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„Den Frust von der Seele geredet“

Interview mit dem Ex-Vorsitzenden des Kulturvereins Schildow „Den Frust von der Seele geredet“

Gerhard Peter ist der erste und bislang letzte gewählte Vorsitzende in der 14-jährigen Geschichtes des Kulturvereins Schildow. Unter den 49 Mitgliedern fand sich niemand, der seine Nachfolge antreten möchte. Der 84-jährige gibt Auskunft zum Stand der Dinge aus seiner Sicht.

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Gerhard Peter zieht sich zurück – auf Wunsch.

Quelle: Helge Treichel

Mühlenbecker Land. Gerhard Peter ist der erste und bislang letzte gewählte Vorsitzende in der 14-jährigen Geschichtes des Kulturvereins Schildow. Unter den 49 Mitgliedern fand sich niemand, der seine Nachfolge antreten möchte. Der 84-jährige gibt Auskunft zum Stand der Dinge aus seiner Sicht.


MAZ:
Obwohl laut Satzung fünf Vorstandsmitglieder zu wählen sind, wurden in der jüngsten Mitgliederversammlung nur zwei gewählt. Die anderen sollen in einer neuen Versammlung nachgewählt werden. Was halten Sie davon?

Gerhard Peter: Ich möchte mich zu diesem Thema zunächst rechtskundig machen. Ich habe jedoch Zweifel, dass dieses Verfahren rechtskonform ist, zumal die beiden gewählten Frauen nach dem „Wahlvorgang“ noch nicht einmal gefragt wurden, ob sie die Wahl überhaupt annehmen. Vera Grapentin hatte den Einwand erhoben, dass sie unter den genannten Umständen doch nicht zur Verfügung steht. Das wurde ignoriert. Es muss also juristisch abgeklärt werden, ob die Wahl so rechtens war. In jedem Fall muss es einen neuen Wahlversuch geben.

Sie selbst wurden ja gebeten, nicht mehr anzutreten. Ihr Führungsstil stieß auf Kritik. Wie gehen Sie damit um?

Peter: Ich bin nicht zurückgetreten, ich habe erklärt, dass ich nach 14 Jahren nicht erneut als Vorsitzender zur Verfügung stehe. Wird ein neuer Vorstand gebildet, der geschäftsfähig ist, würde ich diesen gerne unterstützen. Falls meine Unterstützung nicht erwünscht ist, werde ich mich natürlich zurückziehen und dann auch nicht für den Vorstand kandidieren.

Welchen Weg sehen Sie, um den Kulturverein mit seinem guten Image in die Zukunft zu retten?

Peter: Die Außenwirkung des Vereins ist in erster Linie auf seine zahlreichen, qualitätsvollen und vielgestaltigen Einzelveranstaltungen zurückzuführen. Wir hatten zeitweise bis zu 40 Veranstaltung pro Jahr mit jährlich 3000 bis 4000 Besuchern. Mein Problem war, dass ich mich zunehmend überfordert fühlte, mir alle Veranstaltungen allein auszudenken, sie allein zu organisieren und zusätzlich die Verantwortung für den Ablauf zu tragen.

Daneben haben die fünf Arbeitsgruppen eine sehr gute, vor allem selbstständige Arbeit geleistet. Die AG-Leiter haben dabei die jeweiligen Aktivitäten ihrer Gruppen selbst organisiert und realisiert. Besonders hervorheben möchte ich die Arbeit des Lesezirkels unter der langjährigen Leitung von Vera Grapentin. Die Arbeitsgruppen haben – im Gegensatz zu den Einzelveranstaltungen – ihre Wirkung vor allem in der Gemeinde entfaltet. Um nun den guten Ruf des Kulturvereins auch in Zukunft zu halten, ist es in erster Linie notwendig, vor allem den Gesamtkomplex der Einzelveranstaltungen fortzuführen. Hierzu ist es notwendig, dass sich entweder ein neuer Vorsitzender findet, der wie ich die Einzelveranstaltungen vollständig übernimmt, oder dass sich eine Gruppe von aktiven Leuten findet, die jeweils Teilbereiche dieses Spektrums übernehmen – so wie ich es jahrelang in den Mitgliederversammlungen gefordert habe. Ist dies nicht möglich, sollte der Verein abgewickelt werden, wobei es wichtig ist, dass dabei Voraussetzungen geschaffen werden, damit die Arbeitsgruppen des Vereins weiter existieren können.

Sie neigen zur Selbstdarstellung, lautete ein Vorwurf...

Peter: Ich finde es fragwürdig, wenn die Leute, die jahrelang meine Bitte um Unterstützung überhört haben, von Selbstdarstellung reden, wenn ich meine Aktivitäten aufzähle, deren Erfolg sie ja obendrein anerkennen.

Vielleicht lag das ja an dem mitunter rauen Umgangston? Als Sie sprachen, verließ zum Beispiel Schatzmeisterin Anja Rauchbach vorzeitig die Versammlung.

Peter: Nun ja, ich hatte als Vereinsvorsitzender das Wort. Obendrein finde ich es ungehörig, wenn ein um Jahrzehnte Jüngerer mir bei meiner Rede ins Wort fällt, übrigens nicht zum ersten Mal! Das wollte ich mir nicht gefallen lassen und habe ihr gesagt, dass sie den Mund halten möge.

Im übrigen: Meine Emotionen bei dem Redebeitrag sollten verständlich sein, denn ich habe mir einen in langen Jahren angestauten Frust von der Seele geredet. Abschließend will ich sagen, dass ich durchaus nicht emotionslos sehe, dass der Kulturverein von der Bühne verschwindet, nur weil ich in all den Jahren bis heute keinen Nachfolger gefunden habe.


Von Helge Treichel

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