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Das Glück kommt aus Hennigsdorf

Glückwunschkartenverlag Eulzer Das Glück kommt aus Hennigsdorf

Der Glückwunschkartenverlag Eulzer gehört mit 22 Millionen Karten pro Jahr zu den Großen seiner Branche in Deutschland. Der Umsatz hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Damals übernahm Reinhard Nowozin das Unternehmen. Eine Glückwunschkarte drücke mehr aus als eine E-Mail, sagt er – und es gibt Unterschiede zwischen Ost und West.

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Firmenchef Reinhard Nowozin begutachtet die aktuelle Kartenkollektion in der Grafik-Abteilung.

Quelle: Fotos: Paetzel

Hennigsdorf. Wenn man Reinhard Nowozin auf das Thema Glück anspricht, sollte man sich an diesem Tag besser nichts mehr vornehmen. Der 61-Jährige schweift ab, sinniert zitiert Philosophen. Das Glück vergleicht Nowozin mit einem fetten Donut. „Je dicker der Ring ist, desto mehr Glück ist in der Mitte. Jeder Mensch strebt nach einem möglichst dicken Donut“, sagt der 62-Jährige. Er muss es wissen, denn Reinhard Nowozin verdient mit dem Glück quasi sein Geld. Seit 2006 ist er Inhaber des Glückwunschkarten-Verlages Eulzer. 22 Millionen Karten werden jedes Jahr im Hennigsdorfer Firmensitz in der Herrmann-Schumann-Straße gedruckt, das Traditions-Unternehmen gehört deutschlandweit zu den Top-10 der Branche. Über den Umsatz will Reinhard Nowozin nicht sprechen, aber er entwickle sich auf jeden Fall gut. „Seit 2006 haben wir den Umsatz etwa verdoppelt“, sagt der Eulzer-Chef.

Das Glück begleitet Nowozin – nicht nur auf den Karten

Dass Nowozin heute auf dem Chefsessel von Eulzer sitzt, hat er wiederum dem Glück zu verdanken. Vor etwa zehn Jahren traf der Berliner beim Radeln zufällig einen Bekannten, der ihm erzählte, dass der alte Besitzer das Unternehmen in jüngere Hände geben wolle. Reinhard Nowozin, der unter anderem im Textilhandel oder der Unternehmensberatung gearbeitet hatte, reizte die neue Aufgabe. Er versuchte sein Glück im Hennigsdorfer Gewerbegebiet und verschuldete sich dafür. Rund 12 000 Quadratmeter misst das Gelände, gut 5000 davon sind mit Druckerei, Lager, Büros und Sozialtrakt bebaut. Am 30. September, sagt Nowozin, hat er den Firmensitz nun endlich abbezahlt und ist schuldenfrei. „An diesem Tag hatte ich auch Geburtstag“, sagt er. Wenn das mal kein Glück ist.

Nowozin lässt sich neue Entwürfe zeigen

Nowozin lässt sich neue Entwürfe zeigen.

Quelle: Paetzel

Auch auf den Karten für alle Anlässe von der Jugendweihe über Abitur und Führerschein bis zur Goldenen Konfirmation findet sich Fortuna in allen Facetten. Vom Glücksklee über das Hufeisen oder Pilze bis zum Schornsteinfeger. Lotto-Glücksfee Franziska Reichenbacher hat gar eine Kollektion von Glückwunschkarten für den Eulzer-Verlag entworfen. Etwa 4000 Motive hat das Unternehmen aktuell im Angebot. Nur etwa 15 Prozent davon bleiben für die kommende Kollektion erhalten, der Großteil wird von den Mitarbeitern in der Grafikabteilung aufgefrischt. Sämtliche Fertigungsschritte hat das Unternehmen im eigenen Haus vereint. Angefangen vom Entwurf über den Druck, die Veredelung bis zum Vertrieb. Mehr als 30 Außendienstmitarbeiter sorgen dafür, dass die Karten in ganz Deutschland ihre Abnehmer finden.

Viele Unternehmen in der Branche haben mittlerweile aufgegeben, sagt Nowozin. Er glaubt jedoch weiter daran, dass Eulzer auch in Zukunft gutes Geld mit den Karten verdienen kann. Er trotzt dem digitalen Zeitgeist. Eine Glückwunschkarte drücke immer mehr aus als etwa eine E-Mail, weil der Aufwand viel größer sei. „Niemand würde sich zum Beispiel trauen, bei einem Todesfall eine Mail zu schreiben“, so Reinhard Nowozin. Jeder Deutsche schreibe im Jahr 6,7 Karten, Amerikaner dagegen fast 50. „Das liegt vor allem daran, dass in den USA das Porto für verschiedene Formate einheitlich ist und es nicht mehr kostet, wenn man keinen Standardbrief verschickt.“ Auch zwischen Ost und West gibt es Unterschiede. Während Ossis es eher bunt und dicht bedruckt mögen, wollen Menschen aus den alten Bundesländern eher einfarbige Karten mit viel Freiflächen.

Zwischen Ost und West gibt es zumindest bei der Beliebtheit von Kartenmotiven einen Unterschied

Zwischen Ost und West gibt es zumindest bei der Beliebtheit von Kartenmotiven einen Unterschied. Wir haben auf Facebook gefragt, welche der beiden Reihen sich wohl in Ostdeutschland besser verkaufen. Hier nun die Lösung: Die oberen Karten sind in Ostdeutschland eher gefragt, die unteren finden ihre Abnehmer häufiger in den alten Bundesländern.

Quelle: Paetzel

Wie lange der 62-Jährige sein Unternehmen noch führen will, weiß er nicht. Ans schnöde Renteneintrittsalter will er sich dabei auf keinen Fall halten. „Meine Vertrauten sagen, dass ich arbeite, bis ich umfalle“, sagt Nowozin. Ganz so weit will er es dann aber doch nicht kommen lassen. Immerhin arbeitet mit seinem Sohn Benjamin schon sein Nachfolger an Nowozins Seite. Ein Luxus, den sich viele Firmeninhaber heutzutage wünschen würden. Auch hier, sagt Nowozin, hat er richtig Glück gehabt.

Von Marco Paetzel

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