Herr. Tatsächlich hatte die Stadt Hohen Neuendorf zehn Standorte für mögliche Unterkünfte vorgeschlagen. Viele Borgsdorfer - das wurden an diesem Abend deutlich - fühlen sich nicht nur vom Bau des Heims überrascht und vom Kreis schlecht informiert, sondern auch in der Frage des Standortes übergangen. Dann ergriff Nico Lange von der Konrad-Adenauer-Stiftung das Wort. Man müsse den Standort akzeptieren, auch mögliche Fällungen. „Es hat doch keinen Sinn, wenn sie jetzt sich hinter den Bäumen verstecken.“

„Man muss die Menschen erst einmal kennenlernen“

Doch die sind nicht das einzige Problem der Borgsdorfer. Eine Mutter wolle ihr Kind demnächst allein zur Schule schicken, habe aber nun Angst wegen der Flüchtlinge. „Das sind oft Männer aus Kriegsgebieten, wo wir alle nicht wissen, was die schon erlebt haben“, sagte die Frau ins Mikrofon. Bärbel Wihstutz von der Initiative „Willkommen in Oberhavel“ konterte. Man müsse die Menschen erstmal kennenlernen, dann verliere man auch die Angst vor ihnen. „Natürlich können Sie ihre Kinder zur Schule schicken“, sagte Wihstutz, die Flüchtlingen ehrenamtlich Deutsch-Unterricht gibt. Dafür bekam sie Applaus.

800 Menschen kommen

808 Plätze für Asylbewerber will der Kreis in Hohen Neuendorf und seinen Ortsteilen schaffen: Neben dem Heim in Borgsdorf mit 242 Plätzen würden 212 Plätze im kommenden Jahr im Hohen Neuendorfer Stadtgebiet benötigt, weitere 354 in der Folgezeit. Dann würde der Ort an das Hennigsdorfer Level aufzuschließen: Dort sind rund 3,2 Prozent der Einwohner Flüchtlinge.

Rund 1000 Personen wurden in diesem Jahr in Oberhavel aufgenommen, der Anteil der Kinder im schulpflichtigen Alter beträgt drei Prozent.

Eine Willkommensinitiative soll Anfang September in Hohen Neuendorf gegründet werden.

Dennoch zeigten sich viele Borgsdorfer in der Diskussion weiter besorgt, etwa dass Kämpfer des Islamischen Staates (IS) unter den Geflüchteten sein könnten oder die Kriminalitätsrate im kleinen Ort steigt. Kathrin Willemsen von „Willkommen in Oranienburg“ ergriff das Wort. Der Landkreis pflege es, hohe Zäune um die Heime zu bauen und sie per Video zu überwachen. „Das schützt auf jeden Fall die Flüchtlinge von Übergriffen von außen“, sagte Willemsen zynisch. Für die Sicherheit der Bürger gebe es zudem ein Sicherheitskonzept der Polizei. Aber Grund zur Angst gebe es gar nicht. „Ja, die Menschen sind aus einem anderen Kulturkreis, aber das heißt nicht, dass sie hier vergewaltigend und klauend durch die Gegend ziehen“, so Willemsen.

Infoabend am 17. September

Am Ende der Diskussion nahm Hohen Neuendorfs Bürgermeister Klaus-Dieter Hartung (Linke) das Mikro in die Hand. „Wir können die Asylbewerber nicht irgendwo hinter Fürstenberg in den Wald sperren!“ Man müsse ihnen Werte einer christlichen Kultur beibringen. „Damit auch die, die zurückgehen, in ihrem Land solche Strukturen aufbauen und sich nicht die Köpfe einschlagen“, so Hartung. Er habe mit dem Kreis vereinbart, dass es am 17. September einen Infoabend mit Vertretern des Kreises geben soll. „Dort wird der Landkreis Rede und Antwort stehen“, so Hartung. Die Bürger rief er auf, Verwaltung und Stadtverordneten ihre Fragen zu schicken.

Von Marco Paetzel

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