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Oberhavel Das Waldschlösschen – ihre Bühne
Lokales Oberhavel Das Waldschlösschen – ihre Bühne
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02:15 09.06.2017
Karl-Heinz Jankowski vor dem Waldschlösschen in der Brieseallee, wo er früher Live-Konzerte und Tanzveranstaltungen organisierte. Quelle: Helge Treichel
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Birkenwerder

Wenn sie an frühere Zeiten zurückdenken, dann huscht ein versonnenes Lächeln über die Gesichter von Klaus-Günther Schnur und Karl-Heinz Jankowski. Letzterer war Clubleiter, ersterer seine „rechte Hand“. Gemeinsam haben sie in den 1970er-Jahren Live-Konzerte organisiert. Die Bühne ihrer Jugend: das Waldschlösschen. „Opus“, „Jolana“, „Mezock“ und die „Primaner“ haben dort gespielt. Und das Publikum, meist 200 bis 300 Leute und mehr, haben dazu getanzt.

Damals war das Waldschlösschen kein Chinarestaurant, sondern wurde von der HO (Handelsorganisation der DDR) bewirtschaftet. Und der Gaststättenchef sei verrückt genug gewesen, die jungen Leute bei sich Veranstaltungen organisieren zu lassen, erinnert sich Jankowski, Jahrgang 1951. Dabei seien sie stets misstrauisch von den Behörden beäugt worden. Aber „Strippe“ Schnur habe in penetranter und manchmal auch frecher Art und Weise stets alle nötigen Genehmigungen vom Landkreis eingeholt. Nach der Wende habe er in seiner Stasi-Akte lesen können, dass immer zwei, drei Aufpasser in zivil unter den Gästen waren.

Stöbern in alten Fotoalben. Hier entdeckt Jankowski zahlreiche bekannte Gesichter. Quelle: Helge Treichel

Anfangs sei der Parkettboden „sehr ramponiert“ gewesen, erinnert sich Klaus-Günther Schnur, mittlerweile 62 Jahre alt. „Wir haben uns Bohnerwachs besorgt und alles selbst hergerichtet“, erzählt er stolz. Und da ist es wieder, dieses Lächeln. Die Mädels hätten immer gekellnert. Als mal die alten gusseisernen Heizkörper eingefroren waren, habe man auch das wieder repariert. Es wurde gemalert, und geputzt. Nur einmal gab es Ärger: Im jugendlichen Leichtsinn hatten sie eine Meereslandschaft an die Bühne gemalt, dazu königliche Machtinsignien wie einen Reichsapfel und ein Zepter. Das missfiel der Obrigkeit, es gab eine große Aussprache. „Und wir haben uns gar nichts dabei gedacht“, beteuert Schnur noch Jahrzehnte später.

Ein besonderes Erlebnis waren für die jungen Männer stets die großen Ausflüge und Fahrten – am liebsten zusammen mit den zugänglichen Mädels aus Leegebruch. Nach Rostock ging es oder in den Süden zur „Krone des Erzgebirges“ zur Augustusburg. „Sachsen oder Nordlichter – wir haben uns mit allen verstanden“, sagt Schnur, der sich schon damals auch parallel in der Freiwilligen Feuerwehr in Birkenwerder engagierte, was sich gut ergänzt habe. Oft ging’s mit Motorrädern auf Tour, Awo, Jawa und MZ. „Das waren nicht unter 20 Maschinen.“ Manchmal ging’s auch zum Liepnitzsee oder nur mit der S-Bahn nach Berlin zur Schönhauser Allee. Bei Konopke wurde dann die legendäre Currywurst verspeist.

Das Haus Am Werder wurde übergangsweise auch als Jugendtreff genutzt. Quelle: Helge Treichel

Bei den gegenwärtigen Temperaturen erinnern sich die Männer auch gern an ihre Badeaktionen im Briesesee oder Boddensee. In Briese gab es früher sogar ein 1959 wiedereröffnetes Strandbad mit Turm mit Sprungbrett. „Leider wurde das dann eine Entenfarm“, bedauert Schnur. Das zog eine drastisch verschlechterte Wasserqualität nach sich. Aber die Jugend habe sich zu helfen gewusst und die Schleusen geöffnet. „Danach war der See wieder sauber.“ Das Freibad war nach zehn Jahren verfallen und wurde geschlossen.

In dem Zusammenhang erinnert sich Klaus-Günther Schnur, wie seine Kumpels und er als 14- bis 15-Jährige einmal einen Sarg aus der Kapelle des ehemaligen Friedhofs ausgeborgt hatten, um damit über die Briese zu paddeln. Inzwischen seien die meisten der damaligen Tatbeteiligten verstorben.

rinnerungsfoto von einer Tour. Rechts: Karl-Heinz Jankowski und neben ihm Klaus-Günther Schnur. Quelle: Helge Treichel

Nicht weit vom ehemaligen Friedhof entfernt steht heute noch das Haus Am Werder 6. Was heute ein schmuck hergerichtetes Baudenkmal ist, hatte für einige Zeit auch als Jugendtreff gedient. Das selbe gilt für die Clara-Zetkin-Gedenkstätte. Und wo heute die Firma Elektro-Anlagenbau und Vertriebsgesellschaft mbH (Eltav) firmiert, diente vor Jahrzehnten als Gesellschaftshaus. Der erste Jugendklub habe sich jedoch in der Bergfelder Straße befunden, erinnert sich Klaus-Günther Schnur. Das sei ab Ende der 1950er-Jahre gewesen – noch unter Ex-Bürgermeisterin Trude Marx. 1967 wurde der Jugendclub laut „Zeitstrahl“ auf der Gemeindehomepage dann umgebaut und als Kindergarten übergeben.

1980 hat Karl-Heinz Jankowski seine Einstufung zum Schallplattenunterhalter gemacht. Zehn Jahre lang war der Fernmeldemechaniker nebenbei als DJ tätig. Später arbeitete er als Nachrichtentechniker bei der Telekom, ist aber seit vier Jahren Rentner. Enttäuscht stellt er fest, dass die guten sozialen Kontakte seit 1990 deutlich zurückgegangen sind. Die beinahe dörfliche Gemeinschaft sei durch den Zuzug verändert worden. Ein Grund mehr, sich an alte Tugenden zu erinnern.

Von Helge Treichel

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