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Oberhavel Burower zeigen Hausmannskunst
Lokales Oberhavel Burower zeigen Hausmannskunst
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00:29 08.07.2015
Einige der Aussteller in der Alten Schnapsbrennerei auf Gut Zernikow, gruppiert um Johanna Dalchow ( sitzend mit Hut) Quelle: FOTO: Margot Schöning
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Zernikow

Es begann mit einer Rotwein-Idee am Kamin von Kunstprofessor Martin Rupprecht in Buchholz. Ausstellungen großer Kunst gibt es viele, so war der Gedanke, doch an welchen Bildern erfreut sich Otto Normalverbraucher in seiner guten Stube?, sinnierte die Runde.

Franziska Limberg griff die Idee von der Hausmannskunst auf. Sie sprach mit den meisten der 80 Burower überzeugte sie, das Lieblingsbild für eine Ausstellung zur Verfügung zu stellen. Am Ende kamen insgesamt 45 Gemälde, Fotos, Kollagen zusammen.

Doch Franziska Limberg, von Hause aus Modedesignerin, grub sich noch tiefer in die Dorfhistorie. Sie ließ sich alle Geschichte erzählen, die sich um die Leihgaben ranken. Sie fasste sie meisterlich in knappen Sätzen zusammen und schrieb sie per Hand auf ein Kärtchen, das neben dem Bild hängt. Allerdings ohne den Namen des Eigentümers zu erwähnen. Der Betrachter soll sich unbeeinflusst mit dem gut gehängten Bild und seiner Parabel auseinandersetzen und beispielsweise nicht mit Horst Winter, der gleich zwei Bilder zur Verfügung stellte. Beide hängen sonst in seinem Arbeitszimmer.

Johanna Dalchow. Quelle: Margot Schöning

Der Büffel mit dem fast unsichtbaren Kind auf dem Rücken stammt aus Ägypten. Das zweite Bild, die drei Generationen zeigen Horst Winter, seinen Vater und seinen Sohn, von seiner Enkelin simpel in Öl festgehalten. Für Horst Winter sind sie beruhigende, entspannende Augen- und Sinnesfreuden.

Gleich nebenan hängt bescheiden ein Haus, fotografisch in Öl festgehalten. Es ist das Elternhaus der Mutter, die nach dem Mauerbau nicht mehr in ihre Heimat konnte und so stets eine Erinnerung hatte.

Wundervoll ebenso das einfache Ölbild mit Lampionblumen. Daneben steht geschrieben: „Das Gemälde vom Liebsten – Die Tante nahm es mit auf die Flucht. Nie wieder erhielt sie eine Nachricht vom Liebsten. Aber die Lampionblumen, die er für sie gemalt hatte, begleiteten sie ihr Leben lang“.

Natürlich fehlen in der Hausmannskunst auch die röhrenden Hirsche nicht. Das eine lässt sich mit Schmunzeln betrachten. „Als kleiner Junge versuchte ich, die Hirsche auf dem Gemälde meines Großvaters mit Pfeilen zu erlegen. Prügel gabs. Weiße Stellen sind geblieben“, erzählt das Kärtchen. Nahezu alle Leihgeber und viele Neugierige eröffneten gut gelaunt zusammen mit Galerie-Leiterin Ingrid Krause-Windelschmidt am Sonnabend „Ein Dorf stellt aus – Lieblingsbilder“, zu sehen bis 26. Juli immer Sonnabend und Sonntag von 13 bis 18 Uhr in der Alten Schnapsbrennerei auf Gut Zernikow.

Mitgebracht hatten die Dorfbewohner reichlich selbst gebackenen Kuchen und neben Kaffee und Erfrischungsgetränken auch Hochprozentiges. Das fand bei den extremen Temperaturen kaum einen Liebhaber. Dafür wurde das Eröffnungskonzert mit dem Posaunenchor Rheinsberg unter der großen alten Eiche vor der einstigen Guts-Schnapsbrennerei umso mehr genossen.

Mit dem Blasinstrument dabei auch Johanna Dalchow, bekannt als Bastelqueen der Menzer Weihnachtsstube. Sie stellte als Dollgowerin ebenfalls ein Bild aus, einen bunten Sommerblumenstrauß, der sich bei genauem hinsehen, als eine Kollage winziger Papierschnipsel entpuppte. Als Jugendliche hatte sich Johanna Dalchow in das Bild von 1962 verliebt und darum gebettelt. Die Tante hat es ihr vermacht. Nun ist es ein Blickfang dieser ungewöhnlichen Ausstellung in der morbid ambienten Gutsbrennerei. Sie ist nicht nur eine Dorfgeschichte, sondern auch ein deutscher Bilderbogen.

Von Margot Schöning

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