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Oberhavel Da hängen Erinnerungen dran
Lokales Oberhavel Da hängen Erinnerungen dran
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16:50 09.03.2018
Das war 20 Jahre lang die Wirkungsstätte von Michael Reichert. Als Berufssoldat leitete er das Soldatenheim mit dem St. Barbara-Saal. Quelle: Robert Roeske
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Lehnitz

Wenn Michael Reichert vor dem großen Tor der ehemaligen Märkischen Kaserne in Lehnitz steht, schaut er etwas wehmütig auf den großen Gebäudekomplex hinter ihm. Das war bis 2004 seine Wirkungsstätte bei der Bundeswehr. Der Berufssoldat war der Leiter dieses Heim-Komplexes. Nun soll das gewaltige Gebäude abgerissen werden und einem Supermarkt weichen. Michael Reichert findet das sehr schade, „daraus könnte man doch noch was machen“, ist seine Meinung. Doch Investoren stehen inzwischen offenbar Schlange.

Für Michael Reichert hängen viele schöne Erinnerungen an dem Gebäude, in dem sich der St.-Barbara­saal verbirgt. „Das ist bis heute mit 220 Plätzen und einer riesigen Bühne der größte Saal im ganzen Landkreis“, sagt Reichert. 1984 kam er als Stabsfeldwebel der NVA nach Lehnitz. 2004 wurde er als Oberfeldwebel der Bundeswehr nach Rheine versetzt. In der Zeit dazwischen unterstand ihm das Heim mit Saal, Küchen und mehrere Gaststätten für Soldaten und Offiziere.

Ein ganz schöner Klotz, der im Jahr 1996 für sieben Millionen Euro saniert worden war. Quelle: Robert Roeske

Zu DDR Zeiten war das Artillerieregiment I in Lehnitz stationiert. Bei der NVA hatte jede Dienststelle ein Traditionskabinett für die Waffenbrüder aus der Sowjetunion. Damit waren schon mal drei Räume in dem Komplex belegt. Im Mai 1987, erinnert sich Reichert, kam hoher Besuch. Die Verteidigungsminister der Warschauer Vertragsstaaten hielten ein geheimes Treffen ab. „Sogar Raul Castro war mit hier“, erzählt Reichert. Um richtig Eindruck zu schinden, war die Begrüßung der Minister durch den Kommandeur der Kaserne, Awe Lallement, mit einer Videokamera aufgezeichnet und kurz darauf im Barbara-Saal abgespielt worden. „So was gab’s bis dahin noch nicht. Alle waren schwer beeindruckt.“ Raul Castro hatte sogar nachgefragt, wo man so eine Kamera herbekäme.

In dem Soldatenheim spielte sich auch das kulturelle Leben ab. Schließlich sollten die Männer in der Grundausbildung nicht auf dumme Gedanken kommen. Weil die Kaserne in Lehnitz und der Palast der Republik in Berlin eine Patenschaft unterhielten, kamen viele prominente Künstler ins Kulturhaus, die wahrscheinlich nur ehemalige DDR-Bürger noch kennen. 1987 war Beppo Küster zu Gast. Ein Jahr später tauchte Heinz Florian Oertel in der Kaserne auf. „Der fuhr mit einem Peugeot vor“, erzählt Reichert. Da staunten die Soldaten nicht schlecht. 1986 trat Helga Hahnemann im Kulturhaus auf. „Die war wirklich, wie man sie so kannte.“ Früh um halb neun stand sie bei Michael Reichert in der Küchentür. Der knallte die Hacken zusammen und begrüßte sie militärisch. „Brech dir ma keenen ab, kannst Helga zu mir sagen“, hatte sie gemeint. Und sich ein Frühstück bestellt. Natürlich kamen auch der Oktoberklub und das Erich-Weinert Ensemble.

Charme aus DDR_Zeiten: die alte Laterne und typische Betonmauern. Quelle: Robert Roeske

Nach der Wende änderte sich so einiges. Auch die Künstler blieben langsam aus. 1992 allerdings fragte Karat nach, ob sie mal eine Woche im St. Barbara-Saal proben dürften. Sie wollte eine neue CD aufnehmen. „Die haben ganz professionell hier geprobt, von morgens bis abends“, erzählt Reichert. Aber in den Pausen, „da waren die wie die Kumpels von nebenan.“ Am Ende der Probenzeit hat Karat sogar ein Konzert für die Soldaten gegeben. Der Trommler von Karat, Michael Schwandt, lebt in Bergfelde. „Wir treffen uns heute manchmal noch in der Sauna“, sagt Reichert. Dann plaudern die beiden über diese alten Zeiten.

Nach der Wende fanden im großen Saal dann regelmäßig Benefizkonzerte statt. Das Gebäude konnte nun öffentlich genutzt werden. Die Weser-Singers traten auf und das Heeresmusikkorps spielte. Michael Reichert hat selbst viel mit seinem Sportverein, dem SSV Forst Borgsdorf, im Kultursaal gefeiert. Da ging die Post ab.

Aber natürlich war die Kaserne immer noch eine Karserne. Zu DDR-Zeiten hieß sie Rudolf-Gyptner-Kaserne, war 1975 gebaut worden und galt damit als die modernste in der ganzen DDR. Nach der Wende hieß sie Märkische Kaserne, die Bundeswehr war nun der Hausherr und das Panzerartilleriebataillon 425 hielt Einzug. Aus dem Soldatenheim mit Kulturhaus wurde ein Heimbetrieb mit separaten Gaststätten für Soldaten, Unteroffiziere und Offiziere. Aus den Vereidigungen der Soldaten waren Gelöbnisse für die Bundeswehr geworden. Michael Reichert bewirtete Innenminister Jörg Schönbohm und Verteidigungsminister Peter Struck. Auch den ehemaligen Generalinspekteur General von Kirchbach lernte Reichert kennen. Der war sehr beliebt bei den Soldaten. „Mit ihm konnte man ganz normale Gespräche führen“, erinnert sich Reichert. General von Kirchbach war Jahre später auch beim Auflösungsappell dabei.

1996 wurde der gesamte Heim-Komplex entkernt und für sieben Million Euro saniert. „Da sind die schönsten Möbel reingekommen, die neueste Küche und Ausstattung für 400 Leute“, erzählt Reichert. Es war wirklich alles vom Feinsten in den Offizierscasinos und der Küche.

Inzwischen hat sich das Grün rund um den Komplex breit gemacht. Quelle: Robert Roeske

2005 mussten auf dem Kasernengelände die meisten Straßen erneuert werden. „Weil das Bataillon neue Panzer bekommen hatte.“ Die wogen 64 Tonnen, also viel mehr als die alten. Das hätten die Straßen nicht ausgehalten. Wahrscheinlich ahnte damals noch niemand, dass 2006 die Märkische Kaserne komplett geschlossen wurde.

Zu dem Zeitpunkt war Michael Reichert schon zwei Jahre weg. Er war nach Rheine in Westfalen versetzt worden. Erst zehn Jahre später kam er in seine Heimat zurück.

Doch nun, wo er vor seinem alten Heimbetrieb steht und an die ganzen Erlebnisse im St.-Barbara-Saal denkt, da wird ihm doch ein wenig schwer ums Herz. Lange wird es nicht mehr dauern, dann ist der Saal verschwunden. Schon Anfang 2019 soll ein Supermarkt an der Stelle entstehen. Das findet Michael Reichert ein wenig schade.

Von Andrea Kathert

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