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Borgsdorf und seine Nelken

Erinnerungsstele beschlossen Borgsdorf und seine Nelken

An die Geschichte des „Nelkendorfes“ Borgsdorf soll künftig mit einer Gedenkstele an der Ecke Sperberstraße/Blumenstraße erinnert werden. Das beschlossen die Stadtverordneten. Neben einer fotografischen Übersichtsdarstellung ist ein Begleittext vorgesehen, der die Geschichte vor und nach 1945 darstellt.

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Die Stele am Standort Borgsdorfer Meile.

Quelle: Stadtverwaltung

Hohen Neuendorf. An die Geschichte des „Nelkendorfes“ Borgsdorf soll künftig mit einer Gedenkstele an der Ecke Sperberstraße/Blumenstraße erinnert werden. Das beschlossen die Stadtverordneten am Donnerstagabend mit deutlicher Mehrheit.

Mit der Stele soll eine fotografische Übersichtsdarstellung vermittelt werden. Außerdem ist ein Begleittext vorgesehen, der die Geschichte vor und nach 1945 darstellt. Gedacht ist bislang an eine Tafel mit einer Größe von 50 mal 140 Zentimetern, die in einer Höhe von etwa 90 Zentimetern angebracht ist. Es wird geschätzt, dass sich die Gesamtkosten inklusive Planung, Herstellung und Aufbau auf rund 15 000 Euro belaufen. Die Summe soll aus dem diesjährigen Haushalt entnommen werden.

Standort bis zum Schluss umstritten

Bis zum Schluss diskutierten die Kommunalpolitiker über den Stadtort, von denen zwei zur Auswahl standen: der historisch exaktere Platz an der Ecke Sperberstraße/Berliner Straße und die etwas belebtere Ecke an der Borgsdorfer Meile (Sperberstraße/Blumenstraße). Wie schwer die Wahl fiel, zeigt das Votum des Stadtentwicklungs- und Umweltausschusses: Je drei Mitglieder stimmten für den einen wie den anderen Standort, informierte Ausschussvorsitzender Josef Andrle (SPD).

Eine textliche Änderung übernahm Bürgermeister Klaus-Dieter Hartung auf Antrag von Lukas Lüdtke (Die Linke) in die Vorlage. Danach wird nun näher erklärt, warum Familie Moll laut Befehl Nr. 124 des Obersten Chefs der sowjetischen Militäradministration enteignet worden war – „als Kriegsverbrecher“.

Wohlhabender schlesischer Unternehmer legt den Grundstein

Der 1877 geborene schlesische Unternehmer Curt Moll hatte im Jahr 1904 auf dem „Hohen Feld“, also dem heutigen Areal zwischen Berliner-, Sperber- und Falkenstraße, günstig Bauernland erworben und eine Gärtnerei gegründet. Borgsdorf bestand zu dieser Zeit aus dem alten Dorf, drei Ziegeleien im Niedergang, einem Kinder-Erholungsheim und einer Haltestelle an der Nordbahn mit Gaststätte. Lediglich 186 Einwohner zählte der Ort 1905. „Moll lässt beheizbare Gewächshäuser errichten und spezialisiert sich auf Blumen: Rosen, Flieder und besonders Nelken“, heißt es im geplanten Stelentext. Der Betrieb wird zum zweitgrößten in Deutschland. Die Borgsdorfer Blumen werden im In- und Ausland verkauft. Während der NS-Zeit ist Curt Moll Mitglied der NSDAP und gehört zur Reiterstaffel Frohnau. Sein Sohn Rudolf ist SS-Mitglied.

Der ehemalige Sachsenhausener KZ-Häftling Erich Walter ist bis 1947 der Initiator des Neuanfangs. Aufgabenstellung: 90 Prozent Gemüseanbau, zehn Prozent Blumen. Mitarbeiter: 39. Der Betrieb firmiert später als „VEG Gartenbau Borgsdorf“ (VEG: Volkseigenes Gut).

Millionen Blumen aus Borgsdorf

Sind Arbeiten beim VEG Gartenbau Borgsdorf in den 1950er-Jahren noch vom Aufbau ohne große technische Hilfsmittel geprägt, wird unter der Betriebsleitung von Werner Petri ab 1968 stark in Erweiterung und moderne Technik investiert.

Ein neues Heizhaus und Sozialbauten werden errichtet, der ganze Ort profitiert vom neuen Kultursaal.

Ab 1974 wird die Nelkenzucht ein Betriebsteil des VEG Gartenbau Berlin, der gemeinsam mit dem Forstwirtschaftsbetrieb Borgsdorf Betriebswohnungen in der Blumen- und Nelkenstraße errichtet. Ein Wohnsiedlung entsteht hinter der Kirche und im Dornbuschweg, fernbeheizt von der Gärtnerei.

Der Betrieb wächst mit den Jahren auf 120 Angestellte und wird zum größten Schnittblumenproduzenten der DDR. Die Stückzahlen erhöhen sich von 1,3 Millionen (1968) über 4,2 Millionen (1976) auf 8,7 Millionen (1989).

 

Von Helge Treichel

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