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Oberhavel Den Absprung geschafft
Lokales Oberhavel Den Absprung geschafft
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00:19 12.08.2017
Karl-Heinz Schiemann hat für seinen Betrieb den richtigen Weg gewählt.
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Liebenwalde

Erst vorgestern hat Karl-Heinz Schiemann 120 Mastbullen verkauft. „Die letzten 65 Bullen gehen auch bald weg“, meint der Geschäftsführer. Die Agrar GmbH trennt sich von den Mastbullen. Zu teuer ist der Zukauf von Futter, an dem es in den letzten Jahren immer mehr mangelte. 400 000 Euro mussten dafür investiert werden. Außerdem hätte die GmbH die alten Stallanlagen für mehrere Hunderttausend Euro sanieren müssen. Deshalb ging Schiemann mit seinen 31 Beschäftigten einen anderen Weg und setzt nun auf Öko und stellt sein Futter nun fast komplett selbst her.

Timo Schiemann (M.), der Leiter der Abteilung erklärt dem SPD-Landtagsabgeordneten Björn Lüttmann (r.) und Benjamin Grimm wie man EU-Fördermittel per Computer beantragt.Schlag für Schlag muss er einzeln anklicken und die Daten eingeben. Quelle: Enrico Kugler

Die Tochtergesellschaft, Gut Hammer Liebenwalde GmbH, baut schon lange auf 1140 Hektar ökologisch an. Deshalb dauerte die Umstellung von konventionell auf Bio auch nur ein halbes Jahr, statt zwei. Das hat der Agrar GmbH das Leben gerettet. Sonst hätte die Milchproduktion eingestellt werden müssen.

Karl-Heinz Schiemann zeigt seien Technik. Die Mähdrescher konnten zum Glück vom Hof fahren. Es war Erntewetter. Quelle: Enrico Kugler

800 Rinder, davon 318 Milchkühe, und insgesamt 1750 Hektar Land sorgen jetzt nach dem ersten Ertragsjahr als Ökobetrieb für eine gute Bilanz. Die Milchkühe stehen nur auf der Weide. „Das bekommt den Tieren sehr gut, sie sind viel entspannter“, sagt Schiemann. Er merkt es allein schon an den Eutererkrankungen, die extrem zurückgegangen sind. Natürlich ist die Leistung der Kühe nun nicht mehr so hoch, liegt bei etwa 7800 Liter Jahresleistung pro Tier. Als Mitglied im Naturland-Verband liefert Schiemann nun 2,5 Millionen Liter Milch pro Jahr und bekommt derzeit 49,5 Cent pro Liter. Bei konventioneller Milchviehhaltung gebe es keinen fairen Milchpreis mehr. Von Seiten der Politik möchte man die Landwirtschaftsbetriebe hegen und pflegen. „Doch genau das Gegenteil wird erreicht“, sagt der Geschäftsführer. Die billigen Lebensmittel fallen uns auf die Füße.“ Bei der Preisfindung müsse man bei den Bauern anfangen und kalkulieren, was die für ihre Produktion bräuchten. Denn die Molkereien hätten keine Probleme.

Beim Ackerbau haben auch die Liebenwalder Verluste zu beklagen. „Der Roggen liegt vollkommen platt“, meint Schiemann. Auch das andere Getreide ist noch nicht alles vom Feld. Zum Glück hat der Betrieb neben einer Biogas- auch eine Trockenanlage, sonst wäre noch mehr Getreide verloren.

Info: In der sitzungsfreien Sommerpause unternahm Landtagsabgeordneter Björn Lüttmann (SPD) eine „Bauerntour“ durch seinen Wahlkreis. Die MAZ begleitete ihn dabei.


Von Andrea Kathert

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