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Debatte um Asylbewerberheim in Gransee

Bürger äußern Vorbehalte und Ängste Debatte um Asylbewerberheim in Gransee

In der Debatte um das Asylbewerberheim in Gransee wurden bei einer Bürgerversammlung am Mittwoch viele Sorgen und Ängste geäußert. Noch gibt es dazu mehr Fragen als Antworten. Der Landkreis will sich um ein Sicherheitskonzept für den Standort bemühen.

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Vor allem Bewohner der Waldsiedlung formulierten in der Diskussion um das Flüchtlingsheim ihre kritische Haltung.

Quelle: Cindy Lüderitz

Gransee. Mit vielen Sorgen und Ängsten der Einwohner sahen sich am Mittwoch in Gransee die Vertreter von Kreis und Kommune konfrontiert, als sie im Strittmatter-Gymnasium die Pläne für das neue Asylbewerberheim am Karl-Marx-Platz vorstellten.

Vor allem Bewohner der Waldsiedlung, in deren Nachbarschaft die Unterkunft entstehen wird, haben offenbar ein Problem mit der Standortwahl. "Ich habe nichts gegen die Menschen, aber hier bei uns halte ich das für unglücklich", sagte eine Anwohnerin und brachte als mögliche Alternativen die ehemalige Förderschule oder den leeren Wohnblock am Kraatzer Weg ins Gespräch. Eine Nachbarin fürchtet den Wertverlust ihres Grundstücks, wenn das Heim gebaut wird. Andere sorgen sich "angesichts des Personalabbaus bei der Polizei" um die Sicherheit in der Gemeinschaftsunterkunft und deren Umfeld.

Als ungerecht empfinden Granseer den Verteilerschlüssel der neuen Kreiskonzeption zur Unterbringung. Im Vergleich zu Oranienburg, wo ein Heim mit 120 Plätzen entstehen soll, sei Gransee mit 80 Plätzen über Gebühr belastet, hieß es. Andere hätten sich gewünscht, dass der Kreis bei seiner Standortabwägung die Einwohner mit einbezieht. "Es wäre schöner gewesen, nicht einfach nur eine Entscheidung präsentiert zu bekommen", so ein Redner, der dann noch hinzufügte: "Wenn wir ehrlich sind, möchte keiner die Asylanten haben."

Diesem Gedanken widersprach unter anderem Pfarrer Tobias Ziemann aus Gutengermendorf, der für eine Willkommenskultur warb: "Ich sehe die Menschen, die vor Lampedusa ertrinken, und das ist keine Alternative für mich." Auch andere Initiativen in der Stadt hatten sich bereits für ein Klima der Toleranz und ein offenes Miteinander ausgesprochen.

Landrat Karl-Heinz Schröter signalisierte, dass die Sorgen der Bürger ernst genommen würden und diese erste Information nur der Auftakt für weitere Gespräche sein werde. Allerdings könne in Bezug auf das Heim nicht über das Ob diskutiert werden, nur über das Wie. Der Landkreis sei angesichts steigender Asylbewerberzahlen unter Druck. Es müssten neue Plätze geschaffen werden und das auch im Nordkreis. "Es gibt für zentrale Orte wie Gransee auch Sicherstellungsaufträge, die zu erfüllen sind. Dieser gehört dazu", so Landrat Schröter. Niemand müsse jedoch befürchten, dass sich der Karl-Marx-Platz mit der Gemeinschaftsunterkunft zu einem Schandfleck entwickelt. "Wir sind durch unsere Art der Bewirtschaftung in der Lage, das zu verhindern", sagte der Landrat und verwies auf positive Erfahrungen in Stolpe-Süd. Rund um das dortige Heim gebe es nicht das von einigen vermutete "vermüllte Umfeld". Schröter bot den Granseern an, auf Kosten des Landkreises einen Bus zu mieten und dann gemeinsam in den Südkreis zu fahren, um sich die dortige Einrichtung anzusehen.

Ein guter Anfang

Kommentar von Cindy Lüderitz

Es war durchaus zu erwarten, dass die Granseer mit Ängsten und Sorgen auf die Planungen des Landkreises reagieren, in der Stadt ein Asylbewerberheim mit 80 Plätzen einzurichten. Noch gibt es dazu mehr Fragen als Antworten – und zwischen den Zeilen auch das eine oder andere Vorurteil. Dass die Diskussion am Mittwoch trotz aller Bedenken weitestgehend sachlich verlief, erklärt wohl, warum Landrat Karl-Heinz Schröter am Ende der Fragestunde „ermutigt“ war. Wohlwissend, dass die Integration der Flüchtlingsfamilien zu einer Bewährungsprobe für das Gemeinwesen der Stadt werden wird. Aber wo ein Klima der Toleranz herrsche, hätten jene Kräfte, die mit Parolen um sich schlagen, keine Chance, sagte Schröter. An diesem Klima zu arbeiten, wird eine Aufgabe aller gesellschaftlichen Kräfte in Gransee und der Umgebung sein. Neben der Kirchengemeinde haben sich weitere Initiativen bereits für ein „Willkommen“ gegenüber den neuen Mitbürgern ausgesprochen. Das ist ein guter Anfang.

Zum Thema Sicherheit werde er das Gespräch mit dem Innenministerium und der Polizei suchen, so der Landrat. Er stellte auch ein Sicherheitskonzept in Aussicht, das gemeinsam mit der Kommune erarbeitet werden könnte. Ein Sozialarbeiter werde die Heimbewohner in Gransee betreuen, tagsüber soll zudem ein Wachmann vor Ort sein, nach Dienstschluss der Betreuer ein zweiter. Da die Asylbewerber während ihres mindestens drei- bis vierjährigen Aufenthaltes weder Integrationsleistungen noch eine Arbeitserlaubnis erhalten, warb Sozialdezernent Michael Garske für die Einbindung der neuen Mitbürger in das Gemeinwesen. Gemeinnützige Arbeit oder auch das Engagement in Vereinen würden Struktur geben und das Miteinander fördern.

Ein Großteil der Flüchtlinge, die bislang in Oberhavel aufgenommen wurden, stammt nach Angaben des Landkreises aus der russischen Förderation (24 Prozent) und Afghanistan (22 Prozent) sowie aus Kenia (20 Prozent). Auf die Verteilung selbst habe der Kreis keinen Einfluss. Deshalb ist beispielsweise auch unklar, wieviele Kinder unter den Flüchtlingen sein werden, die in Gransee aufgenommen werden. Das war unter anderem für die Lehrer der Siemens-Oberschule von Interesse, wo die Kinder beschult werden sollen.

Von Cindy Lüderitz

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