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Dem Gedenken Namen gegeben

Oranienburg Dem Gedenken Namen gegeben

Zwei Namenstafeln erinnern ab sofort an jüdische Frauen, Männer und Kinder aus Oranienburg, die Opfer von NS-Gewalt geworden sind. Ihrer ist bei einer Veranstaltung am Donnerstagnachmittag für die Opfer der Reichspogromnacht vor 79 Jahren am Gedenkort Havelstraße gedacht worden.

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Rabbiner Nachum Presman liest am Gedenkstein in der Havelstraße ein Gebet. Anschließend wurden auf dem Jüdischen Friedhof Kerzen entzündet.

Quelle: Enrico Kugler

Oranienburg. Ludwig Sacher wurde nur zwei Jahre alt. Der Name des kleinen Jungen ist einer von 16 Oranienburgern jüdischen Glaubens, die in den Konzentrationslagern von Auschwitz, Riga, Buchenwald und Sachsenhausen zwischen 1933 und 1945 umgebracht worden sind. Sie stehen auf einer der beiden Tafeln, die jetzt am Ort des ehemaligen jüdischen Bethauses in der Havelstraße angebracht worden sind. Auf der zweiten sind die Namen von insgesamt 22 Frauen, Männern und Kindern dieser Stadt zu lesen, die verfolgt und in die Emigration getrieben wurden und in Ghettos wie in denen von Warschau, Shanghai, Theresienstadt und Amsterdam an Hunger und Entkräftung starben.

„Ich möchte mich beim Ortschronisten Hans Biereigel und Elena Miropolskaja, der Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde der Stadt, bedanken, dass sie dafür gesorgt haben, dass das Gedenken in Oranienburg nicht namenlos bleibt “, so Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke (SPD) bei der Kranzniederlegung am Donnerstagnachmittag. Die Namenslisten basieren auf der Forschungsarbeit Hans Biereigels, der auch zur gestrigen Einweihung gekommen war. Den Menschen ist auch mit den „Stolpersteinen“ vor ihren ehemaligen Wohnhäusern ein kleines Denkmal gesetzt worden.

Am Ort der früheren Synagoge von Oranienburg an der Ecke Havelstraße/Neringstraße wurde gestern der jüdischen Opfer der Reichspogromnacht am 9. November vor 79 Jahren und danach gedacht.

Aber auch „dem Durchbruch zur Freiheit bei einer erfolgreichen friedlichen Revolution in der DDR“ am 9. November 1989, so Walter Momper. Der Mann mit dem roten Schal, Berlins Regierender Bürgermeister zur Wendezeit, war gestern als Redner zu Gast in Oranienburg. „Wir sind froh und stolz, dass uns Europa vergeben hat, trotz der Gräueltaten der Nazis. 60 Millionen jüdische Menschen sind damals in Europa fabrikmäßig ermordet worden – eine Schande.“ Um so mehr trage man heute die Verantwortung, „dass Deutschland liberal, freiheitlich und offen bleibt. Fremdenfeindlichkeit und Gewalt wollen wir hier nicht haben.“ Walter Momper forderte mehr Courage, dafür einzutreten. „Wir als Nachgeborene sind verpflichtet, dass es in diesem Land nie wieder Krieg, Faschismus und Holocaust gibt“, forderte Momper.

Rabbiner Nachum Presman las am Gedenkstein und anschließend auf dem Jüdischen Friedhof an der Kremmener Straße ein Gebet. Kerzen wurde entzündet.

Zum Gedenken gekommen war auch Edelgard Müller: „Ich schäme mich bis heute, was damals passiert ist. Gerade war ich in Israel, habe mir mit meinem Mann dort auch die Holocaust-Gedenkstätte in Yad Vashem angesehen. Es war mir Bedürfnis, heute hier dabei zu sein“, so die Friedrichsthalerin. „Wir müssen Erinnerungen wachhalten“, so Ralf Fiedler vom DGB-Kreisvorstand. Kirchengemeinden und Parteien legten Kränze nieder. Auch Oranienburgs scheidender Bürgermeister zusammen mit dem neu gewählten, Sohn Alexander Laesicke.

Von Heike Bergt

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