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Oberhavel Das lange Schweigen gebrochen
Lokales Oberhavel Das lange Schweigen gebrochen
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01:15 03.06.2018
Kerstin Ahrens (l.) ist Heilpraktikerin für Psychotherapie. Hier spricht sie mit der Frau, die sich jetzt geoutet hat. Quelle: Enrico Kugler
Oranienburg

Nach 40 Jahren hat sie sich geoutet. Eher konnte sie einfach nicht über das Geschehene sprechen. „Ich wollte es mit ins Grab nehmen. Aber nun möchte ich anderen Mut machen, sich auch von der Last zu befreien“, sagt Marina (Name von der Redaktion geändert).

Die Leegebrucherin ist jetzt 55 Jahre, hat einen Sohn und einen Enkel. Vor Männern hat sie Angst. Damals, ab einem Alter von sechs Jahren, wurde sie sexuell missbraucht. Zehn Jahre lang. Von einem Familienmitglied, dem sie immer wieder begegnete und der ihr drohte, das „gemeinsame Geheimnis“ zu verraten, „denn ich war Schuld. Es war 40 Jahre lang wie eine Fessel.“ Durch das Schweigen wurde sie krank, bekam Asthma, Bluthochdruck, Magengeschwüre, Angst- und Panikattacken.

2007 wurde sie bei der Arbeit an der Kasse eines Geschäfts zweimal Opfer eines Überfalls. Sie brauchte psychologische Behandlung. „Dabei kam alles hoch.“ Und doch brauchte sie noch einmal zehn Jahre, um über den Kindesmissbrauch reden zu können. Im Herbst letzten Jahres war es soweit. „Ich wollte es einfach loswerden.“ Doch dann folgte die nächste Enttäuschung: Nach zwei Jahren Warten auf die Bewilligung von Geld vom Fonds Sexueller Missbrauch im familiären Bereich des Bundes für eine Therapie, sagt ihre Therapeutin ab: keine Kapazitäten.

Dann traf sie Kerstin Ahrens, Heilpraktikerin mit Ausbildung als Traumatherapeutin, aus Schönwalde-Glien. Sie hat jetzt beantragt, die Behandlung aufnehmen zu dürfen. „In 67 Prozent der Fälle von Kindesmissbrauch passiert der in der Familie.“ Doch woran erkennt man, was passiert?: „Plötzliche Angst vor Menschen, Aggressionen, Zittern“, so Kerstin Ahrens.

„Seit ich mich geoutet habe, sind viele Schmerzen weg“, sagt Marina. Und sie möchte jetzt unbedingt anderen Betroffenen Mut machen. Sie ist Leiterin der Selbsthilfegruppe „Angst und Panik“ in Leegebruch. Für Freitag, den 15. Juni, lädt sie zusammen mit Kerstin Ahrens zum Thema „Tabubruch Schweigegebot“ ab 14.45 Uhr in die Evangelische Kirche Leegebruch in der Straße der Jungen Pioniere 1 ein.

Auch die Sekis in Oranienburg unterstützt die Veranstaltung, in Oranienburg könnte sich ebenfalls eine Gruppe gründen. „Denn die Betroffenen wissen in der Regel nicht, wo sie sich hinwenden können“, so Ahrens, die sich in ihrem Vortrag mit den Themen Missbrauch, Kinderprostitution, Kinderpornografie und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz sowie dem Verschweigen von Kindesmissbrauch in der DDR beschäftigt. Beide Frauen wollen eine Plattform geben, damit auch andere ihr Schweigen beenden können.

Für Sonnabend, den 16. Juni, bieten die beiden ab 10 Uhr einen Kurs in der Kirche zur Selbstverteidigung für Frauen mit der Berliner WenDo-Trainerin Astrid Zink an. Die Teilnahme kostet fünf Euro, eine Anmeldung ist erforderlich und möglich unter 03304/25 13 59 oder 0174/7 77 85 94.

Warum bei Marina niemand erkannt hat, was los war? Sie weiß es nicht. „Ich muss immer alles sauber haben, weil ich mich sonst dreckig gefühlt habe. Und einer, der es heute weiß, hat gesagt: Ach deshalb hast du so oft geweint.“

Von Heike Bergt

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