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Christian Schnur hat eine Menge bewegt

Stühlerücken beim TAV Liebenwalde Christian Schnur hat eine Menge bewegt

Seit 1991 hat Hans-Christian Schnur mit dem Trink- und Abwasserzweckverband zu tun, erst als Verbandsingenieur, seit 2004 als Geschäftsführer. Die tollsten Geschichten hat er miterlebt. Nun ist es für ihn Zeit, in den Ruhestand zu gehen. Davor plaudert er noch über die alten Zeiten, als Millionen von DM im Aktenkoffer hin und her getragen wurden.

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Hans-Christian Schnur hat in seinen 28 Arbeitsjahren beim TAV an vielen Rädern gedreht.

Quelle: Enrico Kugler

Liebenwalde. Finanzminister Wolfgang Schäuble hätte seine Freude an Hans-Christian Schnur. Der Geschäftsführer des Trink- und Abwasserzweckverbandes (TAV) verabschiedet sich nämlich mit 67 Jahren aus dem Arbeitsleben. Seinen Stuhl im Büro im Klärwerksgebäude hat er bereits geräumt und ihn Jana Gerlach überlassen. Sie wird die kaufmännische Schiene in der Geschäftsführung weiterführen. Für den technischen Bereich ist ein Verbandsingenieur eingestellt worden. Diese Stelle hatte Hans-Christian Schnur bisher mit abgedeckt. Nun sagt er: „Ich kann beruhigt in den Ruhestand gehen, denn meine Nachfolgerin übernimmt nicht nur meine Stelle, sondern ein Team sehr guter und motivierter Mitarbeiter.“

1991war es, da verschlug es Hans-Christian Schnur über eine ABM-Maßnahme zum TAV. Kurze Zeit später, im Mai 1992 bekam er dort seine Anstellung als Verbandsingenieur. Es war eine spannende Zeit, eine Zeit der großen Investitionen. Zu DDR-Zeiten gab es nicht mal überall zentrale Trinkwasserleitungen. Schnur erinnert sich noch, als die Ortsteile Hammer, Liebenthal und Böhmerheide an das Netz angeschlossen wurden. Das war 1995. „Parallel dazu haben wir auch noch 1992 das Betriebsgebäude hier gebaut“, meint Schnur. Erst danach wurde die Kläranlage errichtet. Im Mai 1995 ging sie in Betrieb. Dank der guten Zusammenarbeit mit dem Niederbarnimer Zweckverband ist die Kläranlage Liebenwalde zu mehr als 100 Prozent ausgelastet und der Niederbarnimer Zweckverband brauchte keine eigene Kläranlage bauen. Das war offenbar eine kluge Entscheidung. Denn bis heute ist die Anlage ausreichend. Aber sie könnte auch erweitert werden.

„Ab 1993 haben wir von hier aus sternförmig alle förderfähigen Gebiete schmutzwassertechnisch erschlossen.“ Mit Liebenwalde wurde begonnen. Dann kam Groß Schönebeck. 1993 bis 1995 folgten Hammer und Böhmerheide. 2001 waren Liebenthal und Klandorf dran. „Damit wurde praktisch alles erschlossen, was wirtschaftlich sinnvoll war.“ Damit war der TAV eigentlich mit seiner Schmutzwassererschließung durch. Mehr als 25 Millionen Euro waren im Laufe der Jahre investiert worden.

Doch mit der Gebietsreform im Jahr 2003 kamen Kreuzbruch und Freienhagen zu Liebenwalde. „Freienhagen gehörte vorher zum Zweckverband Malz“, erzählt Schnur. Und dort war zur Schmutzwassererschließung, ebenso wie in Kreuzbruch eigentlich gar nichts gelaufen. Durch die beiden Ortsteile sah der Erschließungsgrad des TAV dann nicht mehr ganz so gut aus.

Eines der letzten Vorhaben, die Hans-Christian Schnur (Mitte) begleitete, war der neue Schmutzwasserkanal in Groß Schönebeck

Eines der letzten Vorhaben, die Hans-Christian Schnur (Mitte) begleitete, war der neue Schmutzwasserkanal in Groß Schönebeck.

Quelle: Andrea Kathert

Die ganzen großen Investitionen sollten noch nicht die spannendste Zeit im Arbeitsleben von Hans-Christian Schnur gewesen sein. Es sollte noch spannender werden. Bereits im Jahr 1998 wurde der Verband wegen nicht gezahlter Rechnungen von Baufirmen und der damaligen Ingenieurgemeinschaft verklagt. Die Rechnungen seien völlig überhöht gewesen, schildert Schnur. „Deshalb wurden nur die unstrittigen Beträge vom TAV Liebenwalde bezahlt.“ Vor Gericht setzte sich der Zweckverband weitestgehend durch. Doch im größten Prozess scheiterte der Verband zunächst in zweiter Instanz vor dem Kammergericht Berlin und wurde zur Zahlung verurteilt. Hans-Christian Schnur sieht noch vor sich, wie der anwaltliche Vertreter des TAV, Rechtsanwalt Norman Bach, mit 2,9 Millionen DM im Aktenkoffer zum Gericht lief.

Aber die Verbandsversammlung ließ sich überzeugen und Hans-Christian Schnur durfte, damals als stellvertretender Verbandsvorsteher, denn der Verbandsvorsteher war geschasst worden, im Jahr 2000 beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe in Berufung gehen. Es vergingen mehrere Jahre mit Schriftsätzen und Gutachten, sowohl vom TAV als auch der Gegenseite - Jahre des Wartens auf ein Urteil. Mit der Gemeindegebietsreform 2003 wurde Jörn Lehmann zum Bürgermeister der Stadt Liebenwalde gewählt, und die Verbandsversammlung des TAV wählte ihn zum Verbandsvorsteher. Er kniete sich damals richtig rein und ließ sich nicht von seinem Amtsvorgänger dahingehend beeinflussen, diesen und die anderen noch laufenden Prozesse durch Vergleiche zu beenden.

Eine wertvolle Unterstützung in der Zeit der Prozesse von 1998 bis 2004 sei auch Uwe Schoknecht, Bürgermeister der Gemeinde Schorfheide und ehrenamtlicher Verbandsvorsteher des TAV, gewesen. In der Hochphase der Prozesse gab es auch kein Wochenende. Wenn jemanden der Bearbeiter etwas einfiel, wurde auch schon mal nachts um elf noch telefoniert. „Wir hatten auch sehr ehrliche und gute Mitwirkende bei unserem Kampf um die Bezahlung nur der gerechtfertigten Bau- und Planungskosten.“ Neben dem noch jungen Rechtsanwalt Norman Bach waren das der Planer Diplomingenieur Gert Köhler, der leider schon verstorbene Diplomingenieur Hans Stockleben, der damals schon über 70 Jahre alt war, und Professor Herbert Lemmer. „Jeder hat mitgezogen, die Verbandsversammlung als Ganzes, aber vor allem die beiden Bürgermeister. Das hat schon Spaß gemacht“, kann Schnur heute sagen.

2004 kam der große Durchbruch. „Wir haben richtig Geld zurückbekommen, das war schon eine große Nummer.“ Das Urteil des Bundesgerichtshofes hatte große Auswirkungen und beeinflusste das bundesweite Vergaberecht. Insgesamt sechs Millionen DM bekam der Verband zurück. Das half enorm und hat bis heute positiven Einfluss auf die Gebühren.

Seit 2004 war Hans-Christian Schnur Geschäftsführer des TAV. In den letzten zehn Jahren musste der Verband keine Kredite mehr aufnehmen. Die großen Bauvorhaben sind durch, jetzt geht es um Optimierungen. „Wir stehen auf soliden Füßen“, sagt Hans-Christian Schnur. Und das ist auch sein Verdienst.

Ob ihm die Arbeit fehlen wird? „Gewiss nicht“, sagt er ganz spontan. „Ich habe viele Hobbys und bekomme sicher auch genügend Aufträge von meiner Frau.“ Auch die beiden Enkelkinder in Kalifornien werden ihn auf Trab halten.

Aber: Hand aufs Herz! So ganz kann es Hans-Christian Schnur doch noch nicht lassen. Ein paar Stunden wird er noch zur Einarbeitung seiner Nachfolger im Verband sein, bevor endgültig die Wanderstiefel geschnürt werden.

Von Andrea Kathert

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