Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 8 ° Sprühregen

Navigation:
Das Gebälk ist morsch

Kirchensanierung in Germendorf Das Gebälk ist morsch

Ein Gutachten hatte es bereits prophezeit, nun steh es fest: Der Dachstuhl der Germendorfer Kirche muss dringend saniert werden. Die Holzbalken sind durch Feuchtigkeit und Schädlinge in Mitleidenschaft gezogen worden und müssen teilweise erneuert werden. 195 000 Euro wird die Dachsanierung kosten. Und dann ist die Kirche immer noch nicht fertig.

Voriger Artikel
Zwei Verletzte nach Unfall auf L170
Nächster Artikel
Sie bangen um ihr Vereinsheim

Kay-Jürgen Reddig, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates, sieht, wie groß die Schäden sind.

Quelle: Andrea Kathert

Germendorf. Pfarrer Arndt Farack ist am Donnerstag seinem „Chef“ wieder mal ein ganzes Stück näher gekommen. Gemeinsam mit Kay-Jürgen Reddig, dem Vorsitzenden des Gemeindekirchenrates, stieg er mutig auf das Baugerüst, um das Dach des Kirchenschiffes näher in Augenschein zu nehmen. In sechs Metern Höhe ließen sich Farack und Reddig von Bauleiter Wolfram Schwelgin von der Firma IBS aus Hoppegarten die Schäden an der Dachkonstruktion erklären.

Das Kirchendach ist abgedeckt

Das Kirchendach ist abgedeckt. Statt der Biberschwänze liegen erst mal Abdeckplanen auf dem Dachstuhl.

Quelle: Robert Roeske

Seit April ist die Kirche eingerüstet, seit zwei Wochen werkelt die Firma Denkmalpflege Prenzlau auf dem Dach. Inzwischen sind die alten Biberschwänze abgedeckt, nur der blanke Dachstuhl ragt in den Himmel. Jedenfalls dort, wo die großen Abdeckplanen nach hinten geschlagen sind. „Die Schäden sind so groß, wie wir befürchtet haben“, sagt Wolfram Schwelgin. Die Sanierung der Dachkonstruktion ist nötig, weil die Schwellen sehr beschädigt sind. Sie bilden sozusagen einen Anker auf dem Mauerwerk rund um das ganze Kirchenschiff.

 Bauleiter Wolfram Schwelgin zeigt die entscheidenden Stellen, wo die Balken am meisten beschädigt sind

Bauleiter Wolfram Schwelgin zeigt die entscheidenden Stellen, wo die Balken am meisten beschädigt sind.

Quelle: Andrea Kathert

Die Enden der schrägen Dachbalken und die Schwellen waren eingemauert. Das war keine so gute Lösung. Über die vielen Jahre drang Feuchtigkeit in das Holz. „Und dann gab es auch noch einen starken Anobienbefall“, sagt der Bauleiter. Die kleinen Nagekäfer fraßen sich mehrere Zentimeter ins Gebälk bis zum harten Kern des Holzes. Von einigen Balken an der Ostseite ist nicht mehr viel stehen geblieben. Das alles hatte ein Gutachten prophezeit, die wirklichen Schäden wurden aber erst sichtbar, nachdem die Schwellen freigelegt waren. Wenn Wolfram Schwelgin in die Ecken greift, wo die Balken im Mauerwerk zusammentreffen, befördert er Hände voller bröckliger, vermoderter Holzreste ans Tageslicht.

 Feuchtigkeit und Schädlinge haben den Balken zugesetzt

Feuchtigkeit und Schädlinge haben den Balken zugesetzt.

Quelle: Andrea Kathert

Den Bauleuten bleibt nichts übrig, als die beschädigten Abschnitte der Balken abzuschneiden und neue anzusetzen. Am Freitag beginnen die Zimmerleute mit ihrer Arbeit. An manchen Balken ist zu erkennen, dass sie bereits vor vielen Jahren einmal verstärkt worden waren. Aber eine dauerhafte Lösung war das eben nicht.

Nicht nur die Balken, auch das Mauerwerk selbst, also die Gesimse, haben Schaden genommen. Besonders an der Ostseite hat das Walmdach gearbeitet und stark auf die Steine gedrückt. Deshalb müssen auch die meisten Gesimse erneuert oder ausgebessert werden.

Wieder zurück aus schwindeliger Höhe zeigt Pfarrer Farack, dass das Kirchenschiff keine Decke mehr hat. Nur eine Zwischendecke aus Holzbrettern schützt das Innere der Kirche. Einzig nutzbar ist Moment nur die Winterkirche, die mit dicken Planen vom Kirchenschiff abgeschottet wurde.

 Pfarrer Arndt Farack steht in seiner Kirche, die im Moment gar nicht nach Kirche aussieht

Pfarrer Arndt Farack steht in seiner Kirche, die im Moment gar nicht nach Kirche aussieht.

Quelle: Andrea Kathert

Wenn der Dachstuhl saniert ist, wird die 280 Quadratmeter große Dachfläche mit 18 Millimeter starken Biberschwänzen wieder eingedeckt. Die werden zusätzlich noch in Mörtel verlegt. „Damit das Dach auch wirklich regen- und flugschneesicher ist“, erklärt der Bauleiter. Denn bei solch historischen Gebäuden wie die Kirche soll das Dach nicht mit Unterspannbahnen versehen werden.

In Absprache mit dem Denkmalschutz wird auch die Decke im Kirchenschiff wieder historisch aus Schilfrohr und mit Kalkputz aufgebaut. „Dann richten wir die Kirche natürlich wieder in einem vernünftigen Zustand her“, sagt Wolfram Schwelgin.

 Sie berieten in luftiger Höhe wie es weitergeht (v l)

Sie berieten in luftiger Höhe wie es weitergeht (v. l.): Kay-Günter Reddig, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates, Gerfried Fiewiger, Beuleiter der Firma Denkmalpflege Prenzlau, Bauleiter Wolfram Schwelgin und Pfarrer Arndt Farack.

Quelle: Andrea Kathert

Der Zeitplan für die gesamte Sanierung ist im Moment noch schwer einzuschätzen. „Aber bis zum Herbst wollen wir schon fertig sein“, meint der Bauleiter.

Interview: Pfarrer Arndt Farack zu den Kosten

Pfarrer Arndt Farack erzählt, was gerade mit der Germendorfer Kirche passiert und was es alles kostet.


MAZ:
  Wie lange haben sie gebraucht, um das Projekt zu starten?

Arndt Farack:  Wir haben acht Jahre darum gekämpft. Im vorigen Jahr ging es los mit dem Turm. Nun schließt sich der zweite Bauabschnitt mit der Dachsanierung für das Kirchenschiff an.

Was kostet die Dachsanierung?

Farack:  Insgesamt kostet sie 195 000 Euro. 50 000 Euro davon hat die Kirchengemeinde aus Spenden und Eigenmitteln aufgebracht. 50 000 Euro kommen vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur. Weitere 50 000 Euro steuert der Kirchenkreis bei. Die Landeskirche gibt 30 000 Euro. Und die Stadt Oranienburg unterstützt uns mit 15 000 Euro.

Was ist, wenn das Geld aber nicht reicht?

Farack: Wenn es teuer wird, können wir nur durch weitere Spendenaktionen noch Geld aufbringen. Deshalb freuen wir uns über jeden Euro Unterstützung. Zumal im nächsten Jahr der dritte Bauabschnitt in Angriff genommen werden soll. Das ist dann die Sanierung der Außenfassade.

Von Andrea Kathert

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Oberhavel


57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg