Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Oberhavel Das Thema Obdachlosigkeit verschlafen
Lokales Oberhavel Das Thema Obdachlosigkeit verschlafen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
01:16 08.12.2018
Guido Fahrendholz engagiert sich in Berlin für Obdachlose. 100 Matratzen liegen bereit. Von Oberhavel ist er enttäuscht. Quelle: Helge Treichel
Oberhavel/Berlin

Kurz vor Weihnachten war im vergangenen Jahr in Schönfließ eine 75-Jährige verstorben, die mit ihrer Tochter seit längerer Zeit im Wald gelebt hatte. Damit wurde bestätigt, wovor der ehrenamtliche Helfer Guido Fahrendholz aus Borgsdorf nur wenige Wochen zuvor unter anderem in der MAZ öffentlich gewarnt hatte: Die Zahl der Wohnungslosen in Berlin hat sich in den vergangenen fünf Jahren auf geschätzte 45 000 Personen verdreifacht. Und ein Teil dieser Leute komme ins Umland – mindestens zum Übernachten. Denn Diebstahl und brutale Übergriffe auf der Straße nähmen gegen Wohnungslose zu, wird von Betroffenen berichtet.

Fahrendholz: „Ich bin zutiefst erschrocken und desillusioniert.“

Politiker wurden aktiv: Die Sozialausschüsse Hohen Neuendorf und Birkenwerder trafen sich Ende November 2017 zu einer gemeinsamen Sitzung. Im Anschluss gab es eine Initiative von Bürgermeistern der Nordbahngemeinden, um über Hilfsstrategien für Menschen in prekären Lebenssituationen zu sprechen. „Und dann gab es ein gemeinsames Einschlafen“, bilanziert Guido Fahrendholz das Ergebnis. Herausgekommen sei absolut nichts. „Ich bin zutiefst erschrocken und desillusioniert“, so der 52-jährige Ex-Berliner und freie Journalist, der sich seit mehr als zehn Jahren für Wohnungslose engagiert. Er hat die Zeitung „Strassenfeger“ redaktionell mitgestaltet sowie rund 600 Radiosendungen und 35 TV-Sendungen zum Thema konzipiert, produziert und moderiert. Menschen mit Geld- und Suchtproblemen, Menschen ohne festen Wohnsitz liegen ihm am Herzen.

„Nur Lippenbekenntnisse“ in Oberhavel

Gleichzeitig hat Fahrendholz auch klar gemacht, dass die diesbezügliche Sozialarbeit nicht allein den Ehrenamtlichen überlassen werden dürfe. Der Staat müsse die Helfer unterstützen – in Form von psychologischer Betreuung und einer Vergütung. Erfahren habe er in Oberhavel allerdings „nur Lippenbekenntnisse“, sagt er. Die Politiker verließen sich auf das ehrenamtliche Engagement. Eine sehr gute Arbeit für Obdachlose würden zum Beispiel die „Charity Banditen“ aus Hohen Neuendorf leisten, so Fahrendholz. Er erwarte jedoch, dass dieses Thema „endlich politisch relevant wird“. Ehrenamt dürfe den Sozialstaat nicht abschaffen.

Die Einwohner hätten Obdachlosigkeit in den Stadtbildern längst wahrgenommen und als wachsendes Problem erkannt. „Ich wünsche mir an erster Stelle, dass auch die Volksvertreter die Augen aufmachen“, so Guido Fahrendholz. Er hat jedoch eine grausame Befürchtung: „Man will nicht mit Angeboten die Armut in unseren bürgerlichen Speckgürtel holen.“

Diese ehemalige Sammelunterkunft für Geflüchtete soll künftig eine Zuflucht für Wohnungslose werden. Quelle: Helge Treichel

Aufgeben kommt für Fahrendholz aber nicht in Frage. Neben seiner Tätigkeit als Journalist und Autor hat er den Job als Koordinator für eine Notunterkunft im Rahmen der Kältehilfe angenommen. In einem Objekt an der Storkower Straße im Stadtbezirk Pankow, in dem zeitweise Geflüchtete untergebracht waren, sollen spätestens bis Anfang Januar 100 Schlafplätze geschaffen werden. Träger ist die Gebewo – Soziale Dienste Berlin. Das Angebot beinhalte ein Bett sowie Essen und Trinken. Daran sollten nun Projekte zur gesellschaftlichen Teilhabe und für eine nachhaltige Perspektive anknüpfen, so Fahrendholz.

Die neu installierten Sanitäreinrichtungen wurden lediglich zehn Monate lang von Geflüchteten genutzt. Quelle: Helge Treichel

Die Bürgermeister hätten sich die vom Landkreis angemietete Obdachlosenunterkunft in Birkenwerder angeschaut, bilanziert Hohen Neuendorfs Bürgermeister Steffen Apelt (CDU) das Treffen. Angesichts der vom privaten Vermieter verlangten Miete sei die Mehrheit jedoch nicht bereit gewesen, in den bis 2021 gültigen Mietvertrag einzusteigen. Seitdem habe es keine weiteren Aktivitäten gegeben. „Offensichtlich wird das Thema nicht ernst genug genommen“, so Apelt, der das sehr bedauert. Gleichzeitig befürchtet er, dass dieses Thema erst wieder aufkommt, wenn die Folgen dramatisch sichtbar werden.

In dem Berliner Objekt werde es auch eine Küche geben, so Fahrendholz. Quelle: Helge Treichel

Von Helge Treichel

Die Hennigsdorfer Stadtverordneten haben auf ihrer Sitzung am Mittwochabend den Weg frei gemacht für den Bau eines neuen Stadtbades. Es soll höchstens 25 Millionen Euro kosten. Eine Sauna wird es aber vorerst nicht geben.

08.12.2018

Wir wollen Bedürftigen helfen. Und dann sind sie gefragt, liebe Leser. Können Sie einen der Wünsche erfüllen? Wollen Sie einem Menschen eine Freude machen, der sich in der Weihnachtszeit nicht alles kaufen kann?

05.12.2018

Aufgepasst: Die Polizei in Oberhavel ist auch am Donnerstag wieder mit dem Radarmessgerät unterwegs und kontrolliert die Einhaltung der Geschwindigkeitsvorschriften.

05.12.2018