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Das Grundwasser macht Probleme

Bombensuche in Oranienburg Das Grundwasser macht Probleme

Die Suche nach Blindgängern in Oranienburg ist ein ständiges Thema, mit dem sich die Stadtverwaltung herumschlagen muss. In der Hildburghausener Straße wurden die Arbeiten jetzt abgebrochen. Die Grundwasserabsenkung bereitet den Spezialisten erhebliche Probleme. Diplom-Geologe Kai Radmann weiß warum.

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Nichts tut sich an der Hildburghausener Straße 48. Die Pumpen sind abgestellt.

Quelle: Andrea Kathert

Oranienburg. In der Hildburghausener Straße 48, wo eine Bombenanomalie in vier Metern Tiefe zu klären ist, geben die Pumpen keinen Mucks von sich. Eigentlich sollte das Grundwasser sprudelnd aus den Löchern gepumpt werden, damit der Verdachtspunkt geöffnet werden kann. „Am 20. Juli haben wir die Absenkung aufgegeben“, sagt Ordnungsamtsleiterin Sylvia Holm. Mit der eingesetzten Technik war das anfallende Grundwasser nicht zu bewältigen. Bereits eine Woche zuvor war der Zeitplan noch mal nach hinten korrigiert worden. Ganz ursprünglich sollte schon am 15. Juli Gewissheit bestehen, ob es sich um eine Bombe in der Hildburghausener Straße handelt. Daraus wurde nichts. Damals hatte nicht nur das Grundwasser den Experten einen Strich durch die Rechnung gemacht. Zu allem Überfluss hatten irgendwelche Vandalen die Pumpenanlage zerstört. Und gleich mehrmals.

Doch nun herrscht erst mal Ruhe an der Hildburghausener Straße. Gemeinsam mit den Fachleuten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes sucht die Ordnungsamtsleiterin nach Varianten, wie der Verdachtspunkt geöffnet werden kann. „Derzeit überlegen wir, wie das Grundwasser wegzubekommen ist“, meint die Ordnungsamtsleiterin. Vielleicht reichen größere Schläuche. Kann das Wasser in den nahe gelegenen Kanal gepumpt werden? Werden Schlauchbrücken gebraucht? Oder gibt es eine ganz andere Möglichkeit? Alles Fragen, die noch offen sind.

Wie sagt man so schön, gut Ding will Weile haben, meint Sylvia Holm. „Wir können wahrscheinlich in der 33. Kalenderwoche sagen, wie es weitergeht.“ Nach wie vor ist die Straße voll gesperrt.

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Die Grundwasserabsenkungen, die nötig sind, um Bombenverdachtspunkte freizulegen, sind besonders in Oranienburg eine komplizierte Angelegenheit.

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Der Verdachtspunkt an der Hildburghausener Straße ist nicht der Erste, der die Fachleute vor große Herausforderungen stellt. Auch bei den Anomalien am Turm, am Alten Hafen in Lehnitz und in der Weserstraße gab es Probleme mit der Grundwasserabsenkung. Kai Radmann von der Hamburger Firma Consulaqua hat diese Baustellen mit betreut. Der Diplom-Geologe des Ingenieurbüros weiß, warum die Grundwasserabsenkungen in Oranienburg so schwierig sind. „In Oranienburg haben wir ein hochanstehendes Grundwasser, das ist geologisch bedingt“, sagt Radmann.

Oranienburg liegt praktisch wie eine Halbinsel zwischen Lehnitzsee und Oder-Havel-Wasserstraße.Nach zwei bis drei Metern trifft man schon auf Grundwasser. „Zu allem Überfluss haben wir dann noch im Untergrund circa 30 Meter gutdurchlässige Sande“, sagt Radmann. „Eigentlich wäre das ein idealer Grundwasserleiter für ein Wasserwerk.“ Diese beiden Umstände führen in Oranienburg zu einem hohen Wasserandrang. Bei der Anomalie an der Turm-City mussten zeitweise bis zu 800 Kubikmeter Wasser pro Stunde abgepumpt werden. Das ist auf das Jahr hochgerechnet etwa viermal soviel wie der Jahrestrinkwasserverbrauch der Stadt Oranienburg.

Und es gibt noch ein weiteres Problem in Oranienburg: das kontaminierte Wasser unter dem ehemaligen Pharmawerk, jetzt Takeda. Muss eine Grundwasserabsenkung innerhalb dieser Schadstoffblase, also im Bereich rund um das Takeda-Gelände, vorgenommen werden, „dann werden sie das verunreinigte Wasser nicht ohne Weiteres los“, erklärt der Geologe. Es müsste normalerweise aufbereitet werden. Bei den geförderten Mengen unvorstellbar. Dafür bräuchte man ein eigenes Wasserwerk.

Selbst wenn ein Verdachtspunkt in der Nähe der Schadstoffblase liegt, ist Vorsicht angesagt. Damit mit den enorm geförderten Mengen Grundwasser nicht verunreinigtes Wasser aus der Blase nachläuft. Bei dem Verdachtspunkt auf dem ehemaligen Klärwerk in der Lehnitzstraße vor einigen Jahren wurden deswegen besondere hydraulische und aufwendige Vorsichtsmaßnahmen durchgeführt.

Für die Hildburghausener Straße hat die Firma Consulaqua keinen Zuschlag bekommen. Aber Kai Radmann arbeitet schon am Verdachtspunkt am Havelufer 24. Dort steht der Geologe wieder vor einem neuen Problem. „Dort haben wir eine zehn bis 15 Meter starke Torfschicht, die besonders gut wasser hält.“ Die Bombe könnte etwa sieben Meter in die Torfschicht eingedrungen sein. Neun Meter Torf zu entwässern, ist ein richtiges Problem. Um das zu bewältigen, „nehmen wir uns jetzt einfach in der Planung mehr Zeit“, sagt Kai Radmann. Der Geologe ist im Fall Havelufer ganz optimistisch.

In der Hildburghausener Straße allerdings gilt es abzuwarten. Mit der jüngst vorgestellten neuen Technik auf dem Gebiet der Bombensuche kommt man dort auch nicht weiter. Das neue technische Verfahren „Ultra Tem“ ist zwar eine kleine Revolution in Sachen „Bombenfrüherkennung“. Mit dem Verfahren lässt sich die Struktur des Körpers in der Erde ausmachen, bei dem es sich um eine Bombe handeln könnte. Liegt aber ein metallischer Gegenstand im Boden, der einem Blindgänger ähnelt, muss die Anamolie trotzdem geöffnet werden. Wenn zum Beispiel schon bei der Suche in der Weserstraße „Ultra Tem“ zum Einsatz gekommen wäre, hätte sich die Stadt die teure Öffnung des Verdachtspunktes sparen können. „Damals war es ein Blitzableiter, der wir gefunden haben“, sagt Sylvia Holm. Mit dem neuen technischen Verfahren hätte man den Boden gar nicht erst öffnen müssen. „Damit hätten wir uns das sparen können“, weiß Sylvia Holm inzwischen. Handelt es sich aber um ein Rohr, das einem Bombenkörper durchaus ähneln kann, muss der Punkt nach wie vor geöffnet werden.

In der Hildburghausener Straße gibt es sogar noch einen zweiten Verdachtspunkt. Er ist auf Höhe der Hausnummer 34 geortet worden. Der ursprüngliche Zeitplan sah vor, am 5. August eine Aussage über den Fund machen zu können. Dieser Termin ist längst hinfällig.

 

Von Andrea Kathert

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