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Oberhavel Camping für Erwachsene
Lokales Oberhavel Camping für Erwachsene
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18:55 03.06.2015
Christiane Erdmann hat das Zirkusleben in der Schweiz gegen die Selbstständigkeit in Deutschland eingetauscht. Quelle: Cindy Lüderitz
Ringsleben

Das erste Geld, sagt Christiane Erdmann, habe sie im Boden versenkt. Für Strom, Wasser und Abwasser. „Alles, was man nicht sieht“, sagt sie. Dafür ist der Campingplatz in Ringsleben jetzt angeschlossen und die verbliebenen Dauercamper merken, es passiert wieder was auf dem vier Hektar großen Gelände an der Nordbucht des Wentowsees.

2012 ersteigerte die 35-Jährige das ziemlich verwilderte Areal mit maroden Datschen und rostigem DDR-Inventar. „Kurz vor dem dritten Hammerschlag habe ich mein Gebot noch einmal erhöht. Das hat dann den Unterschied gemacht“, erinnert sie sich an den spannenden Moment. Acht Interessenten gab es. Der Zeltplatz D 34 war Ende der 50er Jahre entstanden, litt aber vor allem nach der Jahrtausendwende, sagen Dauercamper.

Wo andere geflüchtet wären, hat Christiane Erdmann ihre Chance gesehen. „Der Platz ist nicht fertig. Ich kann ihn so gestalten, wie ich das möchte.“ Auch wenn der Wiederaufbau so manche Überraschung birgt. Im März waren bei Aufräumarbeiten Granaten, Nebeltöpfe und andere Munition gefunden worden (MAZ berichtete). Christiane Erdmann wird in diesem Fall als Zeugin gehört.

Interview mit einem Dauercamper

Werner, den alle nur „Toni“ nennen, ist Dauercamper in Ringsleben. Der 71-Jährige aus Berlin „wohnt“ seit 22 Jahren auf dem Platz.

MAZ: Wie sind Sie nach Ringsleben gekommen?

Toni: Wir waren vorher an der Ostseeküste und wollten näher an Berlin ran. Da haben wir den Tipp bekommen, dass sich hier einiges tut.

Wie fanden Sie den Platz damals vor?

Toni: Das war ein richtiger DDR-Campingplatz. Sehr natürlich. Das Schöne war, wer wollte, konnte auch was machen. Es war nicht alles abgesteckt von links nach rechts. Wir haben Wasser gesucht, Berlin-Nähe und vernünftige Leute. Das alles haben wir hier gefunden.

Sie sind auch geblieben, als es nicht so lief.

Toni: Wir haben durchgehalten, auch weil wir wissen, dass wir so einen Platz nie wieder bekommen. Es lief einiges und das Leben auf dem Platz stand zwischenzeitlich fast still. Von den 130 Campern, die wir mal waren, blieben 16 übrig. Wir sind froh, dass es mit Christiane jetzt wieder vorwärts geht. Man sieht Fortschritte zum Guten hin.

Wie ist das Zusammenleben hier draußen?

Toni: Die Gemeinschaft funktioniert. Es ist ein kleines Dorf. Man kommt an und ist Zuhause.

Anderthalb Jahre war sie auf der Suche nach einem geeigneten Objekt in Berlinnähe. Die Idee zur Selbstständigkeit kam ihr während einer Europareise, auf einem Campingplatz in Griechenland. „Da wusste ich, das will ich machen. Aber in Deutschland“. An Campingurlaub mit der Familie hat die gebürtige Saarländerin selbst schöne Erinnerungen.

Christiane Erdmann hat zwei Berufe und Reiseerfahrung. Die gelernte Floristin und Schreinerin lebte acht Jahre in der Schweiz. Als Allrounderin arbeitete sie für einen Wanderzirkus. Daher, sagt sie, komme wohl auch die Vorliebe für die ramponierten Campingwagen, die sie mitgekauft hat.

In Ringsleben ist jetzt die erste große Saison angebrochen. 20 großzügige Stellflächen gibt es für Dauercamper, 15 für Kurzzeiturlauber. Alles schön großzügig. Die Gäste sollen sich nicht gegenseitig auf den Frühstückstisch gucken. Der kürzeste Weg zu frischen Brötchen führt mit dem Kanu übers Wasser ans andere Ufer – zum Marienthaler Konsum. So wie sich andere dem Naturcamping oder dem Familienurlaub verschrieben haben, fokussiert sich Christiane Erdmann auf Erwachsene. Nicht, weil sie kinderfeindlich ist. „In anderen Ländern ist das ganz normal. Die Ruhe auf diesem Platz ist unser Pfund. Wir sind aber deshalb kein Altenheim“, sagt sie. Erdmann stammt selbst aus einer kinderreichen Familie, hat vier Geschwister, und eine kleine Tochter, Amelie. „Viele Camper, die zu uns kommen, möchten einfach ausspannen und ausschlafen. Das respektieren wir. Für Familien mit Kindern gibt es in der Region andere tolle Campingplätze“, sagt sie. Selbst die Rasenmäher auf der grünen Scholle machen ihren Job in aller Stille: Bob und Fanny, die beiden Pferde einer Dauercamperin, halten dort das Gras kurz.

Service: Für den 14. Juni lädt Christiane Erdmann zu einem Tag der offenen Tür. Von 11 bis 17 Uhr können Gäste den Platz am Wentowsee besuchen und alte Geschichten aus dem Campingleben am Wentowsee erzählen.

Von Cindy Lüderitz

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