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Oberhavel Breite Front gegen Klärschlamm-Anlage
Lokales Oberhavel Breite Front gegen Klärschlamm-Anlage
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00:32 03.03.2018
Volles Haus im Oranienwerk am Dienstagabend. Das Aktionsbündnis legte Fakten auf den Tisch. Quelle: Enrico Kugler
Oranienburg

Die Männer des Aktionsbündnisses gegen die geplante Klärschlammverbrennungsanlage (KVA) in Germendorf wissen schon, wie sie einen Bürgerprotest organisieren müssen. Schließlich waren Dirk Bernhardt aus Germendorf, Martin Hinze aus Leegebruch und Jörg Falkowski aus Bärenklau 2002 schon gegen eine Müllverbrennungsanlage und Jahre später gegen eine Anlage zur Entsorgung von Industriefetten Sturm gelaufen. Erfolgreich.

Dirk Bernhardt aus Germendorf, Jörg Falkowski aus Bärenklau und Martin Hinze aus Leegebruch (v. l.) sind die Sprecher des Aktionsbündnisses. Quelle: Enrico Kugler

Am Dienstagabend informierte das Dreiergestirn im Oranienwerk über die Absichten der Firma Intec GmbH aus Bruchsal, im Gewerbegebiet von Germendorf eine Anlage zur Verbrennung von jährlich 80 000 Tonnen Klärschlamm zu errichten.

Der Germendorfer Marco Babatschew hatte sich ausgiebig mit den Plänen befasst. Das Werk würde in einem siedlungsnahen Gebiet stehen, die nächste Bebauung läge 970 Meter entfernt. Der Schlamm wird in einem Wirbelschichtverfahren verbrannt. Temperaturen von 850 Grad Celsius sind dafür nötig.

Schornstein soll 30 Meter hoch werden

Den 30 Meter hohen Schornstein, den sich der Investor vorstellt, findet die BI zu niedrig. Im Umkreis sei mit erheblichen Beeinträchtigungen zu rechnen. Eingesetzt werden soll eine trockene Rauchgasreinigung. Der 60-prozentige Wasseranteil im Schlamm wird total verdampft. „Riesige weiße Wasserdampfwolken werden weithin sichtbar sein“, befürchtet Babatschew.

Die Argumente der Anlagen-Gegner

Das Aktionsbündnis Contra-KVA spricht sich gegen die Anlage aus: weil der Ort in unmittelbarer Nähe von Wohnbebauung (970 Meter) ungeeignet ist,

weil es bereits eine hohe Vorbelastung gibt durch eine Altdeponie, ein Asphaltmischwerk und Recycling- und Entsorgungsfirmen,

weil Schadstoffe frei werden und eine Geruchsbelästigung entstehen kann,

weil der Tier- und Freizeitpark stark beeinträchtigt wird,

weil Gesundheit von Mensch und Tier gefährdet wird,

weil noch mehr Lkw-Verkehr entsteht.

Anaerobe Klärschlämme riechen. „Wir wissen noch nicht, ob es richtig stinkt.“ Der Investor hatte kundgetan, nur kommunale Klärschlämme verbrennen zu wollen. Eine Prüfung der angefahrenen Mengen sei nicht vorgeschrieben. „Der Schlamm wird nur angeguckt.“ Die Klärschlämme würden mit Sicherheit aus großer Entfernung herangeholt. Noch nicht mal im ganzen Land Brandenburg fiele genug davon an, um die Anlage zu betreiben.

In ganz Deutschland fallen 1,8 Millionen Tonnen Klärschlamm an

In ganz Deutschland würden jährlich 1,8 Millionen Tonnen Klärschlamm produziert. Zu befürchten ist also, dass zahlreiche Lkw über die Landstraßen fahren, montags bis sonnabends von 6 bis 22 Uhr. Zwar liegt der Autobahnanschluss direkt vor der Tür. Doch die Fahrer würden gerne die Maut umgehen. Käme der Schlamm aus dem Klärwerk Wansdorf, könne man sich ausrechnen, wo die Lkw langfahren.

Außerdem noch Asphalt-Lagerplatz geplant

Jörg Falkowski brachte noch weitere Probleme zur Sprache. Bald beginnt der Ausbau der A 10, bei dem zwischen Vehlefanz und Eichstädt eine neue Brücke gebaut wird. Große Umleitungen werden die Anlieger mehrere Jahre beschäftigen. Und es gibt im Germendorfer Gewerbegebiet auf der Gemarkung Bärenklau eine weitere Fläche, auf der ein Lagerplatz für 100 000 Tonen Asphalt und zusätzlich ein Zwischenlager für 25 000 Tonnen entstehen sollen.

Den Bau der Klärschlammverbrennungsanlage zu verhindern, ist nicht einfach. Die Fläche liegt in einem Industriegebiet, das den Bau solcher Anlagen zulässt. Es handelt sich um einen privaten Investor, der wiederum mit einem privaten Grundstückseigentümer verhandelt.

Die Leegebrucher wollen erreichen, dass das Untersuchungsgebiet vergrößert wird. Quelle: Enrico Kugler

Eine Möglichkeit wäre, das Gebiet in ein Gewerbegebiet umzuwandeln. Dann dürfte der Bau nicht erfolgen. Mit einem entsprechenden Antrag aus dem Ortsbeirat Germendorf hat sich der Hauptausschuss der Stadt Oranienburg bereits befasst. Das letzte Wort dazu haben am kommenden Montag, 5. März, die Stadtverordneten von Oranienburg. Stimmen sie zu, besteht allerdings noch ein großes Risiko, für eine Verhinderungsplanung belangt zu werden. Und es läge ein langwieriges B-Plan-Änderungsverfahren an. Aber wenn der B-Plan geändert wird, „dann können wir den Sekt öffnen“, sagte Martin Hinze. „Dann ist das Verfahren vom Tisch.“ Ansonsten geht der Bürgerprotest dann erst richtig los, wie vor 16 Jahren, so Hinze. Dann ist jeder Anlieger im Umkreis von 1,5 Kilometern um die Anlage selbst gefragt und muss seine persönlichen Einwendungen vorbringen und begründen. Die Leegebrucher versuchen inzwischen schon, den Radius auf 2,5 Kilometer auszuweiten. Dann könnten mehr Menschen Einspruch erheben.

Am Donnerstagabend stellt sich der Investor vor

Noch ist aber nichts zu spät, so die Botschaft des Abends. Im Moment läuft das Scoping-Verfahren, das einer Umweltverträglichkeitsprüfung vorgeschaltet ist. Doch zum jetzigen Zeitpunkt entscheide sich, wie der Untersuchungsrahmen für die Prüfung aussieht. „Das ist extrem wichtig für uns.“

Übrigens: Heute um 17 Uhr stellt sich der Investor im Strandhotel Germendorf vor. Die Bürger sollen ihm nach Möglichkeit mit ihren Protesten schon die Suppe versalzen und ihn dazu bringen, seine Pläne aufzugeben.

Von Andrea Kathert

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