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Das Geheimnis vom Konradsberg

Nazi-Hinterlassenschaften in Hennigsdorf Das Geheimnis vom Konradsberg

Unter dem einstigen Rodelberg befinden sich Splitterschutzgänge der Nazis aus dem Zweiten Weltkrieg. Nach Kriegsende wurden die Zugänge verschlossen, doch Jugendliche fanden immer wieder einen Weg hinein. Hobby-Historiker Klaus Euhausen hat sich mit dem Ort beschäftigt. Er räumt mit einigen Mythen auf.

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Klaus Euhausen auf dem Berg, in dem die Gänge liegen. Oben ist heute eine Aussichtsplattform.

Quelle: Marco Paetzel

Hennigsdorf. Mehr Mutprobe ging nicht im Hennigsdorf der 1970er-Jahre. Im Stadtpark klaffte ein dunkler Tunnel, der in den Konradsberg führte. „Da haben sich aber nur die Älteren reingetraut“, so Bernhard Witt. Damals war Hennigsdorfs stellvertretender Stadtwehrführer noch ein Teenager, die Nazi-Gänge unter dem Rodelberg zogen ihn und andere Jugendliche magisch an. Immer wieder rissen Halbstarke die zugemauerten Eingänge ein. Die Mutigen kehrten mit Schauergeschichten aus dem Berg zurück, ein bisschen war es wie stille Post. „Die einen sagten, da liegen noch Leichen drin, die anderen wollen dort Waffen gesehen haben.“

Das Geheimnis der Tunnel im Konradsberg ist bis heute ein Mysterium der Hennigsdorfer Geschichte, nur wenig ist im Stadtarchiv bekannt. Das einstige Heim der Hitlerjugend (HJ), heute ist hier das Jugendförder- und Freizeitzentrum untergebracht, wurde 1938 übergeben, verantwortlich war damals der Hennigsdorfer Bauunternehmer August Conrad. Zeitgleich begannen die Nazis mit dem Bau der Splitterschutzgänge direkt in den Konradsberg hinein. „Es gab mehrere Zugänge, die nach Kriegsende zugeschüttet beziehungsweise zugemauert wurden“, so Anke Kaprol-Gebhardt, Leiterin des Stadtarchivs.

So sieht es in den Gängen unter dem Konradsberg aus

So sieht es in den Gängen unter dem Konradsberg aus. Jugendlichen schossen diese Fotos 1996, als sie in die Gewölbe eindrangen.

Quelle: privat

Ein Gerücht besagt bis heute, es stehe noch ein deutscher Panzer irgendwo in diesen Gängen. Ein anderes wiederum, dass einer der Tunnel bis zu einer alten Königseiche auf dem Waldfriedhof führen soll. Doch was davon ist wahr? Hobby-Historiker Klaus Euhausen interessierte sich schon in den 1990er-Jahren für das Thema – und bekam Hilfe von unerwarteter Seite. In der Nacht des 17. September 1996 drangen drei Teenager in die Splitterschutzgänge und schossen Fotos. Viele Motive gab es nicht. „Sie fanden dort nur zwei verrostete Stahlhelme. Keine Munition und sonst auch nichts“, sagt Euhausen.

Nach dem Einbruch der Teenager wurde der Bunker endgültig mit schwerem Gerät verschlossen. Die Fotos sind das letzte Zeugnis aus dem Inneren der Berges. Zu sehen sind gemauerte Gänge, die Decke bilden alte Holzplanken. Schon als die Fotos 1996 geschossen wurden, schien das Holz morsch, Fasern hingen in Bündeln von der Decke. Wie lange die Konstruktion noch hält, kann niemand sagen. Auch offizielle Baupläne sind, wie beim HJ-Heim nebenan, verschollen. Es gibt nur die Erinnerung der Jungs, die in den Berg stiegen: Von der Seite der Parkstraße aus verlaufen zwei der Gänge parallel im Konradsberg. Nur einer, etwa 25 Meter lang, reicht aber bis ans andere Ende und hatte einen Ausgang. Die beiden Gänge sind im Berg nochmals durch zwei parallele Tunnel querverbunden.

Diese beiden Stahlhelme sind das einzige, was die Jungs in den Splitterschutzgängen fanden

Diese beiden Stahlhelme sind das einzige, was die Jungs in den Splitterschutzgängen fanden. Ein Panzer war, entgegen vieler Gerüchte, aber nicht unter dem Berg.

Quelle: privat

Für den Ernstfall wurden sie aber nie genutzt. Zwar hatten Briten und Amerikaner Luftbilder, das HJ-Heim hätte ein Ziel für Luftangriffe sein können. Etwa 30 Jungen waren vor Ort, geführt von Ausbildern aus der „Hermann-Göring-Kaserne“ Hohenschöpping. Auf dem Konradsberg hatten im April 1945 auch Soldaten ihr Lager aufgeschlagen, es gab Artilleriegeschütz – so schildert es Klaus Euhausen in seinem Buch „Wer Wind sät, wird Sturm ernten.“ über das Kriegsende in Stolpe-Süd, Hennigsdorf und Nieder Neuendorf. Ob die Gänge aber bei einem Angriff Schutz geboten hätten, ist fraglich. Verwendet wurden damals kleine leichte Maschinen. „Wir wussten, wer da nicht schnell genug flüchten konnte, war tot“, erklärt Antonius Teren vom Hennigsdorfer Geschichtsverein. Die Gänge unter dem Konradsberg hätten im Ernstfall kaum Schutz geboten. „Das hätte selbst leichtesten Angriffen nicht standgehalten.“

Stabiler dürfte ein Bunker gewesen sein, der etwa dort stand, wo heute der Sportplatz der Fontane-Grundschule ist. Auch dieses Beton-Ungeheuer der Nazis war spannend für die Jugend. So sehr sogar, dass die Feuerwehr den Bunker Ende der 1970er-Jahre komplett mit Wasser flutete – später wurde er gesprengt. „Da haben die langhaarigen Gammler immer drin geraucht und getrunken“, erinnert sich Feuerwehrmann Bernhard Witt und grinst.

Viele Bunker gab es sonst nicht. An der Havel nördlich der Ruppiner Straße steht bis heute ein Einmannbunker, in der Nähe des Rathauses wurde ein Bunker für Bürgermeister Willi Klinger und seine Bediensteten gebaut, so Hobby-Historiker Euhausen. Der Bevölkerung dienten Keller als Luftschutzräume. Manchmal wurden sie mit Brettern und Pfosten verstärkt. Kellerfenster wurden gesichert und Wasserbehälter bereitgestellt, falls Brandbomben gefallen wären, sagt Euhausen.

Im heutigen Jugendförder- und Freizeitzentrum (JFFZ) war früher der Heim der Hitlerjugend untergebracht

Im heutigen Jugendförder- und Freizeitzentrum (JFFZ) war früher der Heim der Hitlerjugend untergebracht. Direkt nebenan liegt der Konradsberg mit den Schutzgängen.

Quelle: Stadtarchiv

Heute hat er nur eine Sorge: Dass nach Erscheinen dieses Textes jemand versuchen könnte, wieder in den Konradsberg einzudringen. Das, warnt der Hobby-Historiker, wäre absolut lebensgefährlich.

Von Marco Paetzel

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