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Das Leben in der gesperrten Straße

Leegebruch Das Leben in der gesperrten Straße

Sie ist eine der wichtigsten Durchfahrtsstraßen – doch seit dem verheerenden Hochwasser im Juni ist die Birkenallee in Leegebruch (Oberhavel) gesperrt. Vor allem die Geschäfte leiden darunter, es gibt aber auch positive Stimmen. Wir haben uns im Ort umgehört.

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An der nördlichen Ortszufahrt zum Kreisverkehr hat der Bauhof am Mittwoch für die Fahrgäste des Busses ein Wartehäuschen errichtet.

Quelle: Enrico Kugler

Leegebruch. Das „Coffee to go“-Angebot von Silke Schiemann, Inhaberin der „Birkenquelle“, hat sich seit der Sperrung der Birkenallee in Leegebruch zum echten Ladenhüter entwickelt. Gähnende Leere herrscht in der wichtigsten Durchgangstraße des Ortes, seit diese wegen des Hochwassers im Juni, bis auf eine kurze Unterbrechung, für den Fahrzeugverkehr gesperrt ist.

Leegebruchs gesperrte Birkenallee mit Wartehaus und Bus

Leegebruchs gesperrte Birkenallee mit Wartehaus und Bus.

Quelle: Enrico Kugler

„Auch Zeitungen verkaufe ich keine mehr“, klagt Schiemann, die sich mit ihrem Kiosk mit angeschlossenem Café 2001 selbstständig gemacht hat. „Es ist schwer“, so die Unternehmerin. Der Gewinn ihres Ladens ist so extrem eingebrochen, dass sie sich lediglich durch ihr Cateringangebot über Wasser halten kann. Kaum ein Kunde nähme einen Umweg von mehreren Kilometern mit dem Auto auf sich, um bei ihr einzukaufen. Das bestätigt auch Olaf Scholz, dessen Fachhandel für Fliesen, Baustoffe und Sanitär am hintersten Ende der Birkenallee, direkt am gesperrten Kreisverkehr, liegt. Ihm fehle die Laufkundschaft, so Scholz. „Das ist am Umsatz deutlich zu spüren. Die Situation in Leegebruch ist eine Katastrophe.“Auch die Lieferanten kommen nur schwer zur „Birkenquelle“ oder zu „Fliesen-Scholz“. „Fahren sie dann über die Nebenstraßen wie den Kornweg oder den Birkenhof, beschweren sich dort die Anwohner“, weiß Silke Schliemann zu berichten.„Aber die Ruhe ist schön“, beweist sie Sinn für Galgenhumor.

Leegebruchs gesperrte Birkenallee am nördlichen Kreisverkehr

Leegebruchs gesperrte Birkenallee am nördlichen Kreisverkehr

Quelle: Enrico Kugler

Die Ruhe wissen auch andere Anwohner – trotz aller negativen Umstände – zu schätzen. Auch die Postbotin genießt es, in der Birkenallee nun freie Fahrt zu haben. „Die umliegenden Straßen wie der Wiesen- oder Kornweg sind für den Ausweichverkehr gar nicht ausgelegt“, bestätigt sie. Selbst das Postauto sei zu breit bei Gegenverkehr in den Nebenstraßen.

„Ich finde die Sperrung der Birkenallee total blödsinnig, die Straße war auch früher schon mit Wasser unterspült“, ärgert sich ein Anwohner, der seinen Namen nicht nennen will, als er gerade auf eine Bockwurst in der „Birkenquelle“ vorbeischaut. Er spricht trotzdem vielen Leegebruchern aus der Seele. Besonders in den sozialen Netzwerken wird die Straßensperrung immer wieder heiß diskutiert und sich über Autofahrer geärgert, die zudem die Absperrungen oder die Tempobegrenzung in den Nebenstraßen missachten. Zuletzt wurde der besonders kritische Straßenabschnitt zwischen Linden- und Parkstraße zusätzlich mit Sandsäcken gesichert, so dass nun kein Umfahren der Absperrung über den Bürgersteig mehr möglich ist.

Leegebruchs gesperrte Birkenallee mit Wartehaus

Leegebruchs gesperrte Birkenallee mit Wartehaus

Quelle: Enrico Kugler

Die jetzt durchgeführten Maßnahmen – noch immer laufen die Pumpen – sind nach Meinung vieler nur halbherzig. Kehre doch das Wasser direkt von den Gräben wieder als Schichtenwasser zurück unter Straße und Häuser. Besonders beschwerlich sind die längeren Wege zu den beiden Bushaltestellen für ältere und bewegungseingeschränkte Bürger. So hatte Monika Schubert angeregt, den Bus ersatzweise über Robert-Koch-Platz und Karl-Marx-Straße fahren zu lassen. Doch was früher bei Weihnachtsmärkten zeitweise möglich war, lehnte der amtierende Bürgermeister Martin Rother ab. Dafür seien die Straßen nicht ausgelegt.

Er verstehe die Sorgen der Bürger, bittet aber um Verständnis, dass die Straße bis auf Weiteres geschlossen bleibt. Das Risiko sei zu groß, die Straße zu früh zu öffnen, so Rother. „Der Untergrund ist aufgeweicht, der Unterbau der Straße steht komplett unter Wasser und darunter laufen Versorgungsleitungen“, gibt er zu bedenken. Wenn etwas passiere, füge man der Gemeinde möglicherweise einen nicht „unerheblichen Schaden“ zu. Rother: „Es gibt keine schnelle und einfache Lösung.“ Doch prüfe man parallel bautechnische Alternativen.

Von Ulrike Gawande

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