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Bürgermeister-Kandidaten beim MAZ-Talk

Velten (Oberhavel) Bürgermeister-Kandidaten beim MAZ-Talk

Vor ausverkauften Hause fand am Mittwochabend vier Tage vor der Bürgermeister-Stichwahl in Velten der MAZ-Talk mit beiden Kandidaten statt. Die Bewerber um das Bürgermeisteramt stellten sich den Fragen der MAZ-Leser und des Publikums. Umrahmt wurde der Talk von zwei Probeabstimmungen.

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Quelle: Enrico Kugler

Velten. Vor ausverkauften Hause fand am Mittwochabend vier Tage vor der Bürgermeisterstichwahl in Velten im neuen Kommunikationszentrum der MAZ-Talk mit beiden Kandidaten statt. Die Bewerber um das Bürgermeisteramt stellten sich den Fragen der MAZ-Leser und des Publikums. Umrahmt wurde der Talk von zwei Probeabstimmungen.

Am Sonntag sollen die Wähler das Kreuz bei Ihnen machen. Wo sind Ihre Schwerpunkte?

„Wir müssen uns den Herausforderungen einer wachsenden Stadt stellen“, erklärte Amtsinhaberin und SPD-Kandidatin Ines Hübner. Dafür seien zwei Schlüsselinvestitionen nötig: In Bildung und in Mobilität. „Wir benötigen dringend mehr Kindertagesstätten und zwar zügig.“ Um Familien in der Stadt zu halten, favorisiert Hübner zudem das sogenannte Einheimischenmodell, mit dem sie jungen, ehrenamtlich tätigen Familien preisgünstig Baugrundstücke anbieten will. Unerlässlich sei zudem aus ihrer Sicht ein „mobiles Velten“ mit einer barrierefreien Bahnanlage, die nach vierjähriger Verhandlungszeit 2018 gebaut werden soll und der S-Bahn als wichtigstes Infrastrukturprojekt. Herausforderer Marcel Siegert (Pro Velten) benannte seine „Vision der familienfreundlichsten Stadt Brandenburgs“ als seinen alle Generationen umfassenden Schwerpunkt. Er träume von einer barrierefreien Stadt, die viel Herz für Kinder habe, in der man sich regelmäßig treffe, gemeinsam Veranstaltungen organisiere, mit modernen Schulen, in denen man die Kinder selbst versorge, und in „der man die Wärme hinterm Ofen wieder spüre“.

Welche Pläne haben Sie konkret für die Innenstadt?

Für die Belebung der Innenstadt plant Marcel Siegert einen Maßnahmenmix: Generationenpark, Spielgelegenheiten, mehr Veranstaltungen sowie eine Markthalle. Auch wenn zehn von vierzehn Markthallen in Berlin leerstünden, gäbe es dort doch überzeugende Konzepte, die man sich ansehen könnte, ist Siegert überzeugt. „Wir müssen uns auf die Innenstadt konzentrieren.“ Ines Hübner möchte gemeinsam mit den Bürgern den Marktplatz umgestalten, ihn barrierefrei machen und auch die Viktoriastraße miteinbeziehen. „Mein Wunsch wäre eine Einbahnstraße.“ Im Gespräch sei zudem ein Abriß des Parkdecks, wodurch sich neue Gestaltungsmöglichkeiten für Veltens Zentrum ergeben, zu denen im Rahmen des Innenstadtkonzeptes, das mit fünf Millionen Euro gefördert wird, auch ein Spielplatz, der Ausbau der Kita „Villa Regenbogen“ und die Belebung der Achse zur Ofen-Stadt-Halle mit Spielgeräten gehören soll.

Warum sollten junge Familien nach Velten ziehen? Und wo kann die Stadt noch familienfreundlicher werden?

„Velten ist eine wunderbare Stadt mit tollen Bürgern, die sich klar zum positiven verändert hat, das ist nicht selbstverständlich“, so Ines Hübner und verwies darauf, dass man in den letzten acht Jahren 25 Millionen Euro in die Stadt investiert habe. „Velten ist ein Geheimtipp.“ Trotzdem werde man zügig eine Kita neu bauen, eine andere erweitern. „Die Förderanträge wurden gestellt.“ Außerdem soll die Oberschule neue Räume erhalten, berichtete Hübner, das Gymnasium in Trägerschaft des Landkreises bekommt einen Anbau, ebenso wie die Löwenzahn-Grundschule, die so auf das Inklusionsthema „Gemeinsam lernen“ vorbereitet werden soll. Marcel Siegert ist überzeugt, dass Velten Familien mit seinem Angebot an Schulen, Kitas, Ärzten, Einkaufsmöglichkeiten, „tollen grünen Ecken“, dem Bernsteinsee als „ungeschliffener Juwel“ viele Vorteile biete. Für mehr Familienfreundlichkeit möchte er die Bürger beteiligen. „Die wissen wo der Schuh drückt.“ Ihm schwebt vor, „Alte und Junge“ zusammenzubringen sowie Kitas und Schulen ein Konzept zu geben, was nicht einfach ist, da beide pädagogisch selbstbestimmt arbeiten.

Wie kann Velten wirtschaftlich weiterentwickelt werden?

„Wir fangen ja nicht von Null an“, erklärte Marcel Siegert. Neben der Erschließung neuer Gewerbegebiete sei es jedoch auch wichtig, Bestandsunternehmen, seit Jahren in Velten ansässige Handwerksmeister nicht aus den Augen zu verlieren. „Denn „Kleinvieh mache auch Mist“, so Siegert, der Handwerksbetriebe im Ort dabei unterstützen will, an städtische Aufträge zu gelangen. Bürgermeisterin Hübner betonte, dass die Stadt „wirtschaftlich gut dastehe“ und sich im Regionalen Wachstumskern OHV sogar eine Spitzenposition in der Gewerbeentwicklung erobert habe. „Da wollen wir auch weiter machen. Die Gewerbegebiete sind voll belegt.“ Mit dem Landkreis werde derzeit der Business Park III geplant, denn Gewerbesteuern seien neben der Einkommensteuer die wichtigste Einnahmequelle der Stadt, verdeutlichte Ines Hübner.

Thema S-Bahn: Muss sie kommen oder nicht?

„Das Thema wird schon seit langer Zeit kontrovers diskutiert. Ich bin nicht so euphorisch“, äußerte sich der Pro-Velten-Kandidat. Eine direkte Anbindung der Stadt an Berlin sei unerlässlich. „Doch welche Farbe der Zug am Ende hat, ist mir völlig egal.“ Eine Allianz mit Oberkrämer und Kremmen zur Durchbindung des RE6 werde einen schnelleren Erfolg erzielen, vermutet Siegert. Hübner ist überzeugt, dass Velten den S-Bahnanschluss brauche. Er sei wirtschaftlich, zur Behebung des Fachkräftemangels und zur Flächenentwicklung der Stadt nötig. „Der Regionalverkehr einmal in der Stunde reicht nicht aus.“ Sie wehrte sich aber dagegen Nahverkehrsangebote gegeneinander auszuspielen. „Die S-Bahn kommt in den Landesnahverkehrsplan. Auch Berlin hat großes Interesse an der Erweiterung des S-Bahn-Netzes. Ich habe eine Bitte: Freuen wir uns einfach darüber.“

Von Ulrike Gawande

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