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Braucht die Stadt eine weitere Brücke?

Verkehrsentwicklung in Oranienburg Braucht die Stadt eine weitere Brücke?

Weniger Autos in der Innenstadt, dafür mehr Radfahrer und Busse _ so sieht es künftig in Oranienburg aus. Falls das Verkehrsentwicklungskonzept, an dem die Stadtverordneten gerade feilen, zum Tragen kommt. Die große Frage ist noch: Wird eine zusätzliche Brücke über die Havel gebraucht? In diesem Punkt scheiden sich die Geister.

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Die Schlossbrücke ist ein Nadelöhr. Auch deshalb soll der Radverkehr gefördert werden.

Quelle: Robert Roeske

Oranienburg. Die Sondersitzung des Bauausschusses zum Verkehrsentwicklungsplan für Oranienburg am Dienstagabend verlief recht harmonisch. In großen Teilen herrschte unter den Fraktionen Einigkeit. Die grobe Linie im Vorschlag der Verwaltung, den Autoverkehr in der Stadt zurückzudrängen und eher den Fußgängern, Radfahrern und Busfahrgästen Vorfahrt zu geben, konnten die meisten mittragen.

Doch an einem Punkt scheiden sich die Geister: Braucht Oranienburg noch eine Brücke über die Havel oder nicht? Die Experten in den Workshops sagten: Nein. In der Diskussion steht - und das übrigens schon seit Jahren - ein neues Bauwerk in Verlängerung der Walther-Bothe-Straße bis zur Bykstraße. 2011 hatte die SPD gemeinsam mit den Grünen für einen solchen Neubau plädiert. „Wir halten uns an unsere Beschlüsse“, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Dirk Blettermann. Langfristig sei diese Brücke sinnvoll, „statt überall Blockaden einzubauen“. Blettermann forderte seine Mitstreiter auf, nicht so hasenfüßig zu sein, sondern staatsmännisch in die nächsten 30 Jahre zu blicken.

Die Grünen indes nehmen Abstand von dieser Variante und folgen dem Verwaltungsvorschlag. „Mit der Schlossbrücke, der Dropebrücke und der neuen B 96 haben wir eigentlich drei Brücken“, sagte Jörg Roitsch. Arnold Krämer, sachkundiger Einwohner, verwies auf den schönen Grünzug entlang der Havel. „Mit einer zusätzlichen Brücke wird der zerstört.“

„Diese Brücke ist wichtig“, meinte andererseits CDU-Fraktionsvorsitzender Werner Mundt. Er brachte nur kurz das Szenario eines Montags in Erinnerung, als die Picanstraße gesperrt war, auf der Lehnitzstraße Bauarbeiten stattfanden, in diesem Bereich ein Auto liegenblieb und auf der A 10 ein Unfall passierte. Ewig standen die Autofahrer im Stau. „Das war das totale Chaos.“ Rückendeckung kam von Thomas Reisen, sachkundiger Einwohner der CDU. „Irgendwann ist die Sanierung der Dropebrücke dran, dann haben wir nur noch die Schlossbrücke. Wir brauchen eine Reservebrücke.“ Er erinnerte auch daran, dass Takeda und Orafol ihre Standorte erweitern, bald noch mehr Mitarbeiter haben. Und, dass die Stadt ständig wachse.

Ralph Bujok, Vorsitzender der Fraktion der Linken, erinnerte an die Workshops zum VEP. „Die Brücke wurde nicht befürwortet.“ Und das Urteil der Fachleute sei ihm wichtiger, als die Meinung von Politikern, unterstrich Bujok.

„Auch von uns gibt es keine Zustimmung für eine neue Brücke“, meinte Antje Wendt, Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler.

Baustadtrat Frank Oltersdorf unterstrich in Sachen Sanierung der Dropebrücke, mit der ab 2018 zu rechnen ist: „Natürlich machen wir Umleitungskonzepte, damit die Belastung so gering wie möglich ist.“ Er erinnerte an den Ausbau der Bernauer Straße in den 1990-Jahren, die ewig gesperrt war. „Da ist die Stadt auch nicht zusammengebrochen.“ Sicherlich werde es bei der Dropebrücke anfangs Probleme geben, räumte der Baustadtrat ein. Er gab aber auch zu bedenken, dass mit einem Brückenneubau 10 000 bis 12 000 Fahrzeuge durch ein Wohngebiet mit circa 4000 Anwohnern geführt werden, nur um die Schlossbrücke und die Dropebrücke ein wenig zu entlasten.

„Die Brücke ist mir zu schnell abgefrühstückt“, meinte Jennifer Collin, sachkundige Einwohnerin für die SPD. „Wir haben kein Alternativszenario.“ Dazu müsse man noch mehr in die Tiefe gehen.

Jemand, der offiziell nicht zu Wort kommen konnte, aber im Zuschauerraum vor Aufregung kochte, war Woba-Geschäftsführer Bernd Jarczewski, der diese Brücke kategorisch ablehnt und als Desaster für die Wohngebiete empfindet. Aus dem ehemaligen Neubaugebiet der Stadt ist nach vielen Jahren ein attraktives Wohnquartier geworden. „Nun soll da der Lkw-Verkehr durchfahren, so ein Unsinn“, sagte Jarczewski am Rande der Sitzung.

Was sagen die MAZ-Leser zu einer weiteren Brücke? Schicken Sie uns Ihre Meinung als E-Mail unter oranienburg@maz-online. de oder auf die Facebookseite „MAZ Oberhavel“.

Weniger Autoverkehr, mehr Radfahrer und Busse

Im Prinzip ist sich der Bauausschuss zum Verkehrsentwicklungsplan (VEP) einig, dass der Rad-, Fuß und Busverkehr gefördert und der Individualverkehr in der Stadt minimiert werden sollen. Angeregt wurde eine Testphase für eine Stadtbuslinie.

Beim Tempo 30 km/h wurde angeregt, nicht alle Durchfahrtsstraßen herunterzusetzen, um nicht den Verkehr in die benachbarten Wohngebiete zu leiten. Diskutiert wurde, 30 km/h für die Zeit von 22 bis 6 Uhr anzuordnen.

Für die Friedrich-Wolf-Straße in Lehnitz wurde eine Begrenzung auf 30 km/h für den Fall in Erwägung gezogen, dass die Wolfstraße vorfahrtsberechtigt bleibt. Diskutiert werden sollte auch eine kurze Umgehungsstrecke, weil ein komplette Ortsumgehung zu teuer werden würde.

Bis nach der Sommerpause sollen die Fraktionen ihre Änderungsanträge zum VEP vorlegen, um dann zu einer Abstimmung im Bauausschuss im September zu kommen.

Von Andrea Kathert

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