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Denkmalschützer pfeifen Gemeinde zurück

Birkenwerder Denkmalschützer pfeifen Gemeinde zurück

Die Gemeinde Birkenwerder muss am Clara-Zetkin-Haus für rund 80.000 Euro erst wenige Jahre alte Fenster und Türen austauschen lassen. Bei der Sanierung war die Denkmalbehörde nicht beteiligt worden. Anstelle der Holzfenster aus dem Jahre 1911/1912 waren Kunststoffelemente verbaut worden. Und die Akten zu dem Vorgang sind verschwunden.

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Ein Einzeldenkmal: Das Gebäude der Clara-Zetkin-Gedenkstätte Birkenwerder.

Quelle: Robert Roeske

Birkenwerder. Die herausgerissenen Fenster und Türen wirken neuwertig. Dennoch muss die Gemeinde Birkenwerder diese am denkmalgeschützten Clara-Zetkin-Haus für rund 80.000 Euro austauschen lassen.

Erst acht Jahre zuvor waren die Fenster und Türen schon einmal erneuert worden. Rund 40.000 Euro hatte die Gemeinde seinerzeit dafür ausgegeben, sagt Bürgermeister Stephan Zimniok (B.i.F.).

Die reich profilierten Holzfenster und Eingangstüren aus dem Jahr 1912, dem Baujahr der Villa, waren durch Kunststofffenster ersetzt worden – nach den Worten von Kreissprecher Ronny Wappler „ohne die nach Brandenburgischem Denkmaschutzgesetz erforderliche denkmalrechtliche Erlaubnis“ . Bereits im Mai 2012 sei der Verstoß bei einer Routinekontrolle der unteren Denkmalbehörde entdeckt worden. Aufgrund ihres Materials und der Detailausführung seien „die verbauten Kunststofffenster nicht erlaubnisfähig“. Der Rückbau sei daraufhin im Februar 2013 angeordnet worden. Die Gemeinde habe ein Planungsbüro beauftragt, das den neuerlichen Austausch wiederum mit der kreislichen Denkmalbehörde abstimmte.

Wie neu

Wie neu: die frisch herausgerissenen Kunststofffenster.

Quelle: Robert Roeske

Die Denkmalschützer waren beim ersten Umbau 2007/2008 jedoch erst gar nicht beteiligt worden. Ob das bewusst geschah, weil eine andere Rechtsauffassung herrschte, oder schlicht vergessen wurde, lasse sich derzeit nicht sagen, so Zimniok: „Im Moment kann man alles unterstellen.“ Der Grund: Die betreffende Akte ist im Rathaus nicht auffindbar. Lediglich Kassenbelege wurden gefunden. Der Sommer soll nun genutzt werden, um das Archiv zu durchforsten. Noch möchte der Bürgermeister nicht davon sprechen, dass jemand Beweise bewusst verschwinden ließ: „Es gab zwischenzeitlich einen Umbau im Rathaus. Da wurde viel von links nach rechts geräumt.“ Nicht nur einmal seien danach Unterlagen am falschen Platz aufgetaucht. Vorsorglich hat Zimniok dennoch die Justiziarin beauftragt, der Sache auf den Grund zu gehen und die Verantwortlichen zu ermitteln. Er hält den Vorgang für „skandalös“.

Die handelnden Personen damals: Bürgermeister Kurt Vetter, Bauamtsleiterin Gudrun Hingst und Hauptamtsleiter Ronald Pienkny. Alle drei sind nicht mehr in der Gemeindeverwaltung tätig. Pienkny ist Staatssekretär im Brandenburger Justizministerium, die anderen beiden sind im Ruhestand. Befragt wurden sie noch nicht, sagt Zimniok. Er warnte in der jüngsten Gemeindevertretersitzung indes davor, den Fall gleich an den bestehenden Untersuchungsausschuss zu geben.

Die Vorderansicht der Clara-Zetkin-Gedenkstätte

Die Vorderansicht der Clara-Zetkin-Gedenkstätte. Konstantin Zetkin, der jüngere Sohn Clara Zetkins, erwarb das Anwesen im Jahre 1929 für seine betagte Mutter. Die Reichstagsabgeordnete der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) suchte bereits seit längerem eine Unterkunft in der Nähe des Deutschen Reichstages. Clara Zetkin lebte bis Anfang 1932 in Birkenwerder. Ein Jahr vor ihrem Tod siedelte sie in die Sowjetunion über.

Quelle: Robert Roeske

Seit zwei Wochen läuft der Austausch von zehn Fenstern und drei Türen. Zudem war 2013 der Einbau von Holzelementen angeordnet worden, die den Originalzustand herstellen sollen. Mit Hilfe historischer Schwarz-Weiß-Aufnahmen und mit Vergleichsdaten wurden die Farbtöne rekonstruiert. Cremeweiß für die Fenster und Braunbeige für die Türen. Bis September soll der Umbau erledigt sein.

Von Helge Treichel

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